— Du, einen Augenblick... Ich sprach ganz ruhig, erkünstelt, beinah’ mit herzlichem Entgegenkommen.
— Wir scheiden nicht als Feinde, wir sind Kameraden; denk dich doch mal in die Rolle eines meiner männlichen Kameraden hinein. Siehst du, ich meine das Technische an der Geschichte: Geld, Kleider und ähnliches. Das Technische ist immer die große Hauptsache.
Ich versuchte freundlich zu lachen.
— Ich denke, das beste wird sein, dass du gleich gehst; deine Sachen schick’ ich dir nach. Um offen und europäisch zu sprechen, nämlich, siehst du, kann ich nicht mehr länger zusammen mit Dir bleiben; man kann alles verstehen, aber so bleibt doch immer so ein Vorurteil, eine Idiosynkrasie, so ein malgré tout...
Meine Stimme brach allmählich, ich fing an zu beben, noch ein Wort und ich hätte mich nicht länger halten können. Meine Hände sah ich in zweckwidrigen Bewegungen nach etwas suchen, autonom, ohne bewussten Willensantrieb.
Tränen rollten über ihre Wangen — Tränen, wie sie nur Frauen haben; sie kommen so mir nichts dir nichts, irgendwelche physiologische Nebenwirkung ist nicht zu bemerken, es kommt beinah wie Schweißtropfen.
Sie versuchte, mich zu beschwichtigen:
— Aber glaub’ mir doch; willst du mich durchaus los werden, so geh’ ich, aber meine Liebe zu dir hab’ ich nicht verloren...
Der Schlusssatz interessierte mich; wie wunderbar sie das »Ich liebe dich« umschrieben hatte. Sie wusste, dass ich dabei aufgelacht hätte. Übrigens war sie ihrer Lüge sich sehr gut bewusst; es kam so zaghaft, wie ein verzweifelter und eigentlich sinnloser Versuch.
Ich lächelte sehr überlegen.