— Du, ganz europäisch und objektiv...

— Ja selbstverständlich...

Es war ja ihre schwache Seite, das Europäische und Objektive; sie schwärmte für die männliche Intelligenz, die etwas objektivieren kann.

— Hör’ mal... Wieder empfand ich das eigentümliche, zitternde Würgen. Meine Stimme wollte umkippen. Ich stand auf und trank ein Glas Wasser. Wieder setzt’ ich mich; die Rolle eines objektiven, edelmütigen Richters gefiel mir.

— Wir wollen vernünftig sein und vor allen Dingen uns ganz ruhig aussprechen — meine Stimme wurde immer fester und härter — ganz ruhig, mein’ ich; nicht wahr? Was sollen wir uns quälen? du liebst mich nicht mehr, ich verstehe es sehr gut, unser Verhältnis hatte keine Ansprüche auf Ewigkeit. Übrigens hast du das Recht, einen andern zu lieben, das ist selbstverständlich; ich nehm’ es dir nicht übel. Unsere Instinkte sind so ziemlich von uns unabhängig.

Sie schwieg und sah mich prüfend an; etwas wie Trotz stach aus ihren Augen, ein frecher Trotz, ein kühnes Eingestehenwollen, ganz so, wie man Vorwürfen begegnen will. Aber ich hatte keine Vorwürfe, ich sprach nicht gereizt, nur eine unendliche, würgende Traurigkeit wand sich in mir, die Gelassenheit eines, der das Verhängnis über sich, um sich, in jeder Handlung, jeder Willensäußerung erkannt hat.

Der Ausdruck ihrer Augen veränderte sich; nichts als Mitleid und die Ungeduld, endlich einmal zu Ende zu kommen, sah ich nun in diesen Augen.

Ich schob meinen Hut zurück, goss Spiritus in die Teemaschine und sprach trocken, abgerissen, fast geschäftlich:

— Ich hindere dich nicht, ich stehe dir garnicht im Wege, ich habe ihm das auch schon mitgeteilt, du kannst gehen...

Sie stand auf, halb trotzig, halb beschämt, nahm ihren Mantel und Hut und wollte gehen.