Der alte Mensch produzierte Dinge, der neue produziert seinen jeweiligen Gehirnzustand, jener brachte die Dinge, wie sie nach und nach, reihenweise eins nach dem anderen geordnet ins Gehirn kamen, dieser bringt Gefühle, mit denen sich diese Dinge verknüpft haben und die Assoziationen dieser Gefühle.
Daher das Klare, Verstandesmäßige, Konstruierte, „Klassische” der alten Dichtung, und daher das Ungeordnete, Traum– und Sprunghafte (— „Pathologische” nennt es das halbe Gehirn —) der Hanssonschen Produktion.
In dem alten Gehirne assozierte sich der Ton nur immer mit dem Tone, in dem neuen Geiste ruft der Ton Farben hervor, ein Ton kann das ganze Leben in unermesslicher Perspektive hervorzaubern, eine Farbe kann zu einem Konzerte werden und ein Gesichtseindruck kann schauerliche Orgien auf dem Grunde der Seele hervorrufen.
Und wie die Sonnenstrahlen sich durch die Atmosphäre fortpflanzen, ohne sie zu erwärmen und erst die Erde erreichen müssen, damit Licht in Wärme umgesetzt und von der Erde aus die Luft erwärmt werde, so pflanzt sich ein Eindruck bis zu dem Mutterboden des neuen Menschen, bis zu den Tiefen, in welchen seine Individualität ruht, fort, um in Schwingungen übersetzt, in die Persönlichkeit zurückzugreifen und hier Verbindungen mit bewussten Eindrücken einzugehen.
Und während früher alle diese feinen Eindrücke von der Individualität festgehalten wurden und nur höchstens in pathologischen Fällen zum Vorschein kamen, werden sie in dem neuen Geiste ausgedünstet, dem Dampfe vergleichbar, der als weiter Dunstkreis sich in der Luft über der Erde ausbreitet um hier von der Atmosphäre aufgesogen zu werden.
So wird Alles bewusst, alle die feinen und feinsten Schwingungen, von denen man bis jetzt nur durch die Psychiatrie Aufschluss bekam, pflanzen sich bis zur Großhirnrinde zurück, wo sie durch analoge, bewusste Vorgänge übersetzt werden, sie werden von dem Mutterboden des Menschen reflektiert und von ihm bekommen sie den eigentümlichen Geruch, die eigentümliche Wärme und Farbe, die ein reflektierter Sonnenstrahl von dem Boden der Erde empfängt.
Es ist etwas in dem neuen Gehirne, das mir von höchster Wichtigkeit erscheint und das ich schon wiederholt angedeutet habe.
Die Eindrücke assoziieren sich miteinander nicht nach ihrem inhaltlichen und gegenständlichen Werte, sondern nach dem Gefühlswerte, den sie repräsentieren.
Zwei inhaltlich verschiedene Eindrücke können denselben Gefühlswert haben, können auf dem Boden der Individualität gleiche Resonanz finden, und dann kann es kommen, dass die Stirn eines Mädchens sich mit einer Landschaft assoziiert, die am tiefsten auf die Seele einwirkte, dass der Blick der Geliebten eine „taumelnde Orgie” hervorruft, „einen grässlichen Totentanz von schlottrigen männlichen Totengerippen und nackten Jordaenschen Frauenkörpern”5.
Hierin ruht das Geheimnis des weitaus tiefsten und am schlechtesten verstandenen Buches von Nietzsche: „Also sprach Zarathustra” und hierin liegt das große Geheimnis der Hanssonschen Produktionsweise.