Es ist derselbe Boden, auf dem sich auch die „Sensitiva” abspielt, dieselbe Tiefe und Unterbewusstsein.

Und während Ola Hansson in den „Parias” das Ich-Bewusstsein schilderte und sich alles Leben im Unbewussten abwickeln ließ, zeigt er in der Sensitiva das Geschlechtsleben, das nur im Unbewussten aufwachsen und gedeihen kann.

Und wie er in den Parias zeigte, dass das Ich im Leben nur etwas Akzidentelles sei, das jeden Augenblick verloren gehen kann, zeigt er hier, wie das Ich in dem Geschlechtsleben absolut keine Rolle spiele, wie Alles unter dem Ich, nichts im Ich geschehe.

Und warum liebe ich das Weib?

Jede Linie, in die sich sein Körper ewig neu kleidet, der Teint seines Gesichtes, das Timbre seiner Stimme, der Geruch, den sein Körper ausströmt, das sind Linien, Farben und Gerüche, die mit meinem innersten organischen Sein auf das innigste verwachsen sind, und in denen mein Wesen seinen höchsten potenziertesten Ausdruck gefunden hat. Das Weib, das diese feinsten und tiefsten Saiten meines Seins anschlägt, schleicht sich ohne Widerrede in mein Gehirn hinein, und ich liebe es mit dem tiefen unbedingten Zustimmungsgefühl, mit dem ich das Land, das meine Seele geformt, liebe.

Ich liebe in dem Weibe mich, mein auf das Höchste gesteigertes Ich; meine zerbröckelten in allen Ecken des Gehirnes schlummernden Zustände, in denen das innerste Geheimnis meines Wesens ruht, haben sich um dieses Weib geordnet und konzentriert wie Eisenspäne um einen Magneten, alle diese Dinge, von denen in meinen sonstigen Bewusstseinszuständen höchsten nur das eine oder das andere als ein konstituierendes Element eintrat, sind nun gleichzeitig versammelt, wie in einem Brennspiegel konzentriert, alle die Eindrücke, die das gleiche Maß höchsten Lustgefühles repräsentieren, werden aneinandergefügt, gleichwie durch die Isothermen und Isobaren, alle Punkte gleicher Wärme und gleichen Atmosphärendruckes verbunden werden: und ich liebe das Weib, das diese Konzentration in mir hervorgebracht hatte, ich liebe die Isobare und Isotherme meiner höchsten und tiefsten Lustgefühle.

Dass ich gerade dieses Weib liebe, das ist nur die Frage meiner organischen Konstitution, es ist die Frage, bis zu welchem Grade ich Formen genießen kann, ohne dass sich in die Bewegung meiner Augmuskeln auch nur das leiseste Unlustgefühl einschleicht, bis zu welchem Grade ich die Bewegungen des geliebten Weibes innerlich nachmachen kann, ohne dass diese Innervationsgefühle das höchst zulässige Lustmaß überschreiten, es ist die große Frage bis zu welchem Grade ich fähig bin, seelische Zustände noch als Lustgefühle zu perzipieren — und dieses „noch” ist die höchste, intenseste Spitze derselben.

Das Tiefste und Innerste meines Wesens ist die eine Seite des Bildes, das das Weib in mir entwirft, die unbewussten Gefühle der höchsten Zweckmäßigkeit, des höchsten Maßes des mir Zukommenden ist die andere Seite.

Und das Weib, das ich liebe, das bin Ich, mein intimstes, innerstes Ich, mein Ich als arriére-fond, als entlegenster Hintergrund, Ich aus der Vogelperspektive, Ich, der Objektpunkt einer spiegelnden Ebene.

Innerhalb des ganzen Reizumfanges, innerhalb dessen ich Gefühle als Lustgefühle empfinde, ist ein engerer Umfang enthalten, in dem sich Alles als das höchste Lustgefühl präsentiert. Und dass das Weib in diesen engeren Umfang mit allem, was es konstituiert, hineinpasst, dass es sich mit diesen intensesten Lustgefühlen deckt, deshalb liebe ich es als das Totalitätsbild alles dessen, das mir das höchste Glück bereitet, als ein inniges Ineinandersein, was vom Tiefsten und Glückseligsten in mir enthalten ist.