In diesem Sinne ist das Individuum ein Art-erhaltendes, Art-förderndes Agens, nur so ist es zu verstehen, weshalb es gerade das Individuum war, welches den gefährlichen Übergang vom Tiere zum Menschen einleitete, welches die nachrückende Masse organisierte und von welchem alle Gestaltungs– und Formungsprozesse ihren Ausgang nehmen.

Das Individuum ist der ewige Zirkulationsstrom voll ernährenden Plasmas, der in dem sonst bedeutungslosen Gewebe den Stoffwechsel, die Grundlage des organischen Wachstums, besorgt und es so funktionell brauchbar macht, — ein Fermenterreger, der in das indifferente Gemenge die Gährungsprozesse einleitet, der leitende Verbindungsfaden, den man in einem Embryo zwischen Nerven und Muskelzellen vermutet und an dem der Nervenfaden in einen ganz bestimmten Muskel hineinwächst. —

Daher auch das Pathologische solcher Erscheinung, aber nur im klinischen Sinne.

Nur im klinischen, im physiologischen ist eine solche Entwicklung die denkbar natürlichste.

Das Individuum besitzt eine Nervenmasse von einer ungeheuren Instabilität, einer enormen Zersetzbarkeit, infolgedessen auch das Maßlose der Empfindungsqualität.

Maßlos im Schmerz und maßlos in der Freude.

Diese intense Empfindungsweise ist es, welche das Individuum darauf anweist, allein und einsam zu sein.

Nicht das Individuum sondert sich ab, sondern es ist schon von vornherein abgesondert.

Es empfindet anders, als alle Menschen, es empfindet dort, wo andere Menschen nichts emfinden, und weil die Gehirne seiner Mitmenschen selbst nicht einmal dort in Mitschwingungen geraten, wo das Individuum sich in heftigster Vibration befindet, so ist es eben einsam und allein. —

Das Tieftragische im Individuum ist das Mißverhältnis, in welchem es zu seinen Mitmenschen steht. Aus diesem Mißverhältnis erklärt sich dann sein Menschenekel und Menschenhaß, sein Mißbehagen und seine Sehnsucht, seine Selbstflucht und seine Krankheit und an diesem Mißverhältnisse geht das Individuum zu Grunde.