Achte Scene.
Die Vorigen. Famussoff.
Famussoff (in der Thür).
Da haben wir’s, da steht der Zweite!
Sophie.
Ach Väterchen, der Traum von heute!
(Geht ab, Lisette folgt.)
Famussoff (bei Seite).
Verdammter Traum!
Neunte Scene.
Famussoff. Tschatzki (sieht Sophien nach).
Famussoff.
Nun sag’, was hast Du denn getrieben?
Wie, in drei Jahren nicht ein Wort geschrieben,
Und plötzlich fällst Du wie vom Himmel nieder!
(Umarmt ihn.)
Nun, sei willkommen Freund, willkommen!
Du alter Junge, Du!
Jetzt haben wir Dich wieder!
Nun, Abentheuer konnten Dir nicht fehlen,
Da setze Dich, und nun mußt Du erzählen.
(Sie setzen sich.)
Tschatzki (nachdenklich).
Wie ist doch Ihre Tochter schön!
Famussoff.
Ihr junges Volk wißt auf nichts anderes zu sehn,
Als darauf, ob die Mädchen schön.
Da hat sie etwas obenhin gesagt,
Was Deiner Eigenliebe gleich behagt;
Doch Hoffnung hat schon oft betrogen!
Tschatzki.
Mich hat sie wahrlich nicht verzogen.
Famussoff.
Der Traum von heute — sagte sie —
Und Du, Du grübelst nach, ich wette,
Was denn Sophie
Geträumt wohl hätte?
Ich grüble nicht, es fiel mir niemals ein,
Den Sinn von Träumen auszulegen.
Famussoff.
Freund, traue nicht den Frauen!
Tschatzki.
Nur meinen Augen will ich trauen,
Und das muß offenherzig ich gestehn,
Das Fräulein ist ganz unvergleichlich schön!
Famussoff (bei Seite).
Er ist davon nicht abzubringen!
(laut) Doch sage mir vor allen Dingen:
Wo warst Du denn die ganze Zeit?
Drei Jahre fort, das will was heißen!
Tschatzki.
Unmöglich kann ich jetzt erzählen!
Die ganze Welt wollt’ ich durchreisen
Und kam nicht tausend Stunden weit.
(Steht schnell auf.)
Ich muß jetzt fort — durchaus —
Ich eilte her und war noch nicht zu Haus.
Nach einer Stunde komm’ ich wieder,
Dann setzen wir uns traulich nieder,
An Abentheuern soll es dann nicht fehlen —
Sie können sie dann aller Welt erzählen.
(Im Abgehen zu Sophiens Zimmer gewendet:)
Wie ist sie schön!
(Ab.)
Zehnte Scene.
Famussoff (allein).
Wer ist’s nun von den Zwei’n?
„Ach Väterchen, der Traum trifft ein,“
Und sagt’s mir laut! Ei, ei, ich muß gestehn
Ich habe mich versehn!
Ich habe einen Bock geschossen,
Und auf Moltschálin meine Galle erst ergossen,
Doch jetzt heißt’s: Aus dem Regen in die Traufe! —
Der ist ein Bettler, der als Seladon bekannt
Und als ein Muthwill und Verschwender
Bei Jung und Alt im ganzen Land! — — —
Was machen uns — Herr du Gerechter! —
Für Plagen doch erwachs’ne Töchter!
(Bleibt nachdenklich stehn. Der Vorhang fällt.)
Ende des ersten Akts.
[1] Bis dahin muß die Musik immer zu hören sein.
Zweiter Akt.
Ein Empfangzimmer mit mehreren Thüren, links ein Fenster.