Sechste Scene.
Scalosúb und Tschatzki.
Scalosúb.
Was mich besonders intressirt
Ist, wie Sie so geschickt berührt
Die Vorurtheile unsrer Stadt
Die man hier für die Garde hat.
Die Garde — das ist ihre Wonne!
Man schaut sie an wie eine Sonne.
Warum zieht man sie vor
Zum Beispiel unserm ersten Corps?
Worin blieb dieses vor der Garde je zurück?
Hat’s schlecht’re Taillen etwa und Geschick?
Was wollen diese Evastöchter,
Sitzt unsre Uniform denn schlechter?
Ich kann gleich ein’ge Offiziere nennen
Die selbst französch parliren können.
Siebente Scene.
Scalosúb. Tschatzki. Sophie (stürzt zum Fenster). Lisette.
Sophie.
Ach Gott — er fiel — er ist verloren! ah!
(Sinkt hin auf einen Stuhl.)
Tschatzki.
Wer fiel?
Scalosúb.
Sag’, was geschah?
Tschatzki.
Vor Schreck liegt sie in Ohnmacht ja!
Scalosúb.
Wer denn! Woher! Was ist passirt?
Tschatzki.
Hat sie sich weh gethan?
Stieß sie wo an?
Was ist geschehn?
Scalosúb.
Ist was dem Alten arrivirt?
Lisette (immer bei Sophien beschäftigt).
Ach seinem Schicksal kann man nicht entgehn!
Moltschálin stieg zu Pferde
Es bäumte sich, er stürzt’ zur Erde
Und grade Kopfvoran.
Scalosúb.
Zu straff zog er die Zügel an,
Ja, so ein Sonntagsreiter vom Civil!
Ich will doch hören wie er fiel
Ob seitwärts oder ob nach vorne.
(Geht ab.)
Achte Scene.
Tschatzki. Lisette. Sophie (in Ohnmacht).
Tschatzki.
Wie soll man helfen, sage schneller!
Lisette.
Dort steht ein Glas auf einem Teller.
(Tschatzki läuft fort und holt Wasser — alles wird halbleise und schnell gesprochen.)
Schnell gießen Sie ’s ins Glas!
Tschatzki.
Das ist schon lang gescheh’n!
Lös ihr das Mieder! —
Die Schläfen reib’ mit Essig doch!
Besprenge sie mit Wasser noch!
So, so — sie athmet wieder
Nun fächle sie. — Sophie?
(Sophie seufzt.)
Lisette.
Da seufzte sie!
Tschatzki.
Sieh’ aus dem Fenster — da —
Da steht Moltschálin ja!
Und diese Kleinigkeit konnt’ sie erschrecken!
Lisette.
Es muß in Damen-Nerven stecken.
Das Fräulein kann es nicht ertragen,
Fällt Jemand über Kopf und Kragen.
Tschatzki.
Besprenge sie mit Wasser doch,
So recht — noch einmal — noch!
Ach!
Was ist geschehn, mir ist so schwach!
Wer ist um mich?
(Springt auf, heftig.)
Wo ist er, sprich?
Was ist’s mit ihm?
Tschatzki.
Ei, welch ein Ungestüm!
Ich wollt’ er hätte sich den Hals gebrochen,
Er schreckte Sie zu Tode fast.
Sophie.
Das war unmenschlich doch gesprochen,
Sie wollen es, daß man Sie haßt!
Tschatzki.
Ich sollte mich auch noch mit ihm befassen?
Sophie.
Ja! eilen, laufen, ihn erretten!
Tschatzki.
Und Sie in Ohnmacht liegen lassen?
Sophie.
Was sind Sie mir? Doch war es fremdes Unglück ja!
Und läg’ der eigne Vater da,
Sie rührt’ es nicht.
(Zu Lisette.)
Komm’ schnell, was stehst Du noch?
Lisette (führt Sophie zum Fenster).
Wohin, besinnen Sie sich doch!
Er lebt, es ist ihm nichts geschehn,
Sie können ihn hier aus dem Fenster sehn.
(Sophie eilt zum Fenster.)
Tschatzki (bei Seite).
Entsetzen, Ohnmacht, Zorn! — So kann man nur empfinden
Wenn den Geliebten man verliert!
Sophie (zu Lisette).
Siehst Du, wie sie den Arm ihm binden!
Er kommt, er wird herauf geführt!
Tschatzki.
Ich wollt’, ich hätt’ mit ihm den Hals gebrochen!
Lisette.
Per compagnie! Nun das ist brav gesprochen.
Sophie.
Ach, lassen Sie’s beim Wunsch!