Sechste Scene.

Die Vorigen. Platon Goritscheff.

Natalie Dmítrewna.

Da ist er, mein Platon Michailowitsch!

Tschatzki.

Was, der?

Mein alter Freund! Nun sieh’, welch Ungefähr!

Platon.

Ah! — — —

Willkommen Bruder, bist Du wieder da!

Tschatzki.

Platon mein Freund — es macht Dir Ehre,

Du führst Dich ja vorzüglich, wie ich höre!

Platon.

Ja — sieh — was alles noch aus einem werden kann.

In Moskau leb’ ich jetzt und bin ein Ehemann.

Tschatzki.

Und jene Zeit, wo Du im Felde standst

Und höchste Lust im Lärm des Lagers fandst —

Der Trommel und Trompete Ton —

Vergessen also alles schon?

Ich glaub’ Du liegst jetzt auf der faulen Bank,

Und trankst in vollen Zügen Lethe?

Platon.

O nein, ich übe jetzt auf meiner Flöte

Ein großes Duo in A-moll.

Tschatzki.

Nun, das ist toll,

Das übtest Du bereits in deiner Jugend!

Indeß bei einem Ehemann

Ist’s gut — wenn man doch rühmen kann

Beständigkeit als seine erste Tugend.

Platon.

Freund — denke an mein Wort:

Wird Dir einst eine Frau zu Theile,

Du pfeifst gewiß vor Langerweile

Ein und dasselbe immerfort.

Tschatzki.

Wie Langeweile — ei, das ist nicht gut!

Zahlst Du ihr wirklich schon Tribut?

Natalie Dmítrewna.

Mein Mann war früher an Beschäftigung gewöhnt,

Das fällt jetzt weg. — Revue’n und die Parade,

Und dann die Reitbahn fehlt ihm Morgens nachgerade.

Tschatzki.

Was hält Dich ab, mein Freund? Zum Regiment mit Dir,

Such eine Eskadron — Du bist wohl Stabsoff’zier?

Natalie Dmítrewna.

Ach nein, zu kränklich ist mein armer Mann!

Tschatzki.

Ist’s möglich, wie, Du kränklich und seit wann?

Natalie Dmítrewna.

Er leidet an rheumatischen Beschwerden

Und auch am Kopf.

Tschatzki.

Hier wird’s nicht besser werden.

Beweg’ Dich, reite mehr, zieh’ in den Süden hin.

Die Landluft ist allein schon ein Gewinn.

Natalie Dmítrewna.

Mein Mann liebt Moskau gar zu sehr!

Er muß genießen doch sein Leben —

Was soll er in die Wildniß sich begeben!

Tschatzki.

Du liebst die Stadt? Wer hätte das gedacht!

Entsinne Dich, wie oft hast Du sie nicht verlacht.

Platon.

Ach Freund, die alten Zeiten sind nicht mehr.

Natalie Dmítrewna.

Mein Männchen, komm recht fort!

Hier ist’s so frisch — hör’ doch ein Wort —

Dein Rock ist aufgeknöpft und auch die Weste —

Platon.

Ich bin nicht was ich war!

Natalie Dmítrewna.

Komm, knöpf’ sie feste!

Hör’ doch, mein Engelchen —

Platon (ruhig).

Ja, ja!

Natalie Dmítrewna.

Komm von der Thüre doch hierher,

Hier zieht der Wind.

Platon.

Ja Bruder, ich bin nicht der alte mehr.

Natalie Dmítrewna.

So höre doch ein Wort,

Um’s Himmelswillen komm von der Thüre fort!

Platon.

Ach liebes Kind!

Tschatzki.

Nun das geht weit!

Verwandelt in so kurzer Zeit?

Bei’m Regiment im vor’gen Jahr

Warst Du ja noch der wackerste Husar!

Bei Tagesanbruch schon zu Pferde

Verspottetest Du jegliche Beschwerde. —

Wie oft — mit ungestümer Lust

Sah man auf wildem Hengst, mit offner Brust

Dem Herbst-Sturm Dich entgegenreiten!

Platon.

Ach Camerad’, das waren schöne Zeiten!