Siebente Scene.
Die Vorigen. Fürst Tugoúchoffski nebst Gemahlin und sechs Töchtern.
Natalie Dmítrewna (aufkreischend).
Fürst Peter Illjitsch, ah’ die liebe Fürstin!
Und ah mon Dieu — Sisi, Mimi, die Lieben!
(Geräuschvolle Begrüßung, auch Tschatzki verbeugt sich. Die Damen setzen sich links in einen Halbkreis und betrachten einander von oben bis unten.)
Wie allerliebst ist die Façon von Ihrem Kleide!
Zweite Fürstin.
Mit Garnitur besetzt —
Erste Fürstin.
Und welche schöne Seide!
Natalie Dmítrewna.
Mein Atlastürluru — das sollten Sie erst seh’n!
Dritte Fürstin.
Es hat mir eine Schärpe der Cousin gebracht,
Nein, — die ist wunderschön!
Vierte Fürstin.
Ach ja, — und von barège, eine Pracht!
Fünfte Fürstin.
Ganz köstlich ist sie.
Sechste Fürstin.
Herrlich, ja!
Die alte Fürstin (zu Natalie).
Wer ist der junge Mann im Winkel da,
Er grüßte uns, als wir in’s Zimmer traten?
Ich hab’ schon hin und her gerathen.
Natalie Dmítrewna.
Ein Angereister — Tschatzki.
Die alte Fürstin.
Ah!
Hat er den Dienst verlassen?
Natalie Dmítrewna.
Ja,
Vom Ausland kehrt er eben erst zurück.
Ist ledig er?
Natalie Dmítrewna.
Ja, noch garçon.
Die alte Fürstin (zum Mann).
Erlaucht, Erlaucht, — auf einen Augenblick!
Geschwinder.
Der Fürst (nähert sich mit seinem Hörrohr).
O! — hm? —
Die alte Fürstin.
Den jungen Herrn dort
Natalie Dmítrewna’s Bekannten — den da —
Lad’ ein zu unserm Ball, am Dienstag — mach’ nur fort!
Der Fürst.
I—hm!
(Er schleicht um Tschatzki herum und hustet.)
Die alte Fürstin.
So geht es, wenn man Kinder hat!
Ein Ball ist einmal ihr Vergnügen;
Man quält sich müd’, man quält sich matt,
Und weiß oft Tänzer nicht zu kriegen! —
Er ist doch Kammerjunker?
Natalie Dmítrewna.
Nein.
Die alte Fürstin.
Doch reich?
Natalie Dmítrewna.
O, nein!
Die alte Fürstin (so laut als möglich).
Erlaucht, Erlaucht, zurück, zurück sogleich!
Achte Scene.
Die Vorigen. Die Gräfin Chrumin und ihre Großtochter.
Die junge Gräfin.
Ah! grand-maman! Wer kommt denn auch so früh!
Wir sind die ersten hier!
(Beide entfernen sich in einen andern Saal.)
Die alte Fürstin (zu Natalie).
Nun hören Sie!
Sehr artig das! Die ersten hier!
Uns zählt sie nicht; ei welch ein Vornehmthun!
Ein boshaftes Geschöpf; und alte Jungfer nun
Schon eine Ewigkeit! Nun Gott verzeihe ihr!
Die junge Gräfin
(kommt zurück und nähert sich lorgnettirend Tschatzki).
Ah! Monsieur Tschatzki hier? Wer hätte das gedacht!
Und noch der alte stets?
Tschatzki.
Warum sollt’ ich mich ändern?
Die junge Gräfin.
Sie sind ja doch gereist in vielen fremden Ländern
Und haben keine Frau vom Ausland mitgebracht!
Tschatzki.
Vom Ausland?
Die junge Gräfin.
Ja! Bei diesen fremden Damen,
Da fragt man nicht nach Herkunft, Stand und Namen,
Und unsre jungen Herrn, wenn sie nach Hause kehren,
Die pflegen uns gewöhnlich zu bescheren
Mit Schwägerinnen und Cousinen
Aus Modemagazinen.
Die Unglücksel’gen — ja! — Von Damen,
Die sich Modistinnen zum Muster nahmen,
Da werden sie nun ausgeschmählt,
Daß sie, statt der Copien —
Originale sich gewählt!