Sechste Scene.

Repetíloff. Sagorétzki.

Sagorétzki.

Ich bitte fahren Sie nur fort —

O, ich versteh’ Sie auf mein Wort!

Ich bin ja ganz wie Sie ein großer Liberaler,

Allein mir ging es noch fataler,

Ich trug zu kühn die Wahrheit vor,

Sie glauben nicht, was ich dadurch verlor.

Repetíloff (ärgerlich).

Verschwunden! — Alle fort!

Und sagen nicht ein Wort.

Erst der — nun jener — kaum sieht man sich um;

Erst hatt’ ich Tschatzki hier gefunden,

Drauf Scalosúb und beide sind verschwunden!

Sagorétzki.

Was meinen Sie von Tschatzki?

Repetíloff.

Nun, er ist nicht dumm!

Wir sprachen hier von Possen — allerhand,

Dann aber hat sich das Gespräch

Zum Vaudeville gewandt.

Ein wichtiges Gespräch! — Sehr wichtig

Ist doch das Vaudevill,

Doch alles übrige ist nichtig.

Und ich und er — ich hab’ — ich sag’ es offen

Den nämlichen Geschmack bei ihm getroffen.

Sagorétzki.

Bemerkten Sie denn nicht

Daß es bei ihm im Kopf nicht richtig?

Repetíloff.

Ei was!

Sagorétzki.

Ich sage nur, was jeder spricht.

Repetíloff.

Wie abgeschmackt!

Sagorétzki.

So fragen Sie doch!

Repetíloff.

Wind!

Sagorétzki.

Da kommt der Fürst mit Frau und Kind

Recht à propos.

Repetíloff.

Ach Possen!

Siebente Scene.

Repetíloff. Sagorétzki. Fürst Tugoúchoffski nebst Gemahlin und sechs Töchtern; Mad. Chlestow von Moltschálin geführt.

Sagorétzki.

Ich bitte Sie, Erlaucht, mir doch zu sagen:

Ist Tschatzki toll geworden oder nicht?

Erste Fürstin.

Wer kann da zweifeln oder fragen?

Zweite Fürstin.

Wovon die ganze Welt schon spricht!

Dritte Fürstin.

Kränklinski’s, Schmuzowski’s,

Dibrinki’s, Klatschkowski’s —!

Vierte Fürstin.

Das ist was altes schon. Wem ist die Sache neu?

Fünfte Fürstin.

Wer zweifelt noch daran?

Repetíloff.

Ei,

Dieser Mann!

Sechste Fürstin.

Sie?

Alle zusammen (ihn umringend).

Wie?

Msjë Repetíloff. Nein?

Msjë Repetíloff, ach, wie kann das sein!

Was wollen Sie, man weiß es schon im ganzen Lande,

Was denken Sie? Es ist ja Sünd’ und Schande!

Repetíloff (hält sich beide Ohren zu).

Verzeih’n Sie mir, ich wußte nicht

Daß man davon so laut schon spricht.

Die alte Fürstin.

So laut? — Nicht laut genug. — Ei, das ist sonderbar!

Sie müssen wissen

Mit ihm zu sprechen bringt Gefahr.

Man hätte längst ihn binden müssen,

Er ist ja wüthend wie ein Tieger,

Und doch — hört man ihn an —

So scheint sein kleiner Finger klüger

— Im Disputiren — das versteht er —

Als alle Welt — und selbst mein Mann, Fürst Peter.

Ich glaube — gradheraus — er ist ein Jakobiner

Ihr saubrer Freund! — Nun gute Nacht!

Repetíloff.

Ihr Diener!

Die alte Fürstin.

Ach, Herr Gemahl, Du mußt Dich schon bequemen

Sisi und Kätchen mitzunehmen,

Wir haben, sechs Mann hoch, erst gar zu eng gesessen.

Mad. Chlestow

(erscheint oben und ruft herab).

Eh, liebe Fürstin, eh!

Sie haben Ihre Kartenschuld vergessen.

Die alte Fürstin.

Notiren Sie’s, mein Schatz. Adieu!

Alle (gegenseitig).

Adieu, Adieu, Adieu! —

(Die fürstliche Familie und Sagorétzki ab.)

Achte Scene.

Repetíloff. Mad. Chlestow. Moltschálin.

Repetíloff.

Du großer Gott!

Ach, meine Gnädigste, was soll man dazu sagen?

Der arme Tschatzki! Ach! die Weisheit ist nur Spott!

Und wozu hilft es nun mit Lernen sich zu plagen!

Mad. Chlestow.

Gott hat es ihm geschickt! Es ist ein schlimmer Fall,

Allein vielleicht ist er noch zu kuriren;

Indeß, mit Ihnen, Freund, würd’ man die Zeit verlieren,

Ist das nun wohl erhört! Jetzt kommen Sie zum Ball!

(Zu Moltschálin.)

Nun, bester Freund, da ist dein Kämmerlein,

Geh’ nur hinein

Und Gott behüt’ Dich. (Moltschálin geht ab.)

(Zu Repetíloff.)

Nun, Alterchen, schön gute Nacht

Wie lange soll die Tollheit währen?

Ich dächt’, es wäre Zeit, mit Rasen aufzuhören.

(Ab.)