Pépp, Péppowitsch, Pépp

Nikolai Apollonowitsch rannte beinahe mit der Stirn gegen die Tür seines Zimmers; er drehte das elektrische Licht auf (Wozu? Die Sonne, ja, die Sonne blickte schon durch die Fenster) und lief in die Richtung seines Schreibtisches, wobei er unterwegs einen Stuhl zu Boden warf.

»Ah — ah — ah . . . Wo mag nur der Schlüssel sein?«

— — ?

— — !

»Ah! . . .«

»Na, also . . .«

»Schön . . .«

Ebenso wie sein Vater pflegte Nikolai Apollonowitsch mit sich selbst zu reden.

Und — ja: er wollte sich beeilen . . . Er bemühte sich, die widerspenstige Schublade herauszuziehen; er entnahm ihr einige mit Bändchen versehene Bündel mit Briefen; dann eine große Photographie; sein Blick streifte das Bild, und von diesem blickten ihm zwei Augen einer hübschen Frau entgegen — mit spöttischem Lächeln sahen sie ihn an; er schleuderte das Bild von sich; unter dem Bild befand sich das in ein Tuch gewickelte Paket; mit gemachter Gleichgültigkeit legte er es auf die Handfläche und prüfte sein Gewicht: es war etwas Schweres darin; er legte das Paket wieder rasch auf den Tisch.

Mit geschäftigen Bewegungen begann er nun, das Paket von dem Tuch, in das es gewickelt war, zu befreien. Sein Erstaunen war grenzenlos:

»Eine Bonbonniere . . .«

»Ah . . .«

»Ein Bändchen . . .«

»Nein, schau mal einer her . . .«

Wie sein Vater hatte Nikolai Apollonowitsch die Gewohnheit, mit sich selbst Gespräche zu führen.

Als er aber das Bändchen aufgeknüpft hatte, waren seine Hoffnungen zerschmettert (er hatte doch auf etwas gehofft), denn drin — in der mit einem rosa Bändchen zugeschnürten Bonbonniere — befand sich nicht Konfekt von Balé, sondern eine einfache Blechbüchse; sein Finger empfand in unangenehmster Weise die Kälte des Deckels.

Da bemerkte er zugleich den Uhrenmechanismus, der seitlich an der Büchse angebracht war: man brauchte nur den Schlüssel zu drehen, um den schwarzen Zeiger auf die vorgemerkte Stunde zu bringen.

Nikolai Apollonowitsch hatte eine dumpfe Überzeugung, die seine Schwäche und Charakterlosigkeit dokumentierte: er fühlte, daß er nie imstande war, diesen Schlüssel umzudrehen, denn es gab kein Mittel, den einmal in Bewegung gesetzten Mechanismus zum Stillstand zu bringen. Um sich den Rückzug von vornherein unmöglich zu machen, faßte Nikolai Apollonowitsch sofort den Schlüssel mit den Fingern: sei’s, daß seine Finger in diesem Augenblick zu zittern begannen, sei’s, daß er in einem Schwindelanfall in den Abgrund stürzte, dem er mit aller Kraft auszuweichen suchte — der Schlüssel machte eine Drehung um eine Stunde, dann um zwei . . . Nikolai Apollonowitsch machte unwillkürlich einen kunstvollen Sprung auf die Seite; nach dem Seitensprung schielte er wieder zum Tisch hinüber: noch immer stand die Blechbüchse, die früher Sardinen enthalten hatte, auf dem Tische (er hatte sich einmal mit Sardinen übergessen, seither hatte er sie nie mehr gegessen); eine gewöhnliche Sardinenbüchse wie jede andere: glänzend, mit abgerundeten Ecken . . .

Nein — nein — — nein —!

Wohl war es eine Sardinenbüchse, doch eine Sardinenbüchse mit furchtbarem Inhalt!

Der metallene Schlüssel hatte sich schon um zwei Stunden weitergedreht, und in der Sardinenbüchse begann das seltsame, mit dem Verstand nicht zu kapierende Leben; die Sardinenbüchse war dieselbe und doch wieder nicht dieselbe; in ihrem Innern krochen die Zeiger: der Stunden- und der Minutenzeiger; der geschäftige Sekundenzeiger hüpfte im Kreise; er wird nun weiterhüpfen, bis zu dem Augenblick (der ist nicht mehr fern) — bis zu dem Augenblick, bis zu dem Augenblick, an dem . . .

— der schauerliche Inhalt der Sardinenbüchse sich häßlich aufbläht; sich maßlos dehnt; und da — und da: zerspringt die Sardinenbüchse . . .

— Teile des schauerlichen Inhalts rasen im Kreise umher, zerreißen mit donnerndem Gepolter den Tisch; der vielfach gespalten zusammenfällt; und auch sein Körper wird in Stücke zerreißen: zusammen mit den Holzspänen, mit den sich nach allen Seiten ausbreitenden Gasen wird er als eine blutige, schmutzige, leblose Masse an den kalten steinernen Wänden hängenbleiben . . .

— in dem hundertsten Teil einer Sekunde wird das alles geschehen: in dem hundertsten Teil einer Sekunde werden die Wände einstürzen und der schauerliche Inhalt wird, sich dehnend, dehnend, dehnend — zugleich mit den Holzsplittern, Blut und Steinen gegen den dunkeln Himmel emporfliegen.

Draußen stiegen bauschige Rauchwolken nach oben, ihre Schwänze in die Newa tauchend.

Was hat er nun getan, was hat er getan?

Die Blechbüchse stand noch immer auf dem Tisch; hat er nun den Schlüssel umgedreht, dann müsse er unverzüglich die Büchse an die richtige Stelle bringen (zum Beispiel: unter das Kissen in dem weißen Schlafgemach); oder sie mit dem Fuße zerstampfen. Aber sie an die richtige Stelle zu bringen, unter das hochaufgeschlagene Kopfkissen des Vaters, damit der alte, kahle Kopf, ermüdet von dem soeben Vorgefallenen, mit aller Wucht auf die Bombe niederfällt — nein, nein, nein: dazu konnte er sich nicht hergeben; das wäre Verrat.

Mit dem Fuße zerstampfen?

Doch bei diesem Gedanken fühlte er etwas, was auf seine Ohren wie ein unglaublicher Druck einwirkte: er fühlte eine so heftige Übelkeit (dank den acht Branntweingläsern, die er getrunken hatte), als hätte er die Bombe wie eine Pille heruntergeschluckt.

Nie wird er sie zerstampfen können, nie.

Es bleibt noch: sie in die Newafluten zu werfen; aber dazu hatte es noch Zeit: er braucht ja nur noch etwa zwanzigmal den Schlüssel umzudrehen; dann ist eine Frist gewonnen; hat er einmal den Schlüssel umgedreht, da heißt es nur eine Frist, so lange wie nur möglich, zu gewinnen; doch er zögerte, indem er sich, ganz entkräftet, in den Lehnstuhl niederließ; Übelkeit, furchtbare Schwäche, Schläfrigkeit überwältigten ihn; das mattgewordene Denken aber, vom Körper losgelöst, baute vor ihm häßliche, sinnlose Arabesken . . . und er schlummerte ein.


Im Schlaf, des Körpers beraubt, fühlte er doch diesen gleichsam als ein unsichtbares Zentrum, das früher ein Bewußtsein und ein »Ich« besessen hatte und so hatte das »Ich« Nikolai Apollonowitschs noch immer eine körperliche Gestalt, wiewohl es auch kein Körper mehr war; und in diesem Nicht-Körper lebte ein fremdes »Ich«, das vom Saturnus herabgeflogen kam und sich zum Saturnus wieder hinaufschwang.

Er saß vor seinem Vater (wie er schon früher zu sitzen pflegte) — doch körperlos; hinter den Fenstern seines Zimmers aber, in der vollständigen Dunkelheit, tönte es unaufhörlich halblaut: turn — turn — turn.

Es waren die Jahreszahlen, die nach rückwärts liefen.

»Bei welcher Jahreszahl sind wir nun?«

Laut auflachend antwortete Apollon Apollonowitsch:

»Bei keiner, Kolenka, bei keiner: die Jahreszahl, mein Lieber, ist Null . . .«

Der grauenhafte Seeleninhalt Nikolai Apollonowitschs bewegte sich unruhig (dort, wo die Stelle des Herzens war), wie ein summender Kreisel: er blähte und dehnte sich; es war, als ob der grauenhafte Seeleninhalt zu einer marternden Kugel würde.

Es war das Jüngste Gericht.

»Ei — ei: was ist das ‚ich bin?‘«

»Ich bin? — eine Null . . .«

»Und — was ist die Null?«

»Die Null ist eine Bombe, Kolenka . . .«

Nikolai Apollonowitsch begriff nun, daß er eine Bombe war, nichts weiter; diese Bombe war explodiert, und an jener Stelle, wo im Lehnstuhl die Hülle des Nikolai Apollonowitsch (einer Eierschale gleich) saß — zuckte ein Blitz auf und tauchte in die schwarzen Äonenwellen unter.


Da erwachte Nikolai Apollonowitsch halb; schaudernd merkte er, daß sein Kopf auf der Sardinenbüchse lag.

Und er sprang in die Höhe: ein schrecklicher Traum . . . Was war es aber? Er konnte sich des Traums nicht entsinnen; der Alpdruck, der ihn in seiner Kindheit zu quälen pflegte, stellte sich ein: Pépp, Péppowitsch, Pépp, ein Kügelchen, das sich zu einer Riesenkugel aufbläht; die alten Kinderdelirien kehrten wieder zurück, denn — Pépp, Péppowitsch Pépp, das Kügelchen von schauerlichem Inhalt, ist nichts als eine Bombe; dort steht sie und summt unhörbar mit ihren Zeigern und dem Härchen; Pépp, Péppowitsch, Pépp wird sich dehnen, dehnen, dehnen; Pépp, Péppowitsch, Pépp wird dann explodieren: alles, alles wird zerspringen . . .

»Was? Phantasiere ich?«

Mit rasender Schnelligkeit ging es durch seinen Kopf: Was tun? Es bleibt nur noch eine Viertelstunde übrig: den Schlüssel wieder umdrehen?

Er drehte zwanzigmal den Schlüssel um; und zwanzigmal ächzte etwas drinnen in der Blechbüchse: die alten Delirien kehrten für einige Zeit zurück, damit der Morgen — Morgen, der Tag — Tag und der Abend — Abend bleibe; am Ende der Nacht aber wird keine Umdrehung des Schlüssels die Frist zu verlängern vermögen: es wird etwas geschehen, was die Wände zum Umstürzen bringen, den purpur erleuchtenden Himmel in Stücke zerreißen und ihn zusammen mit dem verspritzten Blut zum finsteren Urchaos verwandeln wird.

Ende des fünften Kapitels.

Sechstes Kapitel

Er fand wieder den Faden seines Seins

Es war ein trüber Petersburger Tag.

Wollen wir nun zu Alexander Iwanowitsch zurückkehren; Alexander Iwanowitsch erwachte; Alexander Iwanowitsch schlug die Augen auf, doch die fielen ihm immer wieder zu; die Geschehnisse der Nacht wurden zurück in die unterbewußte Welt gedrängt; seine Nerven waren zerrüttet: die Nacht war für ihn ein Ereignis von riesiger Bedeutung.

Wenn er sich zwischen Schlaf und Wachsein befand, war es ihm, als werde er in eine Tiefe geschleudert: als fiele, stürze er aus einem Fenster des fünften Stocks; seine Empfindungen zeigten ihm eine Bresche, die in seine Welt geschlagen wurde; durch diese Bresche flog er in eine andere, gestaltenwimmelnde Welt hinein, von der es nicht genügt zu sagen, man werde dort von furienähnlichen Geschöpfen überfallen: in ihr war selbst das Weltgewebe nichts als Furiengewebe.

Erst gegen Morgen vermochte Alexander Iwanowitsch von sich diese Welt abzuschütteln; und er versank dann in Wonne; das Erwachen stieß ihn jäh wieder hinunter: es blieb in ihm ein unbestimmtes Sehnsuchtsgefühl zurück, und sein ganzer Körper schmerzte.

Im ersten Augenblick nach dem Erwachen merkte er, daß er von Frost geschüttelt wurde, er hatte die Nacht hindurch gefiebert: etwas ging mit ihm vor . . . Doch was?

Während der ganzen langen Nacht rannte er im Delirium durch neblige Straßen oder stieg über Stufen einer geheimnisvollen Treppe; am wahrscheinlichsten aber war es das Fieber gewesen, das durch — seine Adern rannte; das Gedächtnis erzählte etwas, aber die Erinnerungen daran entglitten immer wieder, und er bemühte sich vergeblich, es festzuhalten.

All das war — Fieber.

Ernstlich erschrocken (bei seiner Einsamkeit fürchtete sich Alexander Iwanowitsch vor Krankheiten), dachte er, es würde gut für ihn sein, wenn er das Zimmer nicht verließe.

Mit diesem Gedanken begann er einzuschlummern; im Einschlummern aber dachte er:

»Etwas Chinin sollte ich einnehmen.«

Er schlief ein.

Und beim Erwachen fügte er hinzu:

»Und einen kräftigen Tee . . .«

Und nach einigem Nachdenken fügte er wieder hinzu:

»Mit Himbeersaft . . .«

Es ging ihm durch den Kopf, daß er die letzte Zeit in einer für seine Lage unerlaubt leichtsinnigen Weise gelebt hatte; dieser Leichtsinn erschien ihm jetzt um so unverzeihlicher, als ihm ernste und schwere Tage bevorstanden.

Unwillkürlich seufzte er:

»Und dann sollte ich streng das Trinken vermeiden . . . Nicht die Offenbarung lesen . . . Nicht bei dem Hausmeister unten sitzen . . . Und auch die Unterhaltungen mit Stjopka, der beim Hausmeister wohnt: ich sollte nicht mit diesem Stjopka plaudern . . .«

Diese Gedanken an Tee mit Himbeer, an Wodka, an Stjopka, an die Offenbarung Johanni beruhigten ihn erst, indem sie die Ereignisse der Nacht zu einer Lappalie machten.

Als er sich aber mit dem eiskalten Wasser aus der Leitung und mit Hilfe eines Seifenrestes, der in einem seifigen, gelben Brei lag, gewaschen hatte, fühlte Alexander Iwanowitsch, wie ihn wieder die Ereignisse der Nacht überwältigten.

Er streifte mit dem Blick sein Zwölfrubelzimmer (ein Mansardenraum).

Was für eine traurige Behausung!

Das Hauptmöbelstück des ärmlichen Raumes war das Bett; dieses Bett bestand aus vier Brettern, die auf zwei Holzböcke gelegt wurden; die Oberfläche dieser Böcke war mit ekelhaften, dunkelroten, vertrockneten Wanzenspuren bedeckt, mit denen Alexander Iwanowitsch viele Monate hindurch mit Hilfe eines Wanzenpulvers einen hartnäckigen Kampf geführt hatte.

Auf den Brettern lag eine mit Holzwolle gefüllte, dünne Matratze; über das schmutzige Bettuch hatte Alexander Iwanowitsch sorgfältig eine gestickte Decke gebreitet, deren rote und blaue Streifen mehr vom langjährigen Gebrauch als vom Schmutz grau aussahen; von dieser Decke, die ein Geschenk von irgend jemand (vielleicht von der Mutter) gewesen war, zögerte Alexander Iwanowitsch sich zu trennen; vielleicht auch aus Mangel an Geld (diese Decke hatte ihn auch nach Sibirien begleitet).

Außer dem Bett . . . — ja: hier muß ich noch erwähnen: über dem Bett hing ein kleines Heiligenbild, das den heiligen Seraphin im Fichtenwald auf einem Stein kniend bei seinem tausend Nächte währenden Gebet darstellte.

Außer dem Bett stand dort noch ein glattgehobelter, kleiner Tisch ohne jede Verzierung: in billigen Landwohnungen gebraucht man solche Tische zum Aufstellen der Waschschüsseln; solche Tischchen werden überall auf den Sonntagsmärkten feilgeboten; in der Wohnung Alexander Iwanowitschs war das Tischchen Schreib-, Speise- und Nachttischchen zugleich; Waschschüssel gab es überhaupt keine: bei seiner Toilette bediente sich Alexander Iwanowitsch der Wasserleitung, neben der eine Blechdose mit einem in schleimiger Seifenflüssigkeit schwimmenden Seifenrest hing; außerdem gab es einen Kleiderrechen, auf dem eine Hose baumelte; eine zerrissene Pantoffelspitze blickte unter dem Bett hervor. (Alexander Iwanowitsch träumte eines Nachts: dieser zerrissene Pantoffel wäre ein lebendes Wesen, eine Art Stubengeschöpf, wie etwa der Hund oder die Katze; es schlürfte selbständig aus einer Stelle des Zimmers zur anderen, kriechend und in den Ecken rasselnd; als Alexander Iwanowitsch die schlürfenden Pantoffel mit im Munde aufgeweichtem Semmelbrot füttern wollte, bissen ihn diese in die Finger, weswegen er erwachte).

Es stand noch im Zimmer ein brauner Reisekoffer, der längst seine ursprüngliche Form verloren hatte und Gegenstände von schrecklichster Bedeutung enthielt.

Doch das ganze Möblement dieses sozusagen Zimmers, trat zurück vor der Farbe der Tapete, die unangenehm und frech war, von dunkelgelber oder brauner Nuance, mit riesigen feuchten Flecken; abends kroch langsam bald über den einen, bald über den andern dieser Flecke ein Tausendfüßler. Das ganze Innere des Zimmers war von Tabakrauch erfüllt. Alexander Iwanowitsch mußte unaufhörlich, mindestens zwölf Stunden täglich rauchen, um die farblose Atmosphäre in eine dunkelgraue, blaue zu verwandeln.

Alexander Iwanowitsch Dudkin betrachtete seine Behausung, und wieder — wie schon immer — zog es ihn hinaus aus dem vollgerauchten Zimmer, zog es ihn fort von hier; es zog ihn auf die Straße in den schmutzigen Nebel, wo er mit den Schultern, den Rücken und grünlichen Gesichtern der Petersburger Prospekte eins werden konnte, um sich mit ihnen zu einem einzigen riesengroßen, grauen Gesicht zu verschmelzen.

Am Fenster seines Zimmers klebte der dichte Oktobernebel: Alexander Iwanowitsch Dudkin empfand das Bedürfnis, sich von dem Nebel durchdringen zu lassen, alle seine Gedanken von ihm durchdringen zu lassen, alles, was in seinem Hirn herumspukte, in dem Nebel zu ertränken; durch die Gymnastik der schreitenden Füße wollte er dieses Spukzeug auflösen; schreiten wollte er, immer schreiten und schreiten: von Prospekt zu Prospekt, von Straße zu Straße; schreiten so lange, bis das Hirn gänzlich verstummt ist, dann vor dem Tischchen der Schenke niedersinken, um sich mit Wodka zu verbrennen. Nur ein solches zielloses Wandern durch Straßen und krumme Gäßchen, an Laternen, Zäunen und Fenstern vorbei erstickt die quälenden Gedanken im Hirn.

Während er seinen armseligen Mantel anzog, spürte er wieder, daß es ihn fröstelte, und er dachte traurig:

»Hätt’ ich doch etwas Chinin!«

Aber woher Chinin nehmen? . . .

Und während er die Treppe hinunterging, dachte er wieder traurig:

»A—ach, hätt’ ich doch nur einen kräftigen Tee mit Himbeersaft . . .«