Erste Szene

Der Schmied und Der Arzt (sitzen am Tische, vor sich ein Schreibzeug und das Fremdenbuch).

Der Schmied (schreibt)

Hier denn mein Name, Stand, etcetera,
Nun ist’s an dir zu schreiben!

Der Arzt

Schreib’ du für mich, das ist ja alles eins.

Der Schmied

Wie heißest du?

Der Arzt

Anonymus.

Der Schmied

Ein sonderbarer Name das! Dein Stand?

Der Arzt

Mein Stand? Da könnt ich manchen nennen! —
Sag’: Doktor!

Der Schmied

Von Wannen?

Der Arzt

Vom Mutterleibe!

Der Schmied

Dein Reiseziel?

Der Arzt

Das Grab!

Der Schmied

Stets mystisch!
Wer bist du, wunderlicher Mann, der mein Geschick
In deine Hand du nahmst? — Was willst du mir?

Der Arzt

Das sollst du wissen, wenn du fertig bist!

Der Schmied

Wann bin ich fertig denn?

Der Arzt

Wenn du, wie ich,
Dich selbst erkennen lerntest!

Der Schmied

Mich selbst?
Was ist dies selbst, das du beständig predigst?

Der Arzt

Das ist der feste Punkt, den Archimedes suchte,
Von da er sich vermaß, das Weltall zu bewegen.
Das ist dein Ich, das nie ein andres ist,
Dein Mittelpunkt in deinem Horizont.

Der Schmied

Wer bin ich denn?

Der Arzt

Ein Bursche vorderhand
Von vierzig Jahr, versetzt mit Erz und Schlacke,
Empfindlich wie ein Kind und gleich gestimmt zu Lust und Leid!
Gewiß, noch locken dich des Lebens schlichte Freuden:
Ein voller Tisch, ein schäumend Glas,
Ein Tanz mit Dirnen in dem Grünen . . . .

Die Wirtin

(mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern)

Der Wein ist für die Herren, nicht? (Geht ab.)

Der Arzt (schenkt dem Schmied ein)

Das nicht, doch einerlei! — Trink, Schmied!

Der Schmied

Und Ihr?

Der Arzt

Ich trinke nicht!

Der Schmied

Wohl aus Prinzip?

Der Arzt

Beileibe nicht! Ich trank so viel in meiner Jugend,
Daß nichts mehr mich berauschen kann!

Der Schmied

Na, dann trink ich!

Der Arzt

Ich aber geh’,
Denn wer nicht mittrinkt, wird leicht lästig.
Sorg’ nun für dich, dort kommen Leut!
Gesellschaft hast du nun beim Kruge,
Zum mindesten, solang er voll;
Doch wenn du in die Klemme kommst,
Und nach dem Doktor dich’s verlangt,
So rufe nur; ich steh’ dir bei! —

(Entfernt sich durch das große Tor).