Crone’s Prozeß.
Der Monat, welcher auf Wilhelm’s Abreise von London folgte, war einer der ereignißreichsten und angstvollsten in der ganzen Geschichte England’s. Wenige Stunden nachdem er aufgebrochen, wurde Crone vor die Schranke der Old Bailey gestellt. Eine große Anzahl Richter saß auf der Bank. Fuller hatte sich wieder hinreichend erholt, um vor Gericht erscheinen zu können, und der Prozeß begann. Die Jakobiten waren unermüdlich in ihren Anstrengungen gewesen, die politische Meinung der Personen zu ermitteln, deren Namen auf der Geschwornenliste standen. Es wurden so viele verworfen, daß es einige Mühe machte, die erforderliche Zahl von zwölfen zusammenzubringen, und unter diesen zwölf war nur einer, auf den die Mißvergnügten sich verlassen zu können glaubten. Sie irrten sich darin auch nicht ganz, denn dieser Mann hielt sich gegen seine elf Collegen die ganze Nacht und den halben folgenden Tag, und er würde sie wahrscheinlich durch Hunger zum Nachgeben gezwungen haben, wäre nicht Mrs. Clifford, die mit ihm im Einverständniß war, dabei betroffen worden, wie sie ihm Confect durch das Fenster zuwarf. Da er nichts mehr zu essen bekam, gab er nach und es erfolgte das Verdict Schuldig, das angeblich zweien von den Geschwornen das Leben gekostet haben soll. Es wurde nun sofort auf Sistirung des Urtheils angetragen, und zwar auf den Grund hin, weil ein auf der Rückseite der Anklageschrift stehendes lateinisches Wort unrichtig geschrieben war. Dies war allerdings ein nichtssagender Einwand. Jeffreys würde denselben ohne weiteres durch einen Strom von Flüchen verworfen haben und zu dem angenehmsten Theile seiner Amtspflicht übergegangen sein: dem Gefangenen die ganze Procedur des Halbhängens, Ausweidens, Verstümmelns und Viertheilens zu beschreiben. Aber Holt und seine Collegen erinnerten sich, daß sie jetzt zum ersten Male seit der Revolution einen des Hochverraths Angeklagten aburtheilten. Es war daher nöthig, in einer nicht mißzuverstehenden Weise zu zeigen, daß eine neue Aera begonnen hatte und daß die Tribunale in Zukunft eher auf Seite der Humanität irren als das Beispiel der grausamen Eile und Leichtfertigkeit nachahmen würden, womit Cornish, als er vor Gericht um sein Leben kämpfte, von servilen Richtern zum Schweigen gebracht wurde. Die Verkündigung des Urtels wurde daher aufgeschoben, es wurde ein Tag zur Erwägung des von Crone erhobenen Einwandes festgesetzt und der Anwalt des Angeklagten bedeutet, seine Beschwerde einzureichen. „Dies würde unter keiner der beiden letzten Regierungen geschehen sein, Mr. Crone,” sagte der Lord Oberrichter mit bedeutungsvoller Miene. Nach vollständiger Anhörung der Betheiligten erklärten die Richter einstimmig den Schreibfehler für unwesentlich, und der Gefangene wurde zum Tode verurtheilt. Er erkannte an, daß sein Prozeß unparteiisch geführt worden sei, dankte den Richtern für ihre Geduld und bat sie, sich bei der Königin für ihn zu verwenden.[143]
Er wurde bald benachrichtigt, daß sein Schicksal in seiner Hand liege. Die Regierung war geneigt, ihn zu begnadigen, wenn er sich dessen durch ein unumwundenes Geständniß würdig machen wollte. Der Kampf in seinem Innern war furchtbar und zweifelhaft. Einmal berichtete Mrs. Clifford, welche Zutritt in seine Zelle hatte, den jakobitischen Oberhäuptern, daß er in großer Seelenangst sei. Er könne nicht sterben, sollte er gesagt haben, er sei zu jung, um ein Märtyrer zu werden.[144] Am nächsten Morgen fand sie ihn heiter und entschlossen.[145] Er hielt sich bis zum Vorabende des zu seiner Hinrichtung festgesetzten Tages; da ließ er endlich um eine Unterredung mit dem Staatssekretär bitten. Nottingham begab sich nach Newgate; aber noch ehe er daselbst ankam, war Crone schon wieder andren Sinnes geworden und entschlossen nichts zu sagen. „Dann,” sagte Nottingham, „sehe ich Sie nicht wieder; denn der morgende Tag ist ganz bestimmt Ihr letzter.” Nachdem jedoch Nottingham sich entfernt hatte, kam Monmouth in’s Gefängniß, und er schmeichelte sich, den Entschluß des Gefangenen erschüttert zu haben. Spät in dieser Nacht kam der Befehl, die Execution um acht Tage zu verschieben.[146] Die Woche verging jedoch, ohne daß der Gefangene Enthüllungen machte; der Galgen und der Block zum Viertheilen waren in Tyburn bereit, Strang und Beil harrten am Thore von Newgate, ganz Holborn Hill und die Straße nach Oxford waren mit Schaulustigen bedeckt: da brachte ein Bote einen neuen Aufschub, und Crone wurde, anstatt nach dem Richtplatze geschleift zu werden, in das Berathungszimmer nach Whitehall gebracht. Seine Standhaftigkeit war endlich durch die nahe Aussicht auf den Tod besiegt worden, und er gab bei dieser Gelegenheit wichtige Aufschlüsse.[147]