Gefahr einer Invasion und Insurrection. Tourville’s Flotte im Kanal.

Solcher Enthüllungen wie er sie zu geben vermochte, bedurfte man allerdings in diesem Augenblicke sehr dringend, denn man erwartete stündlich eine Invasion und einen Aufstand.[148] Wilhelm war kaum von London abgereist, als eine große französische Flotte unter den Befehlen des Grafen von Tourville den Hafen von Brest verließ und in den britischen Kanal einlief. Tourville war der beste Marinecommandeur, den sein Vaterland damals besaß. Er hatte alle Zweige seines Berufs studirt. Man sagte von ihm, daß er befähigt sei, jeden Posten an Bord auszufüllen, vom Schiffszimmermann bis hinauf zum Admiral, sowie auch daß er mit dem unerschrockenen Muthe eines Seemannes die Liebenswürdigkeit und Artigkeit eines vollendeten Cavaliers verbinde.[149] Er segelte jetzt nach der englischen Küste und kam derselben so nahe, daß seine Schiffe auf den Wällen von Plymouth deutlich gesehen werden konnten. Von Plymouth steuerte er langsam die Küste von Devonshire und Dorsetshire entlang, und man hatte starken Grund zu der Befürchtung, daß seine Bewegungen mit den englischen Mißvergnügten verabredet waren.[150]

Die Königin und ihr Cabinetsrath beeilten sich Maßregeln zur Vertheidigung des Landes gegen fremde wie einheimische Feinde zu treffen. Torrington übernahm das Kommando der in den Dünen liegenden Flotte und segelte nach St. Helen, wo er sich mit einem holländischen Geschwader unter Evertsen’s Commando vereinigte. Es hatte den Anschein als würden die Klippen der Insel Wight Zeugen eines der größten Seetreffen werden, von denen uns die Geschichte erzählt. Hundertfunfzig Linienschiffe konnten auf dem Wachtthurme von St. Catharine gezählt werden. Oestlich von der westlichen Küstenwand von Black Gang Chine und im Angesicht der reich bewaldeten Felsen von St. Lawrence und Ventnor war die vereinigte Seemacht England’s und Holland’s aufgestellt. Westlich bis zu dem weißen Vorgebirge, wo die Wogen zwischen den Nadeln brausen, lag die französische Flotte.