Die Armee Wilhelm’s.

Wilhelm hatte unter seinen Befehlen nahe an sechsunddreißigtausend Mann, die aus vieler Herren Länder stammten und vielerlei Sprachen redeten. Kaum eine einzige protestantische Kirche, kaum eine einzige protestantische Nation war nicht vertreten in dieser Armee, welche durch eine wunderbare Kette von Ereignissen dahin gebracht worden war, auf der entlegensten Insel des Westens für den protestantischen Glauben zu kämpfen. Ungefähr die Hälfte der Truppen waren geborene Engländer. Unter ihnen befand sich Ormond mit den Leibgarden und Oxford mit den Blauen. Sir Johann Lanier, ein Offizier, der sich auf dem Continent militärische Erfahrung erworben hatte und dessen kluge Umsicht hoch geschätzt wurde, stand an der Spitze des Reiterregiments der Königin, jetzt das elfte der Dragonergarden. Ferner war Beaumont’s Infanterie dabei, die sich Jakob’s Befehl zum Trotz geweigert hatte, irische Papisten in ihre Reihen aufzunehmen, und Hastings’ Infanterie, die an dem unglücklichen Tage von Killiecrankie den militärischen Ruf des sächsischen Stammes gerettet hatte. Ferner die beiden Tangerschen Bataillone, bis dahin nur durch Gewaltthätigkeiten und Räubereien bekannt, aber dazu bestimmt, am folgenden Morgen eine lange Ruhmeslaufbahn zu beginnen. Die schottischen Garden kämpften unter dem Commando ihres Landsmannes Jakob Douglas. Zwei schöne englische Regimenter, welche im Dienste der Generalstaaten gestanden und unter Wilhelm’s Anführung schon oft dem Tode ins Angesicht geblickt hatten, begleiteten ihn in diesem Feldzuge nicht nur als ihren General, sondern auch als ihren vaterländischen König. Sie heißen gegenwärtig das fünfte und sechste der Linie. Das erstere wurde von einem Offizier geführt, der nur geringe Kenntniß von den höheren Zweigen der Kriegswissenschaft hatte, den aber die ganze Armee als den Tapfersten der Tapferen anerkannte, von Johann Cutts. Unter den holländischen Truppen zeichneten sich Portland’s und Ginkell’s Reiter und Solms’ blaues Regiment, aus zweitausend Mann der schönsten Infanterie von Europa bestehend, namentlich aus. Deutschland hatte einige seinen vornehmsten Familien entsprossene Krieger ins Feld geschickt. Prinz Georg von Hessen-Darmstadt, ein tapferer Jüngling, der seine Lehrzeit in der Kriegskunst bestand, ritt zur Seite des Königs. Eine starke Brigade dänischer Söldlinge wurde vom Herzog Karl Friedrich von Würtemberg befehligt, einem nahen Verwandten des Oberhauptes seiner erlauchten Familie. Man sagte, daß die Irländer unter allen Soldaten Wilhelm’s diese an meisten fürchteten. Denn Jahrhunderte sächsischer Oberhoheit hatten die Erinnerung an die Gewaltthätigkeit und Grausamkeit der skandinavischen Seekönige nicht verwischt, und eine alte Prophezeiung, daß die Dänen dereinst die Kinder des Landes vernichten würden, wurde noch immer mit abergläubischem Entsetzen wiederholt.[14] Unter den fremden Hülfstruppen befanden sich ein brandenburgisches und ein finnländisches Regiment. Doch in diesem großen, aus so verschiedenen Elementen zusammengesetzten Heere waren zwei Corps von einem ganz besonders wilden und unversöhnlichem Geiste beseelt: die französischen Hugenotten, welche nach dem Blute der Franzosen lechzten, und die irischen Engländer, die es nicht erwarten konnten, die eingeborenen Irländer niederzutreten. Die Reihen der Refugiés waren von Spionen und Verräthern wirksam gesäubert worden und bestanden aus Männern, wie sie im vorhergehenden Jahrhundert gegen die Macht des Hauses Valois und gegen das Genie des Hauses Lothringen gekämpft hatten. Alle furchtlosen Männer der unbesiegbaren Colonie hatten sich in Wilhelm’s Lager begeben; so Mitchelburne mit den hartnäckigen Vertheidigern Londonderry’s, und Wolseley mit den Kriegern, welche am Tage von Newton Butler einstimmig „Vorrücken” gerufen hatten. Sir Albert Conyngham, der Ahnherr der edlen Familie, deren Stammschloß jetzt auf den Boyne herniedersieht, hatte aus der Umgegend des Ernesees ein tapferes Dragonerregiment herbeigeführt, das noch heute stolz ist auf den Namen Enniskillen und das an den Ufern des Schwarzen Meeres bewiesen hat, daß es seit der Schlacht am Boyne noch nicht ausgeartet ist.[15]