Die irische Armee bei Limerick zusammengezogen. Lauzun erklärt, daß der Platz nicht zu halten sei.
Inzwischen rückte Wilhelm gegen Limerick vor. In diese Stadt hatte die am Boyne geschlagene Armee sich geworfen, zwar entmuthigt und mit Schande bedeckt, der Zahl nach aber nur unbedeutend geschwächt. Er würde nicht die Mühe gehabt haben, sie zu belagern, wenn der Rath Lauzun’s und seiner Landsleute befolgt worden wäre. Sie lachten über den Gedanken, solche Festungswerke vertheidigen zu wollen und gestanden überhaupt gar nicht zu, daß man den Namen Befestigungswerke Erdhaufen geben könne, die allerdings wenig Aehnlichkeit mit den Werken von Valenciennes und Philipsburg hatten. „Die Engländer,” sagte Lauzun mit einem Schwure, „brauchen nicht erst Kanonen gegen eine Festung wie diese aufführen zu lassen. Was Ihr Eure Wälle nennt, könnte man mit gebratenen Aepfeln zusammenschießen.” Er stimmte daher für die Räumung Limerick’s und erklärte daß er entschlossen sei, auf keinen Fall das Leben der Tapferen, die sein Gebieter seiner Obhut anvertraut habe, in einem nutzlosen Widerstande aufzuopfern.[65] Die persönlichen Neigungen des glänzenden und kühnen Franzosen hatten allerdings nicht geringen Einfluß auf seinen Ausspruch. Er und seine Waffengefährten waren Irland’s müde. Sie waren bereit, muthig, ja freudig auf einem Schlachtfelde dem Tode ins Angesicht zu schauen; aber das unthätige, schmutzige und barbarische Leben, das sie nun schon seit mehreren Monaten führten, war mehr als sie ertragen konnten. Sie waren der civilisirten Welt eben so weit entrückt, als wenn sie nach Dahomey oder Spitzbergen verbannt gewesen wären. Das Klima untergrub ihre Gesundheit und ertödtete ihre Lebensgeister. In diesem durch einen jahrelangen Raubkrieg ausgesogenen unglücklichen Lande vermochte die Gastfreundschaft wenig mehr zu bieten als ein Strohlager, ein Stück halb rohes und halb verbranntes Fleisch und einen Schluck saure Milch. Eine Brotrinde und eine Flasche Wein waren kaum für schweres Geld zu erlangen. Ein Jahr solcher Strapatzen und Entbehrungen war eine Ewigkeit für Männer, welche von jeher gewohnt waren, allen Luxus von Paris mit ins Feld zu nehmen: weiche Betten, kostbare Decken, Silbergeschirr, Körbe voll Champagner, Operntänzerinnen, Köche und Musiker. Besser ein Gefangener in der Bastille, besser ein Mönch in La Trappe, als Generalissimus der halbnackten Wilden, die sich im Schlamme der öden Sümpfe von Munster wälzten. Jeder Vorwand war willkommen, der als Entschuldigung für die Rückkehr in das Land der Kornfelder und Weingärten, der vergoldeten Karossen und der Spitzenkragen, der Ballsäle und Theater dienen konnte.[66]