Entrüstung gegen die eidverweigernden Bischöfe.

Diese Liturgie wurde geschrieben, verbreitet und soll in einigen Gemeinden jakobitischer Schismatiker verlesen worden sein, bevor Wilhelm nach Irland aufbrach, erregte aber erst dann allgemeine Aufmerksamkeit, als das Erscheinen einer fremden Flotte an unsrer Küste den Nationalgeist aufgerüttelt hatte. Da erhob sich ein Geschrei des Unwillens gegen die Engländer, welche unter dem scheinheiligen Vorwande des Gebets Flüche über England herabzurufen gewagt hatten. Man hatte, nicht ohne einen Anschein von Grund, die abgesetzten Prälaten in Verdacht, denn die Eidverweigerer waren ohne eine einzige Ausnahme eifrige Episkopalen. Ihr Prinzip war, daß in kirchlichen Angelegenheiten von wichtiger Bedeutung ohne die Sanction des Bischofs nichts zweckmäßig gethan werden könne. Konnte man also glauben, daß Jemand, der es mit diesem Grundsatze hielt, ohne die Genehmigung Sancroft’s, den die ganze Partei nicht allein als den wahren Primas von ganz England, sondern auch als einen Heiligen und als einen Bekenner verehrte, eine Liturgie verfassen, drucken, verbreiten und beim öffentlichen Gottesdienste wirklich benutzen würde? Es war bekannt, daß die Prälaten, welche die Eidesleistung verweigert, unlängst zu Lambeth mehrere Berathungen gepflogen hatten. Der Gegenstand dieser Berathungen, sagte man jetzt, sei leicht zu errathen. Die heiligen Väter hätten sich damit beschäftigt, Gebete um die Vernichtung der protestantischen Colonie in Irland, um die Niederlage der englischen Flotte im Kanal und um die baldige Ankunft seiner französischen Armee in Kent zu entwerfen. Die extreme Section der Whigpartei betrieb diese Anschuldigung mit rachsüchtigem Eifer. Das, sagten diese unversöhnlichen Politiker, sei also die Frucht von König Wilhelm’s Nachsicht und Milde. Nie habe er sich vollständiger geirrt, als indem er die Hoffnung genährt, daß die Herzen des Klerus durch Milde und Mäßigung zu gewinnen seien. Er habe es nicht für gut befunden, Männern Glauben zu schenken, welche durch langjährige und bittere Erfahrungen gelernt hätten, daß keine Güte die finstre Grausamkeit einer Priesterschaft besänftigen könne. Er habe gestreichelt und gefüttert, wo er die Wirkung von Ketten und Hunger hätte versuchen sollen. Er habe durch Protegirung seiner schlimmsten Feinde die Zuneigung seiner besten Freunde aufs Spiel gesetzt. Die Bischöfe, die sich öffentlich geweigert, ihn als ihren Souverain anzuerkennen, und welche durch diese Weigerung ihre Würden und Einkünfte verwirkt hätten, lebten noch immer ungestört in Palästen, die von besseren Männern bewohnt sein sollten, und welchen Dank habe er für diese Nachsicht, eine in der Geschichte der Revolutionen beispiellose Nachsicht, geerntet? Keinen andren als den, daß die Männer, die er mit so großer Schonung vor verdienter Strafe geschützt, noch die Frechheit hätten, ihn in ihren Gebeten als einen mit dem Blute Gerechter Befleckten zu bezeichnen; sie bäten Gott um die Kraft, seine blutige Tyrannei standhaft zu ertragen; sie erflehten vom Himmel eine fremde Flotte und Armee, um sie von seinem Joche zu erlösen; ja, sie deuteten sogar einen Wunsch an, der so abscheulich sei, daß sie selbst nicht die Stirn hätten, ihn offen auszusprechen. Ein Schriftsteller drückte in einem Pamphlet, das großes Aufsehen machte, seine Verwunderung aus, daß das Volk, als Tourville siegreich in den Kanal einfuhr, die eidverweigernden Prälaten nicht dewittet[57] habe. Bei der damaligen gereizten Stimmung des Volks stand zu befürchten, daß diese Andeutung einen wüthenden Pöbelhaufen nach Lambeth führen würde. In Norwich stand das Volk auch wirklich auf, griff den Palast an, den der Bischof noch bewohnen durfte, und würde ihn zerstört haben, wenn die Milizen nicht zur rechten Zeit eingeschritten wären.[58] Die Regierung zog den Verfasser des Werks, das einen so beunruhigenden Landfriedensbruch veranlaßt hatte, gebührenderweise in Criminaluntersuchung.[59] Währenddem veröffentlichten die abgesetzten Prälaten eine Vertheidigung ihres Benehmens. In dieser Schrift erklärten sie auf das Feierlichste und im Angesicht Gottes, daß sie keinen Antheil an der neuen Liturgie hatten, daß sie nicht wüßten wer sie verfaßt habe, daß sie dieselbe nie gebraucht, daß sie nie weder in directem noch indirectem Verkehr mit dem französischen Hofe gestanden hätten, daß sie in kein Complot, gegen die bestehende Regierung verwickelt seien und daß sie bereitwillig eher ihr Blut vergießen als England durch einen fremden Fürsten unterjocht sehen würden, der in seinem eignen Lande ihre protestantischen Brüder grausam verfolgt habe. Was den Verfasser anlange, der sie durch ein entsetzliches, nur zu wohl verstandenes Wort der öffentlichen Rache bezeichnet habe, so empföhlen sie ihn der göttlichen Gnade und beteten aus vollem Herzen, daß seine große Sünde ihm vergeben werden möge. Die meisten von Denen, welche diese Schrift unterzeichneten, thaten es ohne Zweifel mit vollkommener Aufrichtigkeit; aber es zeigte sich bald, daß wenigstens einer von ihnen dem Verbrechen des Verraths an seinem Vaterlande das Verbrechen hinzugefügt hatte, seinen Gott zum Zeugen einer Lüge anzurufen.[60]

Militärische Operationen in Irland; Waterford genommen.

Die im Kanale und auf dem Continent vorgehenden Ereignisse nöthigten Wilhelm wiederholte Abänderungen in seinen Plänen zu treffen. Im Laufe der Woche, welche auf seinen triumphirenden Einzug in Dublin folgte, kamen Boten mit schlimmen Nachrichten rasch hintereinander aus England. Zuerst kam die Nachricht von Waldeck’s Niederlage bei Fleurus. Der König war tief betrübt darüber. Alle Freude über seinen eigenen Sieg, sagte er, werde ihm dadurch verleidet. Gleichwohl setzte er sich mit der hinter seiner finstren Außenseite verborgenen Hochherzigkeit noch im Augenblicke des ersten Unmuths nieder und schrieb einen freundlichen und ermuthigenden Brief an den unglücklichen General.[61] Drei Tage darauf kamen noch beunruhigendere Nachrichten. Die verbündete Flotte war schimpflich geschlagen. Das Meer von den Dünen bis Land’s End war im Besitz des Feindes. Die nächste Post konnte die Nachricht von einem feindlichen Einfall in Kent bringen. Ein französisches Geschwader konnte im St. Georgskanal erscheinen und mit Leichtigkeit alle in der Bai von Dublin vor Anker liegenden Transportschiffe verbrennen. Wilhelm beschloß nach England zurückzukehren; zuvor aber wünschte er sich einen guten Hafen an der Ostküste von Irland zu sichern. Waterford war der seinem Zwecke am besten entsprechende Platz und er richtete denn auch unverzüglich seinen Marsch dahin. Clonmel und Kilkenny wurden von den irischen Truppen verlassen, sobald es bekannt ward, daß er heranrückte. In Kilkenny wurde er am 19. Juli vom Herzoge von Ormond in dem alten Schlosse der Butler bewirthet, das vor nicht langer Zeit von Lauzun bewohnt gewesen war und das daher trotz der allgemeinen Verwüstung noch Tische und Stühle in den Zimmern, Tapeten an den Wänden und Claret im Keller hatte. Am 21. bequemten sich zwei in Waterford liegende Regimenter nach einem schwachen Anschein von Widerstand zum Abzuge; einige Stunden später wurde das Fort Duncannon übergeben, das sich am Eingange des Hafens auf einem felsigen Vorgebirge erhob, und Wilhelm war Herr des ganzen sicheren und geräumigen Beckens, das von den vereinigten Gewässern des Suir, des Nore und des Barrow gebildet wird. Er kündigte hierauf seine Absicht an, sofort nach England zurückzukehren, und nachdem er den Grafen Solms zum Oberbefehlshaber der Armee in Irland ernannt hatte, reiste er nach Dublin ab.[62]

Unterwegs trafen ihn jedoch gute Nachrichten. Tourville war an der Küste von Devonshire erschienen, hatte einige Truppen ans Land gesetzt und Teignmouth zerstört; allein er hatte damit nichts weiter erreicht, als daß die ganze Bevölkerung der westlichen Grafschaften sich bewaffnet gegen die Eingedrungenen erhoben. Der Feind war wieder abgezogen, nachdem er gerade so viel Schaden angerichtet, um die Sache Jakob’s den Tories sowohl als den Whigs eine Zeit lang verhaßt zu machen. Wilhelm änderte daher abermals seinen Plan und eilte zu seiner Armee zurück, die sich während seiner Abwesenheit westwärts bewegt hatte und bei der er in der Nähe von Cashel wieder eintraf.[63]

Um diese Zeit erhielt er einen Brief von Marien, worin sie ihn ersuchte, eine wichtige Frage zu entscheiden, über welche der Rath der Neun getheilter Meinung war. Marlborough war der Ansicht, daß jede Gefahr einer Invasion für dieses Jahr vorüber sei. Das Meer, sagte er, sei frei, denn die französischen Schiffe seien nach Hause zurückgekehrt, wo sie ausgebessert würden. Jetzt sei es Zeit, eine englische Flotte mit fünftausend Mann Truppen an Bord nach dem südlichen Ende von Irland zu schicken. Eine solche Streitmacht könne Cork und Kinsale, zwei der wichtigsten Plätze, die sich noch in der Gewalt der Truppen Jakob’s befänden, ohne Schwierigkeit nehmen. Nottingham unterstützte Marlborough kräftig; eben so energisch aber opponirten ihm die übrigen Mitglieder des Staatsraths mit Caermarthen an ihrer Spitze. Die Königin berichtete die Sache ihrem Gemahl. Er billigte den Plan entschieden und gab Befehl, daß er von dem General, der ihn entworfen, ausgeführt werden solle. Caermarthen fügte sich, wenn auch mit Widerstreben und über die ausnehmende Parteilichkeit Sr. Majestät für Marlborough murrend.[64]