Die jakobitische Gebets- und Demüthigungsformel.

Von den zahlreichen Schriften, welche auf solchen Schleichwegen unter die Leute gebracht wurden, machte keine größeres Aufsehen als ein kleines Buch, welches eine Gebets- und Demüthigungsformel zum Gebrauche der verfolgten Kirche enthielt. Es unterlag keinem Zweifel, daß eine bedeutende Summe auf dieses Werk verwendet worden war. Zehntausend Exemplare waren durch allerhand Mittel und Wege im ganzen Lande verbreitet worden. Es wurde nie ein lügenhafteres, hämischeres und gottloseres Libell geschrieben. Obgleich die Regierung ihre Feinde bisher mit einer in der Geschichte unsres Landes beispiellosen Milde und Nachsicht behandelt, obgleich seit der Revolution kein Mensch wegen eines politischen Vergehens die Todesstrafe erlitten hatte, schämten sich die Verfasser dieser Liturgie doch nicht, Gott zu bitten, daß er den unersättlichen Blutdurst ihrer Feinde stillen oder, wenn noch mehr von ihnen durch das rothe Meer in das gelobte Land gehen sollten, er sie für die Reise vorbereiten solle.[54] Sie beklagten sich, daß die englische Kirche, einst das Schöne in höchster Vollendung, zum Spott und Gelächter, ein Trümmerhaufen, ein Weinberg mit wilden Reben geworden sei; daß ihre Uebungen nicht mehr den Namen des öffentlichen Gottesdienstes verdienten; daß das Brot und der Wein, die sie spende, keine sakramentliche Kraft mehr habe; daß ihre Priester, indem sie dem Usurpator Treue gelobt, den geheiligten Character verloren hätten, den die Ordination ihnen verliehen.[55] Jakob wurde profanerweise der Stein genannt, den thörichte Baumeister verworfen hätten, und es wurde die inbrünstige Bitte ausgesprochen, daß die Vorsehung ihn wieder zum Schlußstein machen möge. Die Segnungen, die auf unser Vaterland herabgerufen wurden, waren ganz absonderlicher Art. Es kam etwas darin vor, was große Aehnlichkeit mit der Bitte um eine neue blutige Rundreise hatte: „Gieb dem Könige die Hälse seiner Feinde;” etwas Andres klang ganz wie eine Bitte um eine französische Invasion: „Verschaffe ihnen auswärts Freunde;” und endlich enthielt das Buch ein noch mysteriöseres Gebet, dessen besten Commentar später das Ermordungscomplot lieferte: „Thue etwas Großes für ihn, was wir nicht näher zu bezeichnen wissen.”[56]