Die jakobitische Presse.

Es gab zwar eine jakobitische Literatur, in der keine Spur von diesem patriotischen Geiste zu entdecken ist, eine Literatur, deren Ueberreste beweisen, daß es Engländer gab, welche sehr geneigt waren, die englische Flagge entehrt, den englischen Boden in fremder Gewalt, die englische Hauptstadt geplündert und die englische Krone auf dem Haupte eines Vasallen Ludwig’s zu sehen, wenn sie sich nur an ihren Feinden und speciell an Wilhelm rächen konnten, den sie mit einer zum Theil furchtbaren, zum Theil lächerlichen Erbitterung haßten. Aber diese Literatur war durchaus ein Werk der Finsterniß. Das Gesetz, durch welches das Parlament Jakob’s die Presse der Ueberwachung von Censoren unterworfen hatte, war noch in Kraft, und obgleich die Beamten, denen es oblag, die Uebertretung dieses Gesetzes zu verhüten, nicht allzu streng jede Unregelmäßigkeit von Seiten eines Buchhändlers aufstachen, der die Kunst verstand, einen Händedruck durch eine Guinee zu versüßen, konnten sie doch den offenen Verkauf uncensirter Pamphlets, die voll roher Insulten gegen den Souverain und directer Aufforderungen zur Empörung waren, nicht ruhig mit ansehen. Aber schon seit langer Zeit verbargen die Dachstuben London’s eine Klasse von Buchdruckern, welche unverdrossen und mit einer Vorsicht, wie nur Falschmünzer und Fälscher sie beobachten können, in ihrem Berufe thätig waren. Frauen waren als Wachen ausgestellt, um durch ihr Geschrei Alarm zu geben, sobald ein Beamter sich in der Nähe der Werkstätte zeigte. Die Presse wurde dann sogleich in ein hinter dem Bett angebrachtes Kabinet geschoben, die Lettern wurden in den Ofenkasten geworfen und mit Asche bedeckt, und der Setzer verschwand durch eine Fallthür im Dache und entkam über die Dächer der Nachbarhäuser. In diesen Höhlen wurden hochverrätherische Werke aller Art und von jedem Umfange fabricirt, von Halbpennyblättern mit Knittelversen bis zu dickleibigen Quartanten voll hebräischer Citate. Solche Preßerzeugnisse offen auszulegen war natürlich nicht rathsam, und sie wurden nur durch zuverlässige Agenten ganz im Geheimen verkauft. Einige Flugschriften, von denen man sich eine große Wirkung versprach, wurden auf Kosten reicher Jakobiten in Massen von Exemplaren vertheilt. Eine solche Schrift wurde bald unter eine Thür geschoben, bald unbemerkt auf den Tisch eines Kaffeehauses gelegt. Einmal gingen tausend Exemplare eines gemeinen Pamphlets mit den Briefbeuteln fort, ein andermal sahen die Krämer, wenn sie am frühen Morgen ihre Laden öffneten, ganz Fleetstreet und den Strand mit aufrührerischen Zetteln beschneit.[53]