Die irländische Armee zieht sich zurück.

Jakob scheint ursprünglich beabsichtigt zu haben, an der Grenze zwischen Leinster und Ulster das Glück einer Schlacht zu versuchen. Dieser Plan wurde jedoch, wie es scheint auf Lauzun’s Vorstellungen hin, wieder aufgegeben, denn ihm klangen Louvois’ Ermahnungen noch immer in den Ohren, obgleich er sehr wenig geneigt und sehr wenig geschickt dazu war, einen Feldzug nach dem Fabianischen System zu führen.[9] Obwohl Jakob entschlossen war, Dublin nicht ohne eine Schlacht aufzugeben, willigte er doch ein sich bis zu einer Stelle zurückzuziehen, wo er den Vortheil des Terrains für sich hatte. Als daher Wilhelm’s Vorhut Dundalk erreichte, war von der irländischen Armee nichts als eine große Staubwolke zu sehen, die sich langsam in südlicher Richtung gegen Ardee hin wälzte. Die Engländer campirten eine Nacht in der Nähe des Ortes, wo Schomberg im vorigen Jahre sein Lager aufgeschlagen hatte, und manche schmerzliche Erinnerungen wurden durch den Anblick des öden Sumpfes geweckt, der das Grab vieler tausend tapferer Männer geworden war.[10]

Wilhelm rückte jedoch weiter vor und die Irländer zogen sich fortwährend vor ihm zurück, bis seine Armee, in drei Colonnen marschirend, am Morgen des 30. Juni den Kamm eines Höhenzuges unweit der Südgrenze der Grafschaft Louth erreichte. Zu ihren Füßen lag ein Thal, jetzt so fruchtbar und lieblich, daß der hinabsehende Engländer sich in einen der bevorzugtesten Theile seines bevorzugten Vaterlandes versetzt glauben kann. Weizenfelder, Waldungen und blumige Wiesen ziehen sich sanft abfallend bis ans Ufer des Boyne hinunter. Dieser schöne und ruhige Strom, der die Grenze von Louth und Meath bildet, ergießt sich, nachdem er viele Meilen zwischen grünen, mit modernen Palästen und mit den verfallenen Burgen der unter englischer Oberhoheit gestandenen normännischen Barone bedeckten Ufern dahin geströmt ist, nicht weit von hier in das Meer. Fünf Meilen westlich von der Stelle, wo Wilhelm auf den Fluß hinabsah, erhebt sich jetzt am grünenden Ufer, von stolzen Forsten umgeben, Slane Castle, das Schloß des Marquis von Conyngham. Zwei Meilen östlich lagert eine Rauchwolke aus den Schornsteinen der Fabriken und Dampfschiffe über der lebhaften Stadt und dem Hafen von Drogheda. Auf der Meather Seite des Boyne steigt der Boden, noch immer allenthalben mit Kornfeldern, Wiesen, Blumen und Bäumen bedeckt, sanft zu einer Anhöhe auf, die mit einer Gruppe von Eschen gekrönt ist, welche die verfallene Kirche und den verödeten Gottesacker von Donore beschatten.[11]

Im 17. Jahrhundert gewährte die Landschaft einen ganz andren Anblick. Von Kunst und Industrie waren nur wenige Spuren vorhanden. Auf dem Flusse sah man kaum ein andres Fahrzeug als die rohen Fischerböte von mit Pferdehäuten überzogenem Flechtwerk, deren sich das celtische Landvolk zum Forellen- und Lachsfang bediente. Drogheda, das gegenwärtig zwanzigtausend betriebsame Einwohner zählt, war damals ein kleiner Knäuel enger und schmutziger Gassen, von einem Graben und einem Walle umgeben. Die Häuser waren von Holz, mit hohen Giebeln und vorspringendem Obergestocke. Außerhalb der Stadtmauer war kaum eine menschliche Wohnung zu sehen, außer an einer Stelle Namens Oldbridge. Bei Oldbridge war der Fluß passirbar und südlich von der Furth standen einige Lehmhütten und ein einziges aus festeren Materialien erbautes Haus.