Die presbyterianischen Eidverweigerer.
Die extremen Presbyterianer waren eben so mißvergnügt wie die extremen Prälatisten und eben so wenig wie die extremen Prälatisten geneigt, Wilhelm und Marien den Huldigungseid zu leisten. Und in der That, obgleich der jakobitische Eidverweigerer und der cameronische Eidverweigerer ganz entgegengesetzter Ansichten waren, obgleich sie einander mit tödtlicher Aversion betrachteten, obgleich keiner von Beiden Bedenken getragen haben würde, den Andren zu verfolgen, hatten sie doch viel mit einander gemein. Sie waren vielleicht die beiden auffallendsten Beispiele von verkehrter Absurdität, welche die Welt aufzuweisen hatte. Jeder von ihnen betrachtete seine Lieblingsform der Kirchenverfassung nicht als ein Mittel sondern als einen Zweck, als das einzig Nothwendige, als die Quintessenz der christlichen Religion. Jeder von ihnen glaubte kindischerweise, in seiner Bibel eine Theorie der Civilregierung gefunden zu haben, und Keiner von Beiden erschrak vor den furchtbaren Consequenzen, zu denen seine Theorie führte. Auf alle Einwendungen hatten Beide nur die eine Antwort: So spricht der Herr. Beide stimmten in der prahlerischen Behauptung überein, daß die Argumente, welche atheistischen Politikern unwiderlegbar schienen, dem Heiligen keine Schwierigkeit darboten. Es möge vollkommen wahr sein, daß er durch Milderung der Strenge seiner Grundsätze sein Vaterland vor Knechtschaft, Anarchie und allgemeinem Ruin retten könne, aber es sei nicht sein Lebenszweck, sein Vaterland zu retten, sondern seine Seele. Er gehorche den Geboten Gottes und stelle das Weitere Gott anheim. Die eine der beiden fanatischen Secten war der Meinung, die Nation sei bis ans Ende aller Zeiten verpflichtet, dem Erben der Stuarts zu gehorchen; die andre glaubte, die Nation sei bis ans Ende aller Zeiten durch den feierlichen Bund und Covenant gebunden, und in Folge dessen betrachteten Beide die neuen Souveraine als Usurpatoren.
Von den presbyterianischen Eidverweigerern hat man außerhalb Schottland’s kaum etwas gehört, und vielleicht ist es jetzt selbst in Schottland nicht allgemein bekannt, wie lange sie noch eine abgesonderte Klasse bildeten. Sie meinten ihr Vaterland stehe in einem Vorvertrag mit dem Allerhöchsten und könne niemals, so lange die Welt existire, eine mit diesem Vorvertrage unvereinbare Verpflichtung eingehen. Ein Erastianer, ein Latitudinarier, ein Mann, der das Brot und den Wein knieend aus den Händen von Bischöfen empfange und der es sich, wenn auch ungern, gefallen ließ, in der Kirche Chorsänger in weißen Gewändern singen zu hören, könne nicht König eines unter dem Covenant stehenden Reiches sein. Wilhelm habe überdies alles Anrecht auf die Krone dadurch verloren, daß er die Sünde begangen, wegen der in alter Zeit eine auf widernatürliche Weise auf den Thron erhobene Dynastie auf widernatürliche Weise entthront worden sei. Er habe seinen Schwiegervater, diesen Götzendiener, diesen Mörder, diesen Mann Belial’s, der vor den Augen des Herrn hätte in Stücken zerhackt werden sollen, wie Agag, geflissentlich entkommen lassen. Wilhelm’s Verbrechen sei sogar noch schlimmer als das des Königs Saul. Saul habe nur einen Amalekiter verschont und habe die übrigen alle erschlagen. Welchen Amalekiter habe Wilhelm erschlagen? Die reine Kirche sei achtundzwanzig Jahre der Verfolgung preisgegeben gewesen, ihre Kinder seien ins Gefängniß geworfen, transportirt, gebrandmarkt, erschossen, gehängt, ersäuft, gefoltert worden. Und doch habe Der, der sich ihren Befreier nenne, ihr nicht gestattet, sich an ihren Feinden zu rächen.[109] Der blutdürstige Claverhouse sei in St. James freundlich aufgenommen worden. Der blutige Mackenzie habe bei den Uebelgesinnten in Oxford eine sichere und glänzende Freistätte gefunden. Der jüngere Dalrymple, der die Heiligen angeklagt, und der ältere Dalrymple, der über die Heiligen zu Gericht gesessen, seien groß und mächtig. Sorglose Gallios sagten, man habe nur die Wahl zwischen Wilhelm und Jakob und es sei weise, von zwei Uebeln das kleinere zu wählen. Dies sei allerdings die Weisheit dieser Welt. Aber die Weisheit, die von Oben komme, lehre uns, daß wir von zwei Dingen, welche beide in den Augen Gottes Uebel seien, gar keines wählen sollten. Sobald Jakob wieder eingesetzt werde, sei es Pflicht, ihn nicht anzuerkennen und sich ihm zu widersetzen. Gegenwärtig sei es Pflicht, seinen Schwiegersohn nicht anzuerkennen und sich ihm zu widersetzen. Es dürfe nichts gesagt und nichts gethan werden, was als eine Anerkennung der Autorität des Mannes aus Holland ausgelegt werden könne. Die Gottesfürchtigen dürften ihm keine Abgaben bezahlen, dürften unter ihm kein Amt bekleiden, dürften keine Besoldungen von ihm annehmen, dürften keine Dokumente unterzeichnen, in denen er König genannt werde. Anna folgte Wilhelm auf dem Throne und Anna wurde von Denen, die sich den Ueberrest der wahren Kirche nannten, als die vermeintliche Königin, als das schlechte Weib, als die Jesabel bezeichnet. Georg I. folgte Anna auf dem Throne, und Georg I. war der angebliche König, das deutsche Thier.[110] Georg II. folgte Georg I. auf dem Throne, und Georg II. war ebenfalls ein angeblicher König und wurde beschuldigt, die Ruchlosigkeit seiner ruchlosen Vorgänger noch übertroffen zu haben, indem er ein dem göttlichen Gesetze, welches befiehlt, daß keine Hexe am Leben gelassen werden dürfe, Hohn sprechendes Gesetz genehmigt habe.[111] Georg III. folgte Georg II. auf dem Throne, und noch immer fuhren diese Leute fort, mit unverminderter Beharrlichkeit, wenn auch in weniger heftiger Sprache als früher, einem nicht unter dem Covenant stehenden Souverain jede Anerkennung zu verweigern.[112] Noch im Jahre 1806 erklärten sie es öffentlich für eine Sünde, die Regierung eines solchen Königs durch Entrichtung der Abgaben, durch Annahme von Accislicenzen, durch Anschluß an die Freiwilligen oder durch Arbeiten bei öffentlichen Werken anzuerkennen.[113] Die Zahl dieser Zeloten verminderte sich immer mehr, bis sie endlich so dünn über Schottland verstreut waren, daß sie nirgends mehr zahlreich genug waren, um ihr eignes Bethaus haben zu können, weshalb man sie Nichthörer nannte. Sie versammelten sich jedoch noch zu Andachtsübungen in Privathäusern und betrachteten sich fortwährend als das auserwählte Geschlecht, als die königliche Priesterschaft, als die heilige Nation, als das besondere Volk, das inmitten der allgemeinen Entartung allein den Glauben an ein besseres Zeitalter beibehalten hatte. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß dieser Aberglaube, der unvernünftigste und ungeselligste, zu welchem das protestantische Christenthum je durch menschliche Vorurtheile und Leidenschaften verfälscht worden, in einigen obscuren Pächterwohnungen noch immer fortbesteht.