Klagen der Episkopalen.

Zwei Parteien jedoch betrachteten die Ordnung von 1690 mit unversöhnlichem Abscheu. Solcher Schotten, welche aus Ueberzeugung und mit Begeisterung Episkopalen waren, gab es nur wenige, aber es befanden sich darunter einige Personen, die wenn auch vielleicht nicht in natürlicher Begabung, so doch in Gelehrsamkeit, Geschmack und Schreibfertigkeit den Theologen der jetzt zur Herrschaft gelangten Secte überlegen waren. Es würde für die abgesetzten Curaten und Professoren nicht rathsam gewesen sein, ihrem Zorne in ihrem eignen Lande Luft zu machen. Aber die englische Presse stand ihnen offen und sie waren des Beifalls eines großen Theils des englischen Volkes gewiß. Mehrere Jahre hindurch peinigten sie ihre Feinde und unterhielten das Publikum durch eine Reihe geistreicher und kecker Flugschriften. In einigen dieser Schriften sind die Drangsale, welche die gemißhandelten Priester der westlichen Grafschaften erduldet hatten, mit einer Eindringlichkeit geschildert, die unwiderstehlich Mitleid und Unwillen erregt. In anderen ist die Grausamkeit, mit der die Covenanters unter den Regierungen der beiden letzten Könige des Hauses Stuart behandelt worden waren, durch alle erdenklichen Kunstgriffe der Sophistik gemildert. Viel wird darin über das schlechte Latein einiger presbyterianischer Professoren gewitzelt, die auf Lehrstühlen saßen, welche vor kurzem große Gelehrte innegehabt hatten. Auch wurde viel über die unwissende Geringschätzung gesprochen, welche die siegreichen Barbaren gegen die Wissenschaft und Literatur an den Tag legten. Sie wurden beschuldigt, daß sie über die modernen Systeme der Naturwissenschaft als verwerflicher Ketzereien das Anathema aussprächen, daß sie die Mathematik als ein seelenverderbendes Studium verdammten und selbst von dem Studium der Sprachen abriethen, in denen die heiligen Bücher geschrieben seien. Gelehrsamkeit, wurde gesagt, werde in Schottland bald nicht mehr zu finden sein; die Universitäten siechten unter ihren neuen Leitern dahin und müßten bald zu Grunde gehen. Die Buchhändler seien schon halb ruinirt, sie kämen zu der Einsicht, daß der ganze Ertrag ihres Geschäfts die Ladenmiethe nicht mehr decken werde, und schickten sich an, in ein Land auszuwandern, wo die Wissenschaften von Denen, welche dazu berufen seien, das Volk zu belehren, in Ehren gehalten würden. Unter den Dienern der Religion gebe es keinen Bücherkäufer mehr. Der bischöfliche Geistliche sei froh, wenn er für ein Stück Brot den Ueberrest seiner Bibliothek verkaufen könne, der von den Pöbelhaufen der letzten Weihnachtszeit nicht zerrissen oder verbrannt worden sei, und die ganze Bibliothek eines presbyterianischen Geistlichen bestehe aus einer Erklärung der Apokalypse und aus einem Kommentar zum Hohen Liede.[108] Die Kanzelberedtsamkeit der siegreichen Partei war ein unerschöpflicher Stoff zu Spötteleien. Ein kleines Büchlein betitelt: The Scotch Presbyterian Eloquence Displayed, machte im Süden, bei den Hochkirchlichen sowohl wie bei den Spöttern ungeheures Aufsehen und ist noch jetzt nicht ganz vergessen. Es war in der That ein Buch, das ganz für den Lesetisch eines Squire paßte, dessen Religion darin bestand, daß er extemporirte Gebete und näselndes Psalmensingen haßte. An einem regnerischen Tage, wenn es unmöglich war, zu jagen oder zu schießen, würden weder Karten- noch Bretspiel in den Pausen zwischen der Flasche und der Pastete eine so angenehme Unterhaltung gewährt haben. Man findet vielleicht nirgends eine so reichhaltige Sammlung lächerlicher Citate und Anekdoten auf einem so kleinen Raume zusammengedrängt. Einige ernste Männer jedoch, die der calvinistischen Lehre und Kirchenzucht nicht hold waren, schüttelten den Kopf über dieses sprudelnde Witzbuch und äußerten sich dahin, daß der Verfasser, indem er die absurde Rhetorik, durch welche niedrigdenkende und unwissende Menschen dunkle theologische Fragen zu erörtern und religiöses Gefühl bei der Menge zu wecken versuchten, dem Spotte preisgab, zuweilen die den heiligen Dingen gebührende Ehrerbietung aus den Augen gesetzt habe. Der Eindruck, den solche Schriften auf die öffentliche Meinung in England machten, ließ sich nicht vollkommen würdigen, so lange England und Schottland unabhängig von einander waren, zeigte sich aber sehr bald nach der Vereinigung der beiden Königreiche in einer Weise, die zu beklagen wir noch jetzt Ursache haben und auch wahrscheinlich unsere Nachkommen noch lange Ursache haben werden.