Jakob’s Ankunft in Frankreich; sein Empfang daselbst.

Am neunten Tage nach der Schlacht am Boyne landete Jakob in Brest mit vortrefflichem Appetit und in heiterer, sehr gesprächiger Laune. Er erzählte die Geschichte seiner Niederlage Jedem, der sie hören wollte. Aber französische Offiziere, welche den Krieg verstanden und seine Erzählung mit anderen Berichten verglichen, erklärten, daß Se. Majestät, obgleich er die Schlacht mit angesehen habe, doch nichts weiter davon wisse, als daß seine Armee geschlagen worden sei.[42] Von Brest begab er sich nach Saint-Germains, wo ihn Ludwig einige Stunden nach seiner Ankunft besuchte. Der König von Frankreich besaß zu viel Takt und Edelsinn als daß er ein Wort hätte äußern sollen, das wie ein Vorwurf klang. Er erklärte, daß es der königlichen Familie von England, soweit seine Kräfte reichten, an nichts fehlen solle, was zu ihrem Comfort beitragen könne. Von den politischen und militärischen Plänen seines unglücklichen Gastes aber wollte er durchaus nichts hören. Jakob empfahl eine sofortige Landung in England. Dieses Königreich sei durch die Anforderungen Irland’s von Truppen entblößt, und die noch daselbst befindlichen sieben- oder achttausend Mann könnten einer großen französischen Armee keinen Widerstand leisten. Die Bevölkerung schäme sich ihrer Verirrung und wünsche sehnlichst, dieselbe wieder gutzumachen. Sobald ihr rechtmäßiger König sich zeige, würde sie sich in Massen um ihn schaaren.[43] Ludwig war zu artig und gutherzig um auszusprechen was er gefühlt haben muß. Er begnügte sich kalt zu erwiedern, daß er sich über keinen Plan in Bezug auf die britischen Inseln entscheiden könne, bevor er Mittheilungen von seinen Generälen in Irland erhalten habe. Jakob wurde zudringlich und schien sich dadurch verletzt zu fühlen, daß man ihm vierzehn Tage nachdem er von einer Armee weggelaufen, nicht schon eine andre anvertrauen wollte. Ludwig ließ sich nicht verleiten, ein unfreundliches oder unhöfliches Wort zu äußern; aber sein Entschluß stand fest, und um weiterem ihm peinlichen Andringen aus dem Wege zu gehen, schützte er Unpäßlichkeit vor. Eine Zeit lang erhielt Jakob, so oft er nach Versailles kam, den ehrerbietigen Bescheid, Seine Allerchristlichste Majestät sei jetzt nicht im Stande, sich mit Geschäftsangelegenheiten zu befassen. Die tapferen und geistreichen Edelleute, welche täglich die Vorzimmer füllten, konnten sich eines höhnischen Lächelns nicht erwehren, wenn sie sich bis zur Erde vor dem königlichen Gaste verbeugten, den seine Feigheit und Beschränktheit zum zweiten Male zu einem Verbannten und Bettler gemacht hatten. Sie flüsterten sogar ihre Sarkasmen laut genug, um das stolze Blut der Guelphen in die Wangen Mariens von Modena zu treiben. Aber Jakob’s Unempfindlichkeit war nicht gewöhnlicher Art; sie hatte sich schon längst gegen Vernunftgründe wie gegen das Mitleid bewährt. Jetzt bestand sie noch eine härtere Probe und sie erwies sich selbst gegen die Verachtung gestählt.[44]