Jakob’s Flucht.

Ob Jakob seinen früheren Ruf der Tapferkeit dem Zufalle und der Schmeichelei verdankte, oder ob sein Character mit den vorgerückten Jahren sich veränderte, ist ungewiß. Gewiß ist, daß man in seiner Jugend von ihm glaubte, er besitze nicht nur das gewöhnliche Maß von Tapferkeit, das einen Soldaten befähigt, einen Feldzug ohne Schande zu bestehen, sondern auch die höhere und heitere Unerschrockenheit, welche den großen Feldherrn characterisirt.[23] Eben so gewiß ist aber, daß er in seinen späteren Jahren zu wiederholten Malen bei Gelegenheiten, wie sie oftmals zaghafte und schwache Frauen mit einem heroischen Muthe beseelt haben, eine kleinmüthige Besorgniß um seine persönliche Sicherheit an den Tag legte. Die Blicke seiner Zeitgenossen und der Nachwelt, von Freunden, die seiner Sache treu ergeben waren, und von Feinden, die seine Demüthigung mit Ungeduld erwarteten, waren auf ihn gerichtet. Er hatte seiner Meinung nach geheiligte Rechte zu behaupten und schwere Unbilden zu rächen. Er war ein König, der gekommen war, um drei Königreiche zu kämpfen. Er war ein Vater, der gekommen war, um das Geburtsrecht seines Kindes zu kämpfen. Er war ein eifriger Katholik, der gekommen war, im heiligsten aller Kreuzzüge zu fechten. Wenn alles dies noch nicht genug war, so hatte er von der sicheren Stellung, die er auf der Anhöhe von Donore einnahm, einen Anblick vor sich, von dem man hätte denken sollen, daß er den stumpfsinnigsten Menschen hätte zum Wetteifer anspornen müssen. Er sah seinen Nebenbuhler schwach, kränklich und verwundet durch den Fluß schwimmen, sich durch den Schlamm kämpfen, den Angriff leiten, die Flucht aufhalten, das Schwert in die linke Hand nehmen und die Zügel mit einem verbundenen Arme führen. Aber nichts von dem Allen machte einen Eindruck auf diese schwerfällige und unedle Natur. Aus sicherer Entfernung beobachtete er den Anfang der Schlacht, von welcher sein und seines Hauses Schicksal abhing. Als es klar wurde, daß die Schlacht einen für Irland ungünstigen Ausgang nahm, bemächtigte sich seiner die Befürchtung, daß ihm die Flucht abgeschnitten werden könnte, und er brach daher im Galopp nach Dublin auf. Er war begleitet von einer Leibgarde unter dem Commando Sarsfield’s, der an diesem Tage keine Gelegenheit gehabt hatte, die Geschicklichkeit und den Muth zu entfalten, welche selbst seine Feinde ihm nicht absprechen.[24] Die französischen Hülfstruppen, welche den ganzen Morgen dazu verwendet worden waren, Wilhelm’s rechten Flügel in Schach zu halten, deckten die Flucht der geschlagenen Armee. Sie waren in der That in Gefahr, durch den Strom der Fliehenden, von denen jeder zuerst den Engpaß von Duleek erreichen wollte, durchbrochen und mit fortgerissen zu werden, und sie mußte deshalb zu wiederholten Malen auf diese verachtungswerthen Bundesgenossen feuern.[25] Indessen wurde der Rückzug mit geringerem Verlust bewerkstelligt, als man hätte erwarten sollen. Denn selbst Wilhelm’s Bewunderer gestanden zu, daß er die Verfolgung nicht mit der Energie betrieben, die er, wie selbst seine Verleumder anerkannten, in der Schlacht gezeigt halte. Vielleicht hatten seine Kränklichkeit, seine Wunde und die bestandenen Strapatzen ihn zu körperlicher und geistiger Anstrengung unfähig gemacht. Er hatte von den letzten vierzig Stunden fünfunddreißig auf dem Pferde zugebracht, und Schomberg, der ihn hätte ersetzen können, war nicht mehr. Man sagte im Lager, daß der König nicht Alles thun könne und daß was er nicht thäte, überhaupt gar nicht gethan würde.