Schlacht am Boyne.

Der 1. Juli brach an, ein Tag, der seitdem nie wiedergekehrt ist, um in den beiden Völkerstämmen, die sich in Irland theilen, die verschiedenartigsten Gefühle zu erwecken. Die Sonne ging strahlend an einem wolkenlosen Himmel auf. Bald nach vier Uhr waren beide Armeen in Bewegung. Wilhelm befahl seinem rechten Flügel unter den Befehlen Meinhart Schomberg’s, eines Sohnes des Herzogs, nach der Brücke von Slane, einige Meilen stromaufwärts, zu marschiren, den Fluß zu passiren und den linken Flügel der irischen Armee zu umgehen. Meinhart Schomberg hatte Portland und Douglas zur Seite. Jakob, der eine solche Absicht vermuthete, hatte schon ein Dragonerregiment unter dem Commando Sir Neill’s O’Neill nach der Brücke abgesandt. O’Neill benahm sich als tapferer Offizier, wurde aber bald tödtlich verwundet; seine Leute ergriffen die Flucht, und der rechte Flügel der Engländer ging über den Fluß.

Diese Bewegung beunruhigte Lauzun. Wie, wenn der englische rechte Flügel in den Rücken der Armee Jakob’s gelangte? Ungefähr vier Meilen südlich vom Boyne lag ein Ort Namens Duleek, wo die Straße nach Dublin so schmal war, daß nicht zwei Wagen einander ausweichen konnten, und wo zu beiden Seiten der Straße ein Sumpf war, der dem Fuße keinen festen Halt bot. Wenn Meinhart Schomberg diese Stelle besetzte, so war den Irländern der Rückzug abgeschnitten und sie mußten entweder siegen oder sich bis auf den letzten Mann niederhauen lassen. In Folge dieser Befürchtung brach der französische General mit seinen Landsleuten und mit Sarsfield’s Reitern nach der Brücke von Slane auf, und die Vertheidigung der Furthen bei Oldbridge blieb den Irländern allein überlassen.

Es war jetzt bald zehn Uhr. Wilhelm stellte sich an die Spitze seines linken Flügels, der ausschließlich aus Reiterei bestand, und traf Anstalten, nicht weit oberhalb Drogheda den Fluß zu passiren; das Centrum seiner Armee, das fast lediglich aus Infanterie bestand, wurde dem Commando Schomberg’s anvertraut und Oldbridge gegenüber aufgestellt. Bei Oldbridge war die ganze irische Infanterie versammelt, das Meather Ufer wimmelte von Piken und Bayonetten. Die französischen Ingenieurs hatten aus den Hecken und Gebäuden eine Fortificationslinie gebildet und dicht am Wasser eine Brustwehr aufgeworfen.[19] Hier befand sich Tyrconnel; unter ihm commandirten Richard Hamilton und Antrim.

Schomberg gab die Parole und Solms’ Blaue setzten sich zuerst in Bewegung. Unter Trommelwirbel rückten sie muthig bis an den Rand des Flusses vor. Dann schwiegen die Trommeln und die Leute gingen zehn Mann hoch ins Wasser. Nach ihnen stiegen die Regimenter Londonderry und Enniskillen ins Wasser. Ein wenig links von diesen beiden Regimentern durchwatete Caillemot an der Spitze einer langen Colonne französischer Refugiés den Strom. Zur Linken Caillemot’s und seiner Refugiés arbeitete sich das Gros der englischen Infanterie, bis unter die Arme im Wasser, durch den Fluß. Noch weiter stromabwärts fanden die Dänen noch eine Furth. Binnen wenigen Minuten war der Boyne eine Viertelmeile weit mit Gewehren und grünen Zweigen bedeckt.

Erst als die Angreifenden die Mitte des Flusses erreicht hatten, erkannten sie die ganze Schwierigkeit und Gefahr des begonnenen Unternehmens. Sie hatten bisher noch wenig mehr als die Hälfte der feindlichen Armee gesehen; jetzt schienen ganze Infanterie- und Cavallerieregimenter aus der Erde zu wachsen. Ein wildes herausforderndes Geschrei ertönte das ganze Ufer entlang und einen Augenblick schien der Ausgang zweifelhaft; aber die Protestanten drangen entschlossen vorwärts und im nächsten Augenblicke wich die ganze irische Schlachtlinie zurück Tyrconnel sah in rathloser Verzweiflung zu. Es fehlte ihm nicht an persönlicher Tapferkeit, aber seine militärischen Kenntnisse waren so gering, daß er kaum einmal sein Regiment im Phönixpark die Revue passiren ließ, ohne einen Fehler zu machen, und die rings umher sich öffnenden Reihen wieder zu sammeln, war keine Aufgabe für einen General, der die Energie seines Körpers und seines Geistes überlebt und doch noch die Anfangsgründe seiner Berufswissenschaft zu lernen hatte. Mehrere von seinen besten Offizieren fielen, während sie umsonst ihre Soldaten dahin zu bringen versuchten, den holländischen Blauen ins Angesicht zu blicken. Richard Hamilton beorderte eine Abtheilung Fußvolk, über die französischen Refugiés herzufallen, welche noch tief im Wasser standen. Er trat selbst an ihre Spitze und ging, begleitet von mehreren tapferen Offizieren mit gezogenem Degen ins Wasser. Aber weder seine Befehle, noch sein Beispiel konnten diesem Haufen von Viehdieben Muth einhauchen. Er wurde fast allein gelassen und zog sich in Verzweiflung vom Ufer zurück. Weiter stromabwärts lief Antrims’ Division gleich einer Heerde Schaafe beim Anrücken der englischen Colonne davon. Ganze Regimenter warfen Waffen, Fahnen und Monturstücke fort und flohen ins Gebirge, ohne einen Schlag gethan oder einen Schuß abgefeuert zu haben.[20]

Es bedurfte vieler Jahre und vieler Heldenthaten, um den Vorwurf zu verwischen, den diese schimpfliche Flucht an dem irischen Namen zurückließ. Und doch wurde es noch vor dem Ende des Tages glänzend bewiesen, daß der Vorwurf ungerecht war. Richard Hamilton stellte sich an die Spitze der Cavallerie und sie machte unter seinem Commando einen tapferen, wenn auch fruchtlosen Versuch, die Ehre des Tags zu retten. Sie bestand einen verzweifelten Kampf im Flusse mit Solms’ Blauen, trieb die dänische Brigade ins Wasser zurück und fiel ungestüm über die hugenottischen Regimenter her, welche zu weichen begannen, da sie nicht mit Piken versehen waren, deren sich die Infanterie damals gewöhnlich bediente, um einen Reiterangriff zurückzuschlagen. Caillemot erhielt, während er seine Mitverbannten anfeuerte, eine tödtliche Wunde in den Schenkel. Vier von seinen Leuten trugen ihn durch die Furth zurück in sein Zelt. Auf diesem traurigen Wege trieb er die letzten Reihen, welche noch bis in die Brust im Wasser standen, noch immer zum Vorrücken an. „Weiter, weiter, meine Burschen! zum Ruhm, zum Ruhm!” Schomberg, der am nördlichen Ufer geblieben war und von hier aus das Vorrücken seiner Truppen mit dem Auge eines Generals überwacht hatte, meinte jetzt, daß die Lage der Dinge die persönliche Anstrengung des Soldaten von ihm verlange. Seine Umgebung drang vergebens in ihn, daß er den Küraß anlegen möchte. Ohne die schützende Rüstung ritt er durch den Fluß und sammelte die Refugiés wieder, welche Caillemot’s Fall in Verwirrung gebracht hatte. „Vorwärts, meine Herren, vorwärts!” rief er, auf die papistischen Schwadronen zeigend, in französischer Sprache, „dort sind Ihre Verfolger!” dies waren seine letzten Worte. Während er sprach, drang ein Trupp irischer Reiter auf ihn ein und umringte ihn auf einen Augenblick. Als sie sich wieder entfernten, lag er am Boden. Seine Freunde hoben ihn auf, aber er war schon eine Leiche. Er hatte zwei Säbelhiebe am Kopfe und eine Carabinerkugel im Halse. Fast in dem nämlichen Augenblicke wurde Walker, als er eben die Colonisten von Ulster ermahnte, sich als Männer zu zeigen, todtgeschossen. Ziemlich eine halbe Stunde lang wüthete der Kampf am südlichen Flußufer fort. Rauch, Staub und Getöse erfüllten die Luft. Alte Soldaten hörte man sagen, daß sie selten in den Niederlanden heißere Arbeit gesehen hätten. Gerade in diesem Augenblicke kam Wilhelm mit dem linken Flügel an. Die Passage durch den Fluß hatte ihn wegen der starken Strömung viel Mühe gekostet. Sein Pferd hatte schwimmen müssen und war fast im Schlamme stecken geblieben. Sobald der König wieder auf festem Boden stand, nahm er sein Schwert in die linke Hand, — denn den rechten Arm konnte er wegen seiner Wunde und wegen des Verbandes nicht gebrauchen, — und führte seine Leute dahin wo das Gefecht am hitzigsten war. Seine Ankunft entschied den Ausgang der Schlacht. Die irischen Reiter zogen sich jedoch nur hartnäckig fechtend zurück. Man erinnerte sich noch lange unter den Protestanten von Ulster, daß Wilhelm inmitten des Getümmels an die Spitze der Enniskillener ritt. „Was wollt Ihr für mich thun?” rief er aus. Er wurde nicht gleich erkannt und ein Reiter, der ihn für einen Feind hielt, wollte schon auf ihn feuern. Wilhelm schob den Carabiner sanft zur Seite und sagte: „Wie? kennt Ihr Eure Freunde nicht?” — „Es ist Seine Majestät!” rief der Oberst. Ein freudiges Hurrah erscholl in den Reihen der standhaften Protestanten. „Gentlemen,” sagte Wilhelm, „Ihr sollt heute meine Garden sein. Ich habe viel von Euch gehört, laßt mich einmal etwas sehen.” Es war eine der merkwürdigsten Eigenthümlichkeiten dieses für gewöhnlich so finsteren und schweigsamen Mannes, daß die Gefahr eine ähnliche Wirkung wie der Wein auf ihn äußerte, ihm das Herz öffnete, die Zunge löste und seinem Benehmen jeden Anschein von Gezwungenheit entzog. An diesen denkwürdigen Tagen sah man ihn überall wo die Gefahr am größten war. Eine Kugel traf die Kappe seines Pistols, eine andre riß den Absatz seines Stiefels fort; aber seine Leutnants drangen vergeblich in ihn, daß er sich auf einen Posten zurückziehen möchte, von wo er seine Befehle ertheilen konnte, ohne ein für ganz Europa so kostbares Leben zu gefährden. Durch sein Beispiel angespornt, gewannen seine Truppen sehr bald Boden. Die irische Reiterei machte zum letzten Male Halt bei einem Hause Namens Plottin Castle, ungefähr anderthalb Meilen südlich von Oldbridge. Hier wurden die Enniskillener mit einem Verluste von funfzig Mann geworfen und hitzig verfolgt, bis Wilhelm sie wieder sammelte und die Verfolgung umkehrte. In diesem Gefecht wurde Richard Hamilton, der Alles gethan hatte was Tapferkeit thun konnte, um seinen durch Treulosigkeit verwirkten Ruf wieder zu erlangen, schwer verwundet, gefangen genommen und auf der Stelle durch Pulverdampf und Gemetzel vor den Fürsten geführt, gegen den er so schwer gesündigt hatte.[21] Bei keiner Gelegenheit zeigte sich Wilhelm’s Character augenfälliger. „Sind wir fertig,” sagte er zu ihm, „oder werden Ihre Reiter noch länger kämpfen?” — „Bei meiner Ehre, Sire,” antwortete Hamilton, „ich glaube sie werden es.” — „Ihre Ehre!” murmelte Wilhelm; „Ihre Ehre!” Dieser halbunterdrückte Ausruf war die einzige Rache, die er für eine Beleidigung zu nehmen sich herabließ, für welche mancher in seinem gewöhnlichen Umgange viel freundlichere und huldreichere Fürst eine furchtbare Wiedervergeltung geübt haben würde. Hierauf befahl er, sich gewaltsam bezwingend, seinem eignen Wundarzte, die Verletzungen des Gefangenen zu untersuchen.[22]

Die Schlacht war vorüber. Hamilton irrte sich, indem er glaubte seine Reiter würden den Kampf fortsetzen. Ganze Corps waren zusammengehauen worden. Ein schönes Regiment hatte nur noch dreißig nicht verwundete Leute. Es war genug, daß diese tapferen Soldaten das Feld behauptet, bis sie keine Unterstützung, keine Hoffnung, keine Leitung mehr hatten, bis ihr tapferster Anführer gefangen und ihr König geflohen war.