Wilhelm wird verwundet.
Während Wilhelm das Frühstück einnahm, zeigte sich auf dem andern Ufer dicht am Wasser ein Trupp Reiter. Man konnte darunter einige erkennen, die einst bei den Revuen in Hydepark und auf den Bällen in der Gallerie von Whitehall geglänzt hatten: den jugendlichen Berwick, den kleinen Lauzun mit seinen schönen Haaren, Tyrconnel, vor Zeiten von den Hoffräulein als das Ideal männlicher Kraft und Schönheit bewundert, jetzt aber vom Alter gebeugt und vom Podagra gelähmt, und über Alle emporragend das stolze Haupt Sarsfield’s.
Die Anführer der irischen Armee entdeckten bald, daß der Mann, der, von einer glänzenden Suite umgeben, am entgegengesetzten Ufer frühstückte, der Prinz von Oranien war, und sie schickten sofort nach Artillerie. Zwei Feldstücke, durch einen Reitertrupp maskirt, wurden fast bis an den Rand des Flusses gebracht und hinter einer Hecke aufgefahren. Wilhelm, der eben aufgestanden und wieder zu Pferde gestiegen war, war der Zielpunkt für beide Geschütze. Der erste Schuß traf eines der Pistolenholster des Prinzen Georg von Hessen und riß sein Pferd zu Boden „O,” rief der König, „der arme Prinz ist todtgeschossen!” Kaum waren diese Worte über seine Lippen, so traf ihn selbst eine zweite Kugel, ein Sechspfünder. Sie zerriß ihm den Rock, streifte seine Schulter und entzog ihm einige Unzen Blut. Beide Armeen sahen, daß der Schuß getroffen hatte, denn der König sank einen Augenblick auf den Hals seines Pferdes nieder. Im irischen Lager erscholl ein lautes Jubelgeschrei; die Engländer und ihre Verbündeten erschraken. Solms warf sich auf die Erde nieder und brach in Thränen aus. Wilhelm’s Haltung beruhigte jedoch seine Freunde bald wieder. „Es ist mir nichts geschehen,” sagte er; „aber die Kugel kam gerade nahe genug.” Coningsby legte sein Taschentuch auf die Wunde, es wurde nach einem Wundarzt geschickt, der einen Verband anlegte, und sobald dies geschehen war, ritt der König unter lauten Zurufen durch alle Posten seiner Armee. Die Energie seines Geistes war so groß, daß er trotz seiner Kränklichkeit und trotz der eben erhaltenen Verletzung an diesem Tage neunzehn Stunden auf dem Pferde zubrachte.[18]
Die Kanonade wurde auf beiden Seiten bis zum Abend unterhalten. Wilhelm beobachtete mit besonderer Aufmerksamkeit den Eindruck, den die irischen Schüsse auf diejenigen englischen Regimenter machten, welche noch nie im Feuer gestanden hatten, und er erklärte sich mit dem Resultate seiner Beobachtungen zufrieden. „Es geht Alles gut,” sagte er, „sie halten Stand im Feuer.” Lange nach Sonnenuntergang inspicirte er seine Truppen noch einmal bei Fackelschein und gab Befehl, daß alle nöthigen Vorkehrungen getroffen wurden, um am nächsten Morgen den Uebergang über den Fluß zu erzwingen. Jeder Soldat sollte einen grünen Zweig am Hute tragen, das Gepäck und die Ueberröcke wurden unter der Obhut einer Wache zurückgelassen, die Parole war Westminster.
Der Entschluß des Königs, die Irländer anzugreifen, wurde nicht von allen seinen Unteranführern gebilligt. Schomberg insbesondere erklärte das Unternehmen für zu gewagt und zog sich, da er überstimmt wurde, nicht in der besten Laune in sein Zelt zurück. Als ihm der Befehl zum Kampfe überbracht wurde, brummte er vor sich hin, er sei mehr gewöhnt, solche Befehle zu geben, als zu empfangen. Diese kleine Anwandlung von Verdruß, welche man einem General, der große Siege erfochten hatte, als sein Gebieter noch ein Kind war, wohl verzeihen konnte, machte der tapfere Veteran am folgenden Morgen glänzend wieder gut.