Schlacht bei Beachy Head.
Es war am 29. Juni, als der Admiral den Befehl zum Losschlagen erhielt. Am folgenden Tage, um vier Uhr Morgens rückte er gegen die französische Flotte vor und formirte seine Schiffe in Schlachtordnung. Er hatte keine sechzig Linienschiffe, während die Franzosen deren mindestens achtzig hatten, aber seine Schiffe waren stärker bemannt als die des Feindes. Er placirte die Holländer ins Vordertreffen und gab ihnen das Zeichen zur Eröffnung des Feuers. Diesem Befehl wurde prompt Folge geleistet und Evertsen und seine Landsleute kämpften mit einem Muthe, dem sowohl ihre englischen Verbündeten wie ihre französischen Feinde trotz nationaler Vorurtheile volle Gerechtigkeit widerfahren ließen. In keiner der Schlachten Van Tromp’s oder De Ruyter’s war die Ehre der batavischen Flagge glänzender behauptet worden. Mehrere Stunden lang hielt das Vordertreffen den ungleichen Kampf mit sehr geringer Unterstützung von Seiten irgend eines andren Theiles der Flotte aus, bis endlich der holländische Admiral sich zurück zog, dem Feinde einen zerschossenen und entmasteten Rumpf überlassend. Sein Nächster im Commando und mehrere hohe Offiziere waren gefallen. Nach diesem unglücklichen und schimpflichen Gefecht war es unmöglich, die See gegen die Franzosen zu behaupten. Die holländischen Schiffe, welche aus dem Treffen zurückkehrten, waren in einem kläglichen Zustande. Torrington ließ einige derselben zerstören, nahm die übrigen ins Schlepptau und floh dann die Küste von Kent entlang, um in der Themse eine Zuflucht zu suchen. Sobald er im Flusse war, ließ er alle Bojen entfernen und machte dadurch die Schifffahrt so gefährlich, daß die Verfolger es nicht wagen durften ihm nachzukommen.[153]
Viele und insbesondere die französischen Minister, waren jedoch der Meinung, daß die alliirte Flotte hätte vernichtet werden können, wenn Tourville unternehmender gewesen wäre. Er scheint in einem Punkte nur zu große Aehnlichkeit mit seinem besiegten Gegner gehabt zu haben. Obwohl persönlich tapfer, war er doch ein ängstlicher Commandeur. Sein Leben setzte er mit sorgloser Heiterkeit aufs Spiel, aber man sagte er sei krankhaft ängstlich und kindisch vorsichtig, wenn sein Ruf als Seemann gefährdet sei. Diese Vorwürfe verdrossen ihn so sehr, daß er zum Unglück für sein Vaterland bald bis zur Verwegenheit kühn wurde.[154]
Aufregung in London.
London hat kaum jemals einen so traurigen Tag erlebt als den, an welchem die Nachricht von der Schlacht bei Beachy Head eintraf. Die Schande war unerträglich und die Gefahr drohend. Wie, wenn der siegreiche Feind das that was De Ruyter gethan hatte? Wie, wenn die Seemagazine von Chatham wieder zerstört wurden? Wie, wenn der Tower selbst bombardirt werden sollte? Wie, wenn der große Wald von Masten und Raaen unterhalb der Londonbrücke in Flammen aufging?