Schlacht bei Fleurus.
Und dies war noch nicht Alles. Auch aus den Niederlanden waren so eben schlimme Nachrichten eingelaufen. Die verbündeten Truppen unter Waldeck hatten in der Nähe von Fleurus die Franzosen unter den Befehlen des Herzogs von Luxemburg angegriffen. Man hatte lange und heftig um die Palme des Siegs gestritten; doch endlich hatte die Geschicklichkeit des französischen Generals und die ungestüme Tapferkeit der französischen Cavallerie die Oberhand behalten.[155] So war zu gleicher Zeit die Armee Ludwig’s in Flandern siegreich und seine Flotte im unbestrittenen Besitz des Kanals. Der Marschall Humieres lag mit einer ansehnlichen Streitmacht nicht weit von der Meerenge von Dover. Es war ausgesprengt worden, daß er im Begriff stehe, sich mit Luxemburg zu verbinden. Die Mittheilungen aber, welche die englische Regierung von geschickten Militärs in den Niederlanden und von Spionen unter den Jakobiten erhielt und die einem so großen Meister in der Kriegskunst wie Marlborough ernster Beachtung werth schienen, lauteten dahin, daß die Armee Humieres’ unverzüglich nach Dünkirchen marschiren und dort von der Flotte Tourville’s an Bord genommen werden würde.[156] Zwischen der Küste von Artois und der Nore durfte kein einzelnes Schiff, das das rothe Kreuz des Heiligen Georg in seiner Flagge führte, sich zu zeigen wagen. Die Einschiffung konnte binnen wenigen Stunden bewerkstelligt sein und ein paar weitere Stunden genügten zur Ueberfahrt. So konnte London jeden Augenblick durch die Nachricht erschreckt werden, daß dreißigtausend französische Veteranen in Kent gelandet seien und daß die Jakobiten der Hälfte der Grafschaften des Königreichs unter den Waffen ständen. Sämmtliche reguläre Truppen, welche zur Vertheidigung der Insel ausgebracht werden konnten, beliefen sich auf nicht mehr als zehntausend Mann. Es darf bezweifelt werden, ob unser Vaterland jemals eine beunruhigendere Krisis durchgemacht hat als die der ersten Juliwoche des Jahres 1690.