Teignmouth wird zerstört.

Als Tourville sah, daß die ganze Bevölkerung wie ein Mann gegen ihn aufgestanden war, begnügte er sich damit seine Galeeren abzuschicken, um Teignmouth, jetzt ein freundlicher Badeort von zwölfhundert Häusern, damals aber noch ein unbekanntes Dorf von etwa vierzig Hütten, zu zerstören. Die Einwohner waren geflohen. Ihre Häuser wurden angezündet, die ehrwürdige Pfarrkirche geplündert, die Kanzel und der Altar zertrümmert, die Bibeln und Gebetbücher zerrissen und auf den Straßen umhergestreut, alles Vieh geschlachtet und einige kleine Fahrzeuge, welche zum Fischfang oder zum Küstenhandel benutzt wurden, vernichtet. Unterdessen hatten sechzehn- bis siebzehntausend Männer von Devonshire nahe an der Küste ein Lager aufgeschlagen und alle benachbarten Grafschaften hatten sich erhoben. Die Zinngruben von Cornwall hatten eine große Anzahl rauher und kühner Männer, Todfeinde des Papismus, geschickt. Zehntausend von ihnen hatten eben eine Adresse an die Königin unterzeichnet, worin sie versprachen, ihr gegen jeden Feind beizustehen, und sie hielten jetzt ihr Wort.[48] In der That, die ganze Nation war in Aufruhr. Zweiundzwanzig Reitertrupps aus Suffolk, Essex, Hertfordshire und Buckinghamshire passirten bei Hounslow vor Marien Revue und wurden von Marlborough wegen ihres kriegerischen Aussehens belobt. Die Milizen von Kent und Surrey campirten auf Blackheath.[49] Van Citters berichtete an die Generalstaaten, daß ganz England sich zu Fuß und zu Roß bewaffnet erhoben habe, daß der unglückliche Ausgang der Schlacht von Beachy Head das Volk keineswegs entmuthigt, sondern noch mehr erbittert habe und daß jede Compagnie Soldaten, der er auf der Straße begegnet, wie aus einem Munde gerufen habe: „Gott segne König Wilhelm und Königin Marie.”[50]

Charles Granville, Lord Lansdowne, der älteste Sohn des Earl von Bath, kam mit einigen Truppen der Garnison von Plymouth an, um das Commando der tumultuarischen Armee, die sich um das Wasserbecken von Torbay versammelt, zu übernehmen. Lansdowne war kein Neuling. Er hatte mehrere beschwerliche Feldzüge gegen den gemeinsamen Feind der Christenheit mitgemacht und war zum Lohn für die Tapferkeit, die er an dem von Filicaja und von Waller besungenen denkwürdigen Tage entfaltet, an welchem die Ungläubigen von den Mauern Wien’s abzogen, zum Grafen des Römischen Reichs creirt worden. Er traf Vorbereitungen zum Gefecht, aber die Franzosen hielten es nicht für gerathen ihn anzugreifen und wünschten sogar sehnlichst wieder abzuziehen. Durch Hindernisse verzögerte sich ihr Weggang. Einmal war der Wind den Segelschiffen ungünstig; ein andermal ging die See zu hoch für die Galeeren. Endlich stach die Flotte in See. Als die Reihe der Schiffe das hohe Vorgebirge umsegelte, welches Torquay beherrscht, ereignete sich ein Vorfall, der, obwohl an sich unbedeutend, die Tausende, welche am Ufer versammelt waren, sehr interessirte. Zwei unglückliche Sklaven machten sich von einem Ruder los und sprangen über Bord. Der eine kam um; der andre aber erreichte, nachdem er über eine Stunde mit den Wellen gekämpft, glücklich den englischen Boden und wurde von der Bevölkerung, in deren Augen die Galeerendisciplin etwas Fremdartiges und Widerliches war, herzlich willkommen geheißen. Er war ein Türke und wurde großmüthig in sein Vaterland zurückgeschickt.