Wilhelm’s militärische Maßregeln.
Inzwischen betrieben die beiden rivalisirenden Fürsten eifrig die Zusammenziehung ihrer Truppen. Loughbrickland war der Ort, den Wilhelm zum Sammelplatz für die zerstreuten Divisionen seiner Armee bestimmt hatte. Während seine Truppen sich sammelten, arbeitete er unermüdlich darauf hin, ihre Disciplin zu verbessern und für ihren Unterhalt zu sorgen. Er hatte aus England zweihunderttausend Pfund Sterling baares Geld und eine große Menge Kriegsbedarf und Lebensmittel mitgebracht. Alles Plündern wurde bei strenger Strafe verboten. Zu gleicher Zeit wurden reichlich Lebensmittel vertheilt und alle Regimentszahlmeister waren angewiesen, ihre Rechnungen immer sofort einzureichen, damit keine Rückstände blieben.[4] Thomas Coningsby, Parlamentsmitglied für Leominster, ein thätiger und nicht skrupulöser Whig, begleitete den König und fungirte als Generalzahlmeister. Es verdient besonders erwähnt zu werden, daß Wilhelm zu dieser Zeit den Zolleinnehmer von Belfast ermächtigte, jedes Jahr zwölfhundert Pfund an einige der angesehensten dissentirenden Geistlichen von Down und Antrim zu zahlen, als Unterstützung für sie und ihre Amtsbrüder. Der König erklärte, daß er diese Summe den nonconformistischen Geistlichen theils als Belohnung für ihre ihm bewiesene ausgezeichnete Loyalität, theils als eine Entschädigung für ihre neuerlichen Verluste aussetze. Dies ist der Ursprung der Schenkung, welche die Regierung noch jetzt alljährlich den presbyterianischen Geistlichen von Ulster zukommen läßt.[5]
Wilhelm war wieder ganz er selbst. Seine Lebensgeister, zu Boden gedrückt durch eine anderthalbjährige Existenz in unerfreulichen Verhältnissen und inmitten von Factionen und Intriguen, welche er nur halb verstand, hoben sich wieder beim Anblick der Zelte und Fahnen.[6] Es war merkwürdig, wie rasch dieser in Westminster so unpopuläre Mann eine vollkommene Herrschaft über die Herzen seiner Waffenbrüder erlangte. Sie sahen mit Bewunderung, daß er trotz seiner Kränklichkeit alle Mühen und Beschwerden theilte, die sie selbst ertragen mußten, daß er mehr an ihre Bequemlichkeit als an die seinige dachte, daß er einigen Offizieren, die über ihren Eifer, ihm Leckerbissen für seine Tafel zu verschaffen, die Bedürfnisse der gemeinen Soldaten vernachlässigten, nachdrücklich tadelte; daß er von dem Augenblicke an wo er ins Feld rückte, nicht ein einziges Mal in einem Hause wohnte, sondern selbst in der Nähe von Städten und Palästen in seiner kleinen transportabeln Bretterhütte schlief; daß keine Bitten ihn bewegen konnten, sich an einem heißen Tage und bei heftigem Winde aus der erstickenden Staubwolke zu entfernen, die über der marschirenden Colonne hing und minder zarte Lungen als die seinige auf eine harte Probe stellte. Jeder unter seinen Befehlen Dienende wurde mit seiner Persönlichkeit und mit seiner Stimme vertraut, denn es gab kein Regiment, das er nicht mit der sorgfältigsten Aufmerksamkeit inspicirt hätte. Seine freundlichen Mienen und Reden blieben lange in der Erinnerung. Ein wackerer Soldat hat in seinem Tagebuche der liebenswürdigen Freundlichkeit gedacht, mit der der König einen Korb mit den ersten Kirschen des Jahres von ihm annahm, so wie der Heiterkeit, mit der Se. Majestät sich beim Abendessen mit Denen unterhielt, welche um die Tafel herum standen.[7]