Zustand Dublin’s.

In Dublin war die Aufregung furchtbar. Niemand konnte mehr daran zweifeln, daß die entscheidende Krisis bevorstand, und die Qual der Ungewißheit steigerte die Leidenschaften der beiden feindlichen Racen auf den Höhepunkt. Die Mehrheit konnte in den Blicken und Reden der unterdrückten Minderheit unschwer Zeichen entdecken, welche die Hoffnung auf eine baldige Befreiung und eine furchtbare Rache verriethen. Simon Luttrell, unter dessen Obhut die Hauptstadt gestellt war, beeilte sich die Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, welche Angst und Haß ihm eingaben. Es erschien eine Proklamation, welche allen Protestanten einschärfte, von Einbruch der Dunkelheit bis zum Tagesanbruch zu Hause zu bleiben, und ihnen bei Todesstrafe verbot, sich an irgend welchem Orte und zu irgend welchem Zwecke in Gruppen von mehr als fünf Personen zu versammeln. Selbst gegen diejenigen Geistlichen der Landeskirche, welche nie aufgehört hatten, die Lehre vom Nichtwiderstande zu predigen, wurde keine Nachsicht geübt. Doctor Wilhelm King, der, nachdem er lange standhaft geblieben, seit kurzem in seinem politischen Glauben wankend zu werden begann, wurde gefänglich eingezogen. Kein Gefängniß war groß genug, um nur die Hälfte von Denen aufzunehmen, welche der Gouverneur in Verdacht schlimmer Absichten hatte. Das Collegium und mehrere Pfarrkirchen wurden dazu benutzt, und in diesen Gebäuden waren Leute, denen nichts zur Last gelegt werden konnte als ihre Religion, in solchen Massen zusammengepfercht, daß sie kaum athmen konnten.[3]