Bill zur Regulirung der Presse.

Auch noch andere parlamentarische Verhandlungen dieser Session verdienen Erwähnung. Während die Gemeinen eifrig mit dem großen Werke der Wiederherstellung der Finanzen beschäftigt waren, ereignete sich ein Vorfall, der eine kurze Zeit der jungen Preßfreiheit verderblich zu werden drohte, der sich aber gerade als das Mittel zur Befestigung derselben erwies. Eine von den vielen Zeitungen, welche seit dem Aufhören der Censur gegründet worden, war die Flying Post. Der Herausgeber, John Salisbury, war das Werkzeug einer Gesellschaft von Börsenspekulanten der City, in deren Interesse es zufällig lag, den Cours der Staatspapiere herunterzudrücken. Er veröffentlichte eines Tages einen unwahren und böswilligen Artikel, der offenbar den Zweck hatte, die Schatzkammerscheine zu verdächtigen. Von dem Credit der Schatzkammerscheine hing in diesem Augenblicke die politische Größe und die Handelsblüthe des Reichs ab. Das Haus der Gemeinen war empört, und der Sprecher erließ eine Vorladung an Salisbury. Es wurde ohne Abstimmung beschlossen, daß eine Bill eingebracht werden sollte, die das Veröffentlichen von Neuigkeiten ohne Censur verbot. Achtundvierzig Stunden darauf wurde die Bill schon überreicht und gelesen. Aber die Mitglieder hatten inzwischen Zeit gehabt, sich abzukühlen. Es gab fast Keinen unter ihnen, dessen Aufenthalt auf dem Lande im vergangenen Sommer durch die Londoner Journale nicht angenehmer gemacht worden wäre. So dürftig diese Journale auch Demjenigen erscheinen müssen, der jeden Morgen die Times auf seinem Frühstückstische findet, für die damalige Generation waren sie eine neue und reiche Quelle der Unterhaltung. Kein Gentleman von Devonshire oder Yorkshire, mochte er ein Whig oder ein Tory sein, konnte den Gedanken ertragen, wieder sieben Monate des Jahres hindurch in Bezug auf Alles was in der Welt vorging auf die Neuigkeitsbriefe beschränkt zu sein. Wäre die Bill angenommen worden, so hätten die Blätter, welche jetzt zweimal die Woche auf jedem Landsitze des Königreichs so ungeduldig erwartet wurden, nichts weiter enthalten, als was der Staatssekretär publik werden zu lassen für gut fand; sie wären factisch lauter London Gazettes gewesen, und der eifrigste Leser der London Gazette wäre über die wichtigsten Ereignisse seiner Zeit in Unkenntniß geblieben. Ein paar Stimmen erhoben sich jedoch auch zu Gunsten der Censur. „Diese Blätter,” sagten sie, „sind oft schädlichen Inhalts.” — „Warum werden sie dann nicht gerichtlich verfolgt?” war die Antwort. „Hat der Generalfiskal jemals gegen eines von ihnen eine Klage angestellt? Und ist es nicht absurd, von uns zu verlangen, daß wir ein neues Abhülfsmittel durch ein Gesetz schaffen sollen, während das Abhülfsmittel, welches das Landrecht darbietet, noch nie versucht worden ist?” Bei der Abstimmung über die Frage, ob die Bill zum zweiten Male gelesen werden sollte, beliefen sich die Jas auf nur sechzehn, die Neins auf zweihundert.[94]