Bill zur Regulirung der Wahlen.
Inzwischen war eine wichtige Frage, über welche die öffentliche Stimmung sehr aufgeregt war, discutirt worden. Sobald das Parlament zusammengetreten war, wurde eine Bill zur Regulirung der Wahlen, die sich im Wesentlichen wenig von der Bill unterschied, der der König in der vorhergehenden Session seine Genehmigung versagt hatte, im Hause der Gemeinen eingebracht, von den Landgentlemen freudig willkommen geheißen und rasch durch alle Stadien gebracht. Bei der Berichterstattung wurde beantragt, daß fünftausend Pfund persönliches Vermögen eine genügende Qualification für den Vertreter einer Stadt oder eines Burgfleckens sein sollten. Doch dieses Amendement wurde verworfen. Bei der dritten Lesung wurde ein Zusatz beigefügt, der einem Kaufmanne, welcher fünftausend Pfund besaß, gestattete, seinen Wohnplatz zu vertreten; aber es war zugleich bestimmt, daß Niemand als Kaufmann betrachtet werden sollte, weil er Actien der Bank oder der Ostindischen Compagnie besaß. Der Kampf war heiß. Cowper zeichnete sich unter den Gegnern der Bill aus. Seine sarkastischen Bemerkungen über die jagenden Bauern, welche die ganze Gesetzgebung in ihren Händen behalten wollten, veranlaßte einige heftige bäuerische Gegenhiebe. Ein schlichter Squire, sagte man ihm, könne dem Lande voraussichtlich eben so gute Dienste leisten, als der zungenfertigste Jurist, der für eine Guinee bereit sei zu beweisen, daß schwarz weiß aussehe. Bei der Abstimmung über die Frage, ob die Bill angenommen werden solle, betrug die Zahl der Jas zweihundert, die der Neins hundertsechzig.[91]
Die Lords waren zwölf Monate früher einer ähnlichen Bill bereitwillig beigetreten; seitdem aber hatten sie sich die Sache noch einmal überlegt und waren andren Sinnes geworden. Wenn ein Gesetz, das von jedem Mitgliede des Hauses der Gemeinen den Besitz eines Vermögens in Landgrundstücken von einigen hundert Pfund Rentenwerth verlangte, streng hätte durchgeführt werden können, so würde ein solches Gesetz allerdings den Landgentlemen von mäßigem Grundbesitz sehr vortheilhaft, den Großen des Reichs aber keineswegs vortheilhaft gewesen sein. Der Besitzer eines kleinen Gutes würde als Candidat für die Stadt, in deren Nachbarschaft seine Familie seit Jahrhunderten wohnte, aufgetreten sein, ohne die mindeste Besorgniß, daß sich ihm ein Alderman von London entgegenstellen würde, den die Wähler vor dem Tage des Vorschlags nie gesehen hatten und dessen Hauptanspruch auf ihre Gunst in einer mit Banknoten gefüllten Brieftasche bestand. Ein reicher Cavalier aber, der ein Vermögen von zehn- bis zwanzigtausend Pfund jährlicher Einkünfte besaß und über zwei bis drei Burgflecken zu gebieten hatte, würde ferner nicht mehr im Stande gewesen sein, seinen jüngeren Sohn, seinen jüngeren Bruder oder seinen Geschäftsmann ins Parlament zu bringen oder sich den Hosenbandorden oder einen höheren Grad in der Pairie zu verdienen, indem er einem Lord des Schatzes oder einem Generalfiskal einen Sitz verschaffte. Bei dieser Gelegenheit fiel demnach das Interesse der Häupter der Aristokratie, eines Norfolk und Somerset, eines Newcastle und Bedford, eines Pembroke und Dorset, mit dem der reichen Kaufleute der City und der jugendlichen Aspiranten des Temple zusammen und war dem Interesse eines Squires von tausend bis zwölfhundert Pfund Einkünften direct entgegengesetzt. An dem zur zweiten Lesung festgesetzten Tage waren die Lords sehr zahlreich anwesend. Es wurden mehrere Petitionen von Wahlkörpern, denen es hart dünkte, daß der Ausübung des Wahlrechts eine neue Beschränkung auferlegt werden sollte, überreicht und vorgelesen. Nach einer mehrstündigen Debatte wurde die Bill mit zweiundsechzig gegen siebenunddreißig Stimmen verworfen.[92] Nur drei Tage später schlug eine von Groll erfüllte zahlreiche Partei unter den Gemeinen vor, die so eben von den Peers verworfene Bill einer Grundsteuerbill anzuhängen. Dieser Antrag würde wahrscheinlich durchgegangen sein, hätte nicht Foley die Obliegenheiten seiner Stellung ein wenig überschritten und unter dem Vorgeben, der Ordnung das Wort zu reden, bewiesen, daß ein derartiges Anhängen in der Geschichte unserer Parlamente ohne Beispiel sei. Als die Frage gestellt wurde, erhoben die Jas ein so lautes Geschrei, daß man glaubte, sie bildeten die Majorität; bei der Abstimmung aber ergab es sich, daß ihre Zahl nur hundertfünfunddreißig betrug, während sich die Neins auf hundertdreiundsechzig beliefen.[93]