Stand der öffentlichen Stimmung.
Die Rede des Königs, die gemeinsame Adresse der beiden Häuser, der von den Gemeinen gebildete Verein und eine Proklamation, die eine Liste der Verschwörer enthielt und eine Belohnung von tausend Pfund auf die Ergreifung eines jeden derselben aussetzte, wurden bald in allen Straßen der Hauptstadt zum Verkauf ausgeboten und durch alle Posten über das ganze Land verbreitet. Ueberall wohin die Nachricht kam, gerieth das Volk in Bewegung. Die beiden verhaßten Worte Meuchelmord und Invasion wirkten wie ein Zauberspruch. Es bedurfte keines Preßgangs. Die Matrosen kamen zu Tausenden aus ihren Verstecken hervor, um die Flotte zu bemannen. Nur drei Tage nach der Berufung des Königs an die Nation verließ Russell mit einem starken Geschwader die Themse. Ein andres lag bei Spithead schlagfertig. Die Milizen aller Küstengrafschaften, vom Wash bis Land’s Ende standen unter den Waffen. Leute, welche bloßer politischer Vergehen wegen angeklagt waren, fanden in der Regel viel Theilnahme. Aber auf Barclay’s Mordgenossen machte die ganze Bevölkerung wie auf Wölfe Jagd. Der Abscheu, den die Engländer seit vielen Generationen gegen Haussuchungen und alle diejenigen Hindernisse empfinden, welche die Polizei der festländischen Staaten den Reisenden in den Weg legt, ruhte für einige Zeit. Die Thore der City von London wurden mehrere Stunden verschlossen gehalten, während drinnen genaue Durchsuchungen stattfanden. Die Behörden fast aller umwallten Städte des Königreichs folgten dem Beispiele der Hauptstadt. Auf jeder Landstraße waren Militärpikets postirt, mit dem Befehl, Reisende von verdächtigem Aussehen anzuhalten. Einige Tage lang war es fast unmöglich, ohne Paß zu reisen oder ohne besondere Autorisation eines Friedensrichters Postpferde zu erhalten. Und keine einzige Stimme erhob sich gegen diese Vorsichtsmaßregeln. Das gemeine Volk entwickelte sogar einen wo möglich noch größeren Eifer als die öffentlichen Beamten, um die Verräther in die Hände der Justiz zu bringen. Dieser Eifer mag vielleicht zum Theil der großen Belohnung zugeschrieben werden, welche die königliche Proklamation versprach. Der Haß, den jeder gute Protestant gegen die papistischen Mörder empfand, wurde nicht wenig verstärkt durch die Lieder, in denen die Straßenpoeten den glücklichen Miethkutscher besangen, der einen Hochverräther abgefaßt, seine tausend Pfund in Empfang genommen und sich als Gentleman zur Ruhe gesetzt hatte.[116] Der Eifer des Volks konnte an einigen Orten nur mit Mühe in den gesetzlichen Schranken gehalten werden. Auf Parkyns’ Landsitze in Warwickshire wurden Waffen und Armaturstücke zur Equipirung einer ganzen Reiterschwadron gefunden. Sobald dies bekannt wurde, rottete sich ein wüthender Pöbelhaufen zusammen, demolirte das Haus und verwüstete die Gartenanlagen vollständig.[117] Parkyns selbst wurde bis in eine Dachkammer im Temple verfolgt. Porter und Keyes, welche nach Surrey geflüchtet waren, wurden mit Steckbriefen verfolgt, bei Leatherhead durch das Landvolk angehalten, nach schwachem Widerstande festgenommen und ins Gefängniß geworfen. Friend wurde im Hause eines Quäkers versteckt gefunden. Knightley wurde in der Verkleidung einer eleganten Dame ergriffen und trotz Schönpflästerchen und Schminke erkannt. In wenigen Tagen waren alle Hauptverschwörer in sicherem Gewahrsam, mit Ausnahme Barclay’s, dem es gelang, nach Frankreich zu entkommen.
Zu gleicher Zeit wurden einige notorische Mißvergnügte eingezogen und eine Zeit lang auf Verdachtgründe hin in Haft gehalten. So wurde der greise Roger Lestrange, der jetzt in seinem achtzigsten Lebensjahre stand, ergriffen. Ferguson wurde in Gray’s Inn Lane unter einem Bett versteckt gefunden und zur allgemeinen Freude in Newgate eingesperrt.[118] Inzwischen wurde eine Specialcommission zur Prozessierung der Hochverräther eingesetzt. An Zeugen fehlte es nicht, denn von den ergriffenen Verschwörern waren zehn oder zwölf bereit, ihre Köpfe dadurch zu retten, daß sie als Belastungszeugen gegen ihre Genossen auftraten. Niemand war strafbarer und Niemand hatte eine verächtlichere Furcht vor dem Tode als Porter. Die Regierung willigte ein, sein Leben zu schonen und erlangte dadurch nicht nur sein Zeugniß, sondern auch das viel achtbarere Zeugniß Pendergraß’. Pendergraß war nicht in Gefahr, er hatte nichts begangen, sein Ruf war unbescholten und seine Aussagen mußten daher bei einer Jury viel größeres Gewicht haben als die Aussagen einer Menge von Angebern, welche nur schwuren, um ihre Hälse zu retten. Aber er hatte das Ehrenwort des Königs, daß er nicht ohne seine freie Zustimmung als Ankläger benutzt werden sollte, und er war fest entschlossen, nur dann als solcher aufzutreten, wenn ihm die Zusicherung gegeben wurde, daß Porter nichts geschehen sollte. Diese Zusicherung war jetzt gegeben und Pendergraß nahm nun keinen Anstand mehr, die ganze Wahrheit zu erzählen.