Verhalten des Kaisers.

Das Verhalten Spaniens ist lediglich der Arroganz und Thorheit zuzuschreiben. Aber die Abgeneigtheit des Kaisers, selbst in die billigsten Friedensbedingungen zu willigen, war eine Wirkung selbstsüchtigen Ehrgeizes. Der katholische König war kinderlos und kränklich, sein Leben war keine drei Jahre mehr werth, und wenn er starb, so wurden seine Besitzungen der Zankapfel für eine Menge Prätendenten. Das Haus Oesterreich sowohl als das Haus Bourbon hatten Ansprüche auf diese große Erbschaft. Es lag offenbar im Interesse des Hauses Oesterreich, daß der bedeutungsvolle Tag, mochte er kommen wann er wollte, eine große europäische Coalition gegen das Haus Bourbon gerüstet fände. Der Zweck des Kaisers war daher, daß der Krieg so wie er bisher geführt worden, mit geringen Kosten für ihn selbst und mit großen Kosten für England und Holland fortgeführt werde, nicht bis billige Friedensbedingungen erlangt werden könnten, sondern einfach bis zum Tode des Königs von Spanien. „Die Minister des Kaisers,” schrieb Wilhelm an Heinsius, „sollten sich ihrer Handlungsweise schämen. Es ist unerträglich, daß eine Regierung, die alles Mögliche thut, um den Erfolg der Unterhandlungen zu hintertreiben, nichts zur gemeinsamen Vertheidigung beiträgt.”[107]

Es ist kein Wunder, daß unter solchen Umständen das Friedenswerk geringe Fortschritte machte. Das Völkerrecht hat, wie jedes andre Recht, seine Chikanen, seine Spitzfindigkeiten, seine technischen Formen, welche nur zu leicht dazu angewendet werden können, es unwirksam zu machen. Es wurde daher denjenigen streitenden Theilen, welche den Streit nicht bald beendigt zu sehen wünschten, nicht schwer, Verzögerungen herbeizuführen. Es wurde lange über den Ort disputirt, wo die Conferenzen gehalten werden sollten. Der Kaiser schlug Aachen vor. Die Franzosen machten Einwendungen und schlugen den Haag vor. Dagegen machte der Kaiser wieder Einwendungen. Endlich kam man dahin überein, daß die Gesandten der verbündeten Mächte im Haag und die französischen Bevollmächtigten fünf Meilen davon in Delft zusammenkommen sollten.[108] Nach Delft begaben sich demgemäß Harlay, ein Mann von ausgezeichnetem Geist und feiner Bildung, Crecy, ein schlauer, geduldiger und fleißiger Diplomat, und Cailleres, der, obgleich er in den Accreditiven als Dritter genannt war, über alle Punkte, welche voraussichtlich zu berathen waren, viel besser unterrichtet war als jeder seiner beiden Collegen.[109] Im Haag befanden sich der Earl von Pembroke, und Eduard, Viscount Villiers, welche England repräsentirten. Prior begleitete sie in der Eigenschaft eines Sekretärs. An der Spitze der kaiserlichen Gesandtschaft stand Graf Kaunitz, an der Spitze der spanischen Don Francisco Bernardo de Quiros; die Gesandten untergeordneten Ranges aufzuzählen würde ermüdend sein.[110]