Verschwinden Goodman’s.

Goodman war eine Freiheit gestattet worden, wegen der man nachmals die Regierung mit einigem Grunde getadelt hat. Denn seine Aussage war von der höchsten Wichtigkeit, sein Character war notorisch schlecht, die gemachten Versuche Porter zu verführen, bewiesen, daß, wenn Fenwick’s Leben mit Geld zu retten war, solches nicht gespart werden würde, und Goodman war nicht, wie Porter, behülflich gewesen, Jakobiten an den Galgen zu bringen, und war daher nicht, wie Porter, durch ein unauflösliches Band an die Sache Wilhelm’s gekettet. Die Familien der gefangenen Verschwörer bedienten sich der Vermittelung eines schlauen und kühnen Abenteurers, Namens O’Brien. Dieser Mann kannte Goodman genau. Sie hatten in der That einer und der nämlichen Räuberbande angehört. Im „Hund” in Drury Lane, einer Taverne, welche von gesetzlosen und verzweifelten Menschen frequentirt wurde, trafen sie miteinander zusammen. O’Brien war von einem andren Jakobiten von entschlossenem Character begleitet. Sie stellten Goodman die einfache Alternative, entweder zu verschwinden und als Belohnung ein Jahrgeld von fünfhundert Pfund zu erhalten, oder auf der Stelle ermordet zu werden. Er willigte theils aus Habsucht, theils aus Furcht ein. O’Brien war nicht der Mann sich prellen zu lassen wie Clancy. Von dem Augenblicke an wo der Handel abgeschlossen, wich er nicht eher wieder von Goodman’s Seite als bis sie in Saint-Germains waren.[62]

Am Nachmittage des Tages, an welchem Fenwick vom Könige in Kensington befragt worden war, begann sich das Gerücht zu verbreiten, daß Goodman vermißt werde. Er war seit vielen Stunden vom Hause abwesend und man hatte ihn nicht an den Orten gesehen, die er zu besuchen pflegte. Zuerst entstand der Verdacht, daß die Jakobiten ihn ermordet hätten, und dieser Verdacht wurde durch einen sonderbaren Umstand verstärkt. Kurz nach seinem Verschwinden war ein vom Rumpfe getrennter Menschenkopf gefunden worden, der so furchtbar zerfleischt war, daß sich kein Zug im Gesicht mehr erkennen ließ. Die Menge, von dem Gedanken besessen, daß es kein Verbrechen gebe, zu dessen Verübung sich nicht ein irischer Papist finden würde, war zu dem Glauben geneigt, daß das Schicksal Godfrey’s ein neues Opfer betroffen habe. Bei näherer Untersuchung stellte es sich jedoch als gewiß heraus, daß Goodman sich absichtlich entfernt hatte. Es erschien eine Bekanntmachung, welche Demjenigen, der den Flüchtling ergreifen würde, eine Belohnung von tausend Pfund versprach; aber es war zu spät.[63]

Dieser Vorfall erbitterte die Whigs über die Maßen. Keine Jury konnte jetzt Fenwick des Hochverraths schuldig erklären. Sollte er also davon kommen? Sollte eine lange Reihe von Verbrechen gegen den Staat ungestraft bleiben, lediglich weil zu diesen Verbrechen noch das neue Verbrechen gekommen war, einen Zeugen zu bestechen, damit er seine Aussage unterdrücke und sich der Bürgschaftleistung durch die Flucht entziehe? Gab es kein außergewöhnliches Mittel, durch das die Justiz einen Verbrecher erreichen konnte, der einzig und allein weil er schlimmer war als andere Verbrecher außer dem Bereiche des gewöhnlichen Gesetzes stand? Es gab ein solches Mittel, das durch zahlreiche Präcedenzfälle autorisirt war, das während der Wirren des 16. Jahrhunderts die Papisten sowohl als die Protestanten, und während der Wirren des 17. Jahrhunderts die Rundköpfe sowohl als die Cavaliere angewendet hatten, ein Mittel, das kein Führer der Torypartei verdammen konnte, ohne sich selbst zu verurtheilen, und über das sich Fenwick anständigerweise nicht beklagen konnte, da er selbst wenige Jahre früher eifrig dafür gewesen war, es gegen den unglücklichen Monmouth anzuwenden. Zu diesem Mittel beschloß die Partei, die jetzt im Staate die Oberhand hatte, zu greifen.