Wilhelm eröffnet eine bestimmte Unterhandlung.
Wilhelm hatte sich jedoch fest vorgenommen, dieser Komödie bald ein Ende zu machen. Er wollte entweder Frieden oder Krieg. Jedes von beiden war seiner Ansicht nach besser als dieser interimistische Zustand, der die Nachtheile beider in sich vereinigte. So lange die Unterhandlungen dauerten, konnten die Lasten, die sein Volk drückten, sich nicht vermindern, und doch konnte er von seinen Verbündeten kein energisches Handeln erwarten. Wenn Frankreich wirklich geneigt war, einen Tractat unter billigen Bedingungen zu schließen, so sollte dieser Tractat trotz der Bornirtheit des katholischen Königs und trotz der selbstsüchtigen Arglist des Kaisers zu Stande kommen. Meinte es Frankreich nicht aufrichtig, dann war es um so besser, je eher die Wahrheit bekannt wurde, je eher die in Ryswick spielende Posse aufhörte, je eher die Bevölkerungen England’s und Holland’s — denn von ihnen hing Alles ab — erfuhren, daß sie sich zu großen Anstrengungen und Opfern entschließen mußten.
Pembroke und Villiers konnten, obgleich ihnen jetzt ein diplomatischer Veteran, Sir Joseph Williamson, zur Seite stand, wenig oder nichts zur Beschleunigung der Congreßverhandlungen thun. Denn obwohl Frankreich versprochen hatte, den Prinzen von Oranien als König von Großbritannien und Irland anzuerkennen, sobald der Friede zu Stande käme, hatte es ihn doch noch immer nicht anerkannt. Seine Gesandten verkehrten daher nicht direct mit Harlay, Crecy und Cailleres. Wilhelm beschloß mit der Weisheit und Entschlossenheit eines ächten Staatsmannes durch einen der in den Niederlanden commandirenden französischen Marschälle mit Ludwig in Unterhandlung zu treten. Der Marschall Villeroy stand unter ihnen am höchsten im Range. Aber Villeroy war schwach, vorschnell, hochmüthig und empfindlich. Von einem solchen Unterhändler war weit eher zu erwarten, daß er die Dinge verwirren, als daß er sie zu einer gütlichen Ausgleichung bringen werde. Boufflers hingegen war ein Mann von Einsicht und Mäßigung, und zum Glück hatte er während der wenigen Tage, die er nach dem Falle Namur’s in Huy zugebracht, unter der Obhut Portland’s gestanden, der ihn mit der größten Artigkeit und Freundlichkeit behandelt hatte. In Folge dessen hatte sich ein freundschaftliches Verhältniß zwischen dem Gefangenen und seinem Hüter gebildet. Beide waren tapfere Soldaten, ehrenhafte Cavaliere und treue Diener. Wilhelm glaubte daher mit Recht, daß sie viel eher zu einer Verständigung kommen würden als Harlay und Kaunitz selbst mit dem Beistande Lilienroth’s. Portland besaß in der That alle wesentlichen Eigenschaften eines vorzüglichen Diplomaten. In England war das Volk gegen ihn eingenommen, weil er ein Ausländer war; sein Earltitel, sein Hosenbandorden, seine einträglichen Stellen, sein rasch zunehmender Reichthum erweckten Neid; man verstand seinen Dialect nicht, seine Manieren waren nicht die der großen Herren, welche in Whitehall gebildet waren. Daher wurden seine Talente bei weitem nicht gebührend gewürdigt; man pflegte ihn einen Dummkopf zu nennen, der zu nichts tauge als zum Ueberbringen von Botschaften. Auf dem Continent aber, wo er ohne Uebelwollen beurtheilt wurde, machte er einen ganz andren Eindruck. Es ist ein bemerkenswerthes Factum, daß dieser Mann, der in den Gesellschaftszirkeln und Kaffeehäusern London’s ein plumper einfältiger Hogan Mogan[113] — dies war die gebräuchliche Redensart — genannt wurde, in Versailles für einen außerordentlich fein gebildeten Hofmann und einen höchst gewandten Unterhändler galt.[114] Seine empfehlendste Eigenschaft war jedoch seine unerschütterliche Rechtschaffenheit. Es war gewiß, daß die seiner Fürsorge anvertrauten Interessen ihm eben so theuer sein würden als sein Leben und daß jeder Bericht, den er seinem Gebieter abstattete, buchstäblich genau sein würde.