Breadalbane beauftragt, mit den aufständischen Clans zu unterhandeln.
Johann, Earl von Breadalbane, das Oberhaupt einer jüngeren Linie des großen Hauses Campbell, nahm unter den Miniaturfürsten des Gebirges einen hohen Rang ein. Er konnte siebzehnhundert Claymores ins Feld stellen, und zehn Jahre vor der Revolution war er wirklich mit dieser bedeutenden Streitmacht in das Niederland eingerückt, um die prälatistische Tyrannei zu unterstützen.[64] Damals hatte er Eifer für die Monarchie und das Episkopat geheuchelt, in der That aber war ihm jede Regierung und jede Religion gleichgültig. Er scheint zwei verschiedene Klassen von Lastern in sich vereinigt zu haben, die Erzeugnisse zweier verschiedener Gegenden und zweier verschiedener Stadien des gesellschaftlichen Fortschritts. In seinem Schlosse zwischen den Bergen hatte er den barbarischen Stolz und die Wildheit eines Hochländerhäuptlings gelernt, und im Rathssaale zu Edinburg hatte er sich den tiefwurzelnden Hang zur Verrätherei und Bestechlichkeit angeeignet. Nach der Revolution hatte er sich, wie nur zu viele seiner adeligen Standesgenossen, nach und nach jeder Partei angeschlossen und jede hintergangen, hatte Wilhelm und Marien Treue geschworen und gegen sie conspirirt. Es würde ermüdend sein, wollte man alle Wendungen und Winkelzüge während des Jahres 1689 und des ersten Theils von 1690 verfolgen.[65] Etwas weniger krumm wurde diese Laufbahn, als die Schlacht am Boyne den Muth der Jakobiten gebrochen hatte. Es schien jetzt wahrscheinlich, daß der Earl ein loyaler Unterthan Ihrer Majestäten sein würde, so lange kein großes Unglück über sie kam. Niemand, der ihn kannte, konnte ihm trauen, aber damals war überhaupt wenigen schottischen Staatsmännern zu trauen, und doch mußte man sich schottischer Staatsmänner bedienen. Seine Stellung und seine Verbindungen bezeichneten ihn als einen Mann, der, wenn er wollte, für die Pacifirung der Hochlande viel thun konnte, und sein Interesse schien eine Gewähr für seinen Eifer zu sein. Er hatte, wie er mit allem Anschein von Aufrichtigkeit erklärte, gewichtige persönliche Gründe, um die Wiederherstellung der Ruhe zu wünschen. Die Lage seiner Besitzungen war von der Art, daß seine Vasallen, so lange der Bürgerkrieg dauerte, nicht in Ruhe ihre Heerden weiden oder ihren Hafer säen konnten. Seine Ländereien wurden täglich verwüstet, sein Vieh wurde täglich weggetrieben, und eines seiner Häuser war schon niedergebrannt worden. Es war daher wahrscheinlich, daß er sein Möglichstes thun würde, um den Feindseligkeiten ein Ende zu machen.[66]
Er wurde demgemäß beauftragt, mit den jakobitischen Oberhäuptern zu unterhandeln und erhielt das Geld, das unter sie vertheilt werden sollte. Er lud sie zu einer Conferenz auf seinem Wohnsitze in Glenorchy ein. Sie kamen, aber mit dem Vertrage ging es nur sehr langsam vorwärts. Jedes Oberhaupt eines Stammes verlangte einen größeren Antheil an dem englischen Golde als zu erlangen war. Man argwöhnte, daß Breadalbane die Clans und auch den König betrügen wolle. Bald gesellte sich zu dem Streite zwischen den Rebellen und der Regierung ein andrer noch mißlicherer Streit. Die Camerons und Macdonalds lagen eigentlich nicht mit Wilhelm, sondern mit Mac Callum More in Krieg, und kein Arrangement, an welchem Mac Callum More nicht Theil hatte, konnte zum wirklichen Frieden führen. Es entstand daher die wichtige Frage, ob das Breadalbane anvertraute Gold unmittelbar an die mißvergnügten Häuptlinge bezahlt oder zur Befriedigung der Ansprüche, welche Argyle an sie hatte, verwendet werden sollte. Lochiel’s Schlauheit und Glengarry’s anmaßende Prätensionen trugen dazu bei, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. Aber kein celtischer Potentat war so unlenksam als Macdonald von Glencoe, im Gebirge unter dem erblichen Namen Mac Ian bekannt.