Ministerielle Veränderungen in Schottland.

Während diese Ernennungen stattfanden, geschahen in einem entlegenen Theile der Insel Ereignisse, die in den bestunterrichteten Zirkeln London’s erst nach vielen Monaten bekannt wurden, die aber nach und nach eine entsetzliche Notorietät erlangten und welche noch jetzt, nach einem Zeitraum von mehr als hundertsechzig Jahren, nie ohne Schaudern erwähnt werden.

Bald nachdem die Stände von Schottland sich, im Herbste des Jahres 1690 getrennt hatten, wurde in der Verwaltung dieses Königreichs eine Aenderung getroffen. Wilhelm war mit der Art und Weise, wie er im Parlamentshause vertreten worden war, nicht zufrieden. Er war der Meinung, daß die vertriebenen Curaten hart behandelt worden seien. Er hatte nur sehr ungern das Gesetz, welches das Patronat abschaffte, mit seinem Scepter berühren lassen. Was ihm aber ganz besonders mißfiel, war daß die Acte, welche eine neue Kirchenverfassung feststellten, nicht von einer Acte begleitet gewesen waren, die den Anhängern der alten Kirchenverfassung Gewissensfreiheit gewährte. Er hatte seinen Commissar Melville beauftragt, den Episkopalen in Schottland gleiche Duldung zu erwirken, wie sie die Dissenters in England genossen.[60] Aber die presbyterianischen Priester eiferten laut und heftig wider die Milde gegen Amalekiter. Melville besaß bei all’ seinen nützlichen Talenten und seinen vielleicht redlichen Absichten weder einen weitreichenden Blick noch einen unerschrockenen Muth. Er scheute sich, ein den theologischen Demagogen seines Vaterlandes so verhaßtes Wort wie Toleranz auszusprechen. Durch schonende Nachsicht gegen ihre Vorurtheile beschwichtigte er das in Edinburg sich erhebende Geschrei; aber die Folge seiner ängstlichen Vorsicht war, daß im Süden der Insel bald ein noch viel lauteres Geschrei gegen die Bigotterie der im Norden dominirenden Schismatiker und gegen die Zaghaftigkeit der Regierung ausbrach, die nicht den Muth gehabt hatte, dieser Bigotterie entgegenzutreten. In diesem Punkte waren der Hochkirchliche und der Niederkirchliche eines Sinnes, oder der Niederkirchliche war vielmehr der am meisten Aufgebrachte von Beiden. Ein Mann wie South, der schon seit vielen Jahren prophezeite, daß, wenn die Puritaner aufhören sollten, bedrückt zu werden, sie Bedrücker werden würden, war im Herzen gar nicht böse darüber, daß seine Prophezeiung sich erfüllte. In der Brust eines Mannes wie Burnet aber, dessen erster Lebenszweck von jeher die Milderung des Hasses der Priester der anglikanischen Kirche gegen die Presbyterianer gewesen war, konnte das intolerante Verfahren der Presbyterianer kein andres Gefühl als Unwillen, Scham und Schmerz erwecken. Es gab daher Niemanden am englischen Hofe, der ein gutes Wort für Melville einlegte. Unter solchen Umständen konnte er unmöglich an der Spitze der schottischen Verwaltung bleiben. Er wurde indessen sehr schonend von seiner hohen Stellung herabgezogen. Er blieb noch über ein Jahr Staatssekretär, aber es wurde ein zweiter Sekretär ernannt, der in der Nähe des Königs residiren und die Hauptleitung der Geschäfte erhalten sollte. Der neue Premierminister für Schottland war der geschickte, beredtsame und hochgebildete Sir Johann Dalrymple. Sein Vater, der Lordpräsident des Court of Session, war vor kurzem mit dem Titel Viscount Stair zur Peerswürde erhoben worden, und Sir Johann Dalrymple wurde daher nach dem alten schottischen Brauche Master von Stair genannt. Nach einigen Monaten legte Melville seine Stelle als Staatssekretär nieder und nahm ein Amt von einigem Ansehen und Einkommen, aber keiner politischen Bedeutung an.[61]