Verhalten Russell’s.

Am meisten baute Jakob auf Russell. Dieser falsche, arrogante und launenhafte Staatsmann sollte die Kanalflotte befehligen. Er hatte nicht aufgehört den jakobitischen Emissären zu versichern, daß er gern eine Restauration herbeiführen wolle. Die Emissäre rechneten zuversichtlich wenn nicht auf seine unumwundene Mitwirkung, so doch auf seine Connivenz, und es unterlag keinem Zweifel, daß mit seiner Connivenz eine französische Flotte leicht eine Armee an unsere Küsten bringen konnte. Jakob schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß er sogleich nach seiner Landung Herr der Insel sein werde. In Wahrheit aber würden nach vollbrachter Ueberfahrt die Schwierigkeiten seines Unternehmens erst begonnen haben. Vor zwei Jahren erst hatte er eine Lection bekommen, aus der er hätte Nutzen ziehen sollen. Er hatte damals sich und Andere in den irrigen Glauben eingewiegt, daß die Engländer ihn zurückwünschten, daß sie sich nach ihm sehnten und daß sie es nicht erwarten könnten, sich zu Tausenden bewaffnet zu erheben, um ihn willkommen zu heißen. Wilhelm war damals wie jetzt nicht anwesend. Damals wie jetzt war die Verwaltung in den Händen einer Frau. Damals wie jetzt waren wenig reguläre Truppen in England. Torrington hatte damals ebensoviel zum Schaden der Regierung gethan, der er diente, als Russell jetzt thun konnte. Die französische Flotte hatte damals, nachdem sie mehrere Wochen lang siegreich und dominirend im Kanal umhergefahren war, einige Truppen auf der Südküste gelandet, und die unmittelbare Folge davon war gewesen, daß ganze Grafschaften, ohne Unterschied von Tory und Whig, Hochkirchlichem oder Dissenter, sich wie ein Mann erhoben hatten, um die Fremden hinauszuwerfen, und daß die Jakobitenpartei, welche noch vor wenigen Tagen anscheinend die Hälfte der Nation bildete, sich mit schweigender Bestürzung niedergeduckt und so klein gemacht hatte, daß sie eine Zeit lang unsichtbar gewesen war. Welchen Grund hatte man nun zu glauben, daß die Massen, welche im Jahre 1690 beim ersten Aufflammen der Lärmfeuer Gewehre, Piken und Sensen ergriffen hatten, um den heimathlichen Boden gegen die Franzosen zu vertheidigen, die Franzosen jetzt als Verbündete begrüßen würden? Und in der Armee, welche Jakob diesmal begleiten solle, bildeten die Franzosen noch den minder verhaßten Theil. Die große Hälfte dieser Armee sollte aus irischen Papisten bestehen und das gemischte Gefühl von Haß und Verachtung, mit dem die irischen Papisten von den englischen Protestanten seit langer Zeit betrachtet wurden, war durch neuere Vorgänge zu einer vorher nicht gekannten Heftigkeit gesteigert worden. Die erblichen Sklaven, sagte man, seien auf einen Augenblick frei gewesen, und dieser Augenblick habe genügt zu beweisen, daß sie ihre Freiheit weder zu gebrauchen noch zu vertheidigen wüßten. Während der kurzen Dauer ihres Uebergewichts hätten sie nichts gethan, als morden und sengen und plündern und zerstören und verurtheilen und confisciren. In drei Jahren hätten sie in ihrem Vaterlande eine Verwüstung angerichtet, welche dreißig Jahre englischer Intelligenz und Betriebsamkeit nicht wiedergutmachen würden. Sie würden ihre Unabhängigkeit gegen die ganze Welt behauptet haben, wenn sie es im Fechten so weit gebracht hätten wie im Stehlen. Aber sie hätten sich schimpflich von den Mauern Londonderry’s zurückgezogen und seien wie das Wild vor den Jägern von Enniskillen geflohen. Der Fürst, den sie jetzt mit Waffengewalt auf den englischen Thron setzen zu können wähnten, habe selbst am Morgen nach der Niederlage am Boyne ihnen ihre Feigheit vorgeworfen und ihnen gesagt, daß er sich nie wieder auf ihren Wehrstand verlassen werde. Ueber diesen Punkt waren die Engländer eines Sinnes. Die Tories, die Eidverweigerer und selbst die Katholiken schmähten das unglückliche Volk eben so laut als die Whigs. Es ist daher nicht schwer zu errathen, welchen Eindruck das Erscheinen von Feinden auf unsrem Boden gemacht haben würde, die wir auf ihrem eigenen Boden besiegt und mit Füßen getreten hatten.

Doch Jakob glaubte trotz der neuen und harten Lehre der Erfahrung Alles was seine Correspondenten in England ihm sagten, und sie sagten ihm, daß die ganze Nation ihn ungeduldig erwarte, daß der Westen wie der Norden bereit seien, sich zu erheben, daß er auf dem Wege vom Landungsplatze nach Whitehall eben so wenig Widerstand finden werde, als wenn er in früheren Zeiten von einer Reise zurückkehrte. Ferguson zeichnete sich durch die Zuversichtlichkeit aus, mit der er einen vollständigen und unblutigen Sieg prophezeite. Er und sein Buchdrucker, schrieb er albernerweise, würden die beiden ersten Männer im Reiche sein, die für Se. Majestät zu Pferde stiegen. Viele andere Agenten reisten während des Winters und der ersten Wochen des Frühjahrs geschäftig im Lande umher. In den Grafschaften südlich vom Trent scheinen sie mit geringem Erfolge gearbeitet zu haben. Im Norden aber, besonders in Lancashire, wo die Katholiken zahlreicher und mächtiger waren als in irgend einem andren Theile des Landes und wo sich selbst unter der protestantischen Gentry mehr als die gewöhnliche Anzahl bigotter Katholiken befanden, wurden einige Anstalten zu einer Insurrection getroffen. Waffen wurden im Geheimen gekauft, Offiziere wurden ernannt und Freisassen, kleine Farmer, Reitknechte und Jäger wurden überredet, sich einreihen zu lassen. Die, welche ihre Namen einzeichnen ließen, wurden in acht Cavallerie- und Dragonerregimenter eingetheilt und erhielten Befehl sich bereit zu halten, um auf das erste Signal aufzusitzen.[108]