Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer gegen die Dissenters erbittert.

Die Hauptursache jedoch, welche damals der Geistlichkeit selbst den gemäßigtsten Comprehensionsplan verhaßt machte, ist noch nicht erwähnt worden. Was Burnet vorhergesehen und vorhergesagt hatte, war eingetroffen. Es herrschte in dem ganzen Priesterstande eine große Geneigtheit, die Unbilden der schottischen Episkopalen die englischen Presbyterianer entgelten zu lassen. Es ließ sich nicht leugnen, daß selbst die Hochkirchlichen im Sommer des Jahres 1688 sich im allgemeinen bereit erklärt hatten, Vieles im Interesse der Union aufzugeben. Allein man sagte, und nicht ohne einen Anschein von Begründung, die Vorgänge jenseit der Grenze bewiesen, daß eine Union unter billigen Bedingungen unmöglich sei. Wie können, fragte man, Diejenigen, die uns keine Concession machen wollen wo wir schwach sind, es uns verargen, daß wir ihnen keine Concession machen wollen, wo wir stark sind? Wir können die Grundsätze und Gesinnungen einer Secte nach den Erklärungen, die sie in einem Augenblicke der Schwäche und der Leiden abgiebt, nicht richtig beurtheilen. Wenn wir den puritanischen Geist in seiner wahren Beschaffenheit kennen lernen wollen, müssen wir den Puritaner beobachten, wenn er die Oberhand hat. Unter der vorigen Generation hatte er hier die Oberhand, und sein kleiner Finger war stärker als die Lenden der Prälaten. Er trieb Hunderte von friedlichen Studenten aus ihren Collegien und Tausende von achtbaren Geistlichen aus ihren Pfarrwohnungen, weil sie sich weigerten, seinen Covenant zu unterschreiben. Weder Gelehrsamkeit, noch Genie, noch Frömmigkeit wurde geschont. Männer wie Hall und Sanderson, Chillingworth und Hammond wurden nicht allein ausgeplündert, sondern ins Gefängniß geworfen und der ganzen Rohheit brutaler Kerkermeister preisgegeben. Es wurde für ein Verbrechen erklärt, schöne Psalmen und Gebete zu lesen, welche Ambrosius und Chrysostomus den Gläubigen hinterlassen hatten. Endlich ward die Nation der Herrschaft der Frommen müde. Die gestürzte Dynastie und die gestürzte Hierarchie wurden wieder eingesetzt, der Puritaner wurde seinerseits Ausschließungen und Strafen unterworfen, und alsbald kam er dahinter, daß es grausam sei, Jemanden zu bestrafen, weil er Gewissensskrupel wegen eines Gewandes, wegen einer Ceremonie, wegen geistlicher Amtsverrichtungen hegte. Seine jammervollen Klagen und seine Argumente zu Gunsten der Toleranz hatten endlich auf viele Gutmüthige Eindruck gemacht. Selbst eifrige Hochkirchliche hatten angefangen, sich der Hoffnung hinzugeben, daß die harte Lehre, die er bekommen, ihn aufrichtig, gemäßigt und nachsichtig gemacht habe. Wäre dem wirklich so gewesen, so würde es allerdings unsre Pflicht sein, seine Bedenken mit zarter Rücksicht zu behandeln. Aber während wir überlegten, was wir thun könnten, um seinen Wünschen in England zu entsprechen, hatte er in Schottland das Uebergewicht erlangt, und in einem Augenblicke war er wieder ganz er selbst: bigott, insolent und grausam. Pfarrwohnungen wurden geplündert, Kirchen geschlossen, Gebetbücher verbrannt, heilige Gewänder zerrissen, andächtige Versammlungen auseinandergetrieben, Priester gemißhandelt, mit Steinen geworfen, an den Schandpfahl gestellt und mit Weib und Kind hinausgestoßen, um zu betteln oder zu verhungern. Daß diese Gewaltthätigkeiten nicht einigen wenigen ruchlosen Herumtreibern, sondern der Gesammtheit der schottischen Presbyterianer zur Last fielen, ging klar aus dem Umstande hervor, daß die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelthäter zu bestrafen, noch den Betroffenen Abhilfe zu verschaffen. Sei es da nicht gerathen, daß die englische Kirche auf ihrer Hut sei? Könne man billigerweise von ihr verlangen, daß sie ihre apostolische Verfassung und ihr schönes Ritual aufgebe, um Diejenigen auszusöhnen, denen nichts als die Macht fehlte, um sie zu mißhandeln, wie sie ihre Schwester gemißhandelt hatten? Diese Leute hätten bereits eine Wohlthat erlangt, die sie nicht verdienten und die sie niemals gewährt haben würden. Sie verehrten Gott in vollkommener Sicherheit; ihre Bethäuser genössen eines eben so wirksamen Schutzes wie die Chöre unserer Kathedralen. Während kein bischöflicher Geistlicher ohne Lebensgefahr in Ayrshire oder Renfrewshire Gottesdienst halten könne, predigten in Middlesex hundert presbyterianische Geistliche ungestört jeden Sonntag. Die Legislatur habe mit einer vielleicht unklugen Großmuth den intolerantesten Menschen Toleranz gewährt, und mit der Toleranz zieme es ihnen sich zu begnügen.