Schlacht bei Landen.
Noch lag es in der Macht des Königs, durch einen eiligen Rückzug die schmalen, aber tiefen, durch kürzliche Regengüsse angeschwollenen Gewässer der Gette zwischen seine Armee und den Feind zu bringen. Aber die Stellung, welche er einnahm, war stark und sie konnte leicht noch stärker gemacht werden. Alle seine Truppen mußten ans Werk. Es wurden Gräben gezogen, Schanzen aufgeworfen und Pallisaden eingerammt. Binnen wenigen Stunden hatte das Terrain ein ganz andres Aussehen gewonnen und der König glaubte fest, daß er selbst den Angriff einer ihm weit überlegenen Truppenmacht werde abwehren können. Diese Ueberzeugung entbehrte auch nicht eines Anscheins von Begründung. Als der Morgen des 19. Juli anbrach, sahen die tapfersten Männer in Ludwig’s Armee ernst und besorgt die Festung, welche plötzlich aus der Erde gewachsen war, um ihre Fortschritte zu hemmen. Die Alliirten waren durch ein Brustwerk gedeckt. Hier und da waren längs der Verschanzungen kleine Redouten und Halbmonde angelegt. Hundert Geschütze waren über die Wälle vertheilt. Auf der linken Flanke lag das Dorf Romsdorf dicht an dem Flüßchen Landen, nach welchem die Engländer jene unglückliche Schlacht benannt haben. Zur Rechten lag das Dorf Neerwinden. Beide Dörfer waren nach niederländischer Sitte von Wassergräben und Hecken umgeben, und innerhalb dieser Umfriedigungen waren die von verschiedenen Familien bewohnten kleinen Bodenflächen durch fünf Fuß hohe und einen Fuß dicke Lehmmauern von einander getrennt. Alle diese Barrikaden hatte Wilhelm ausgebessert und verstärkt. Saint-Simon, der nach der Schlacht das Terrain besichtigte, sagt uns, er habe kaum begreifen können, wie so ausgedehnte und so furchtbare Befestigungen mit solcher Schnelligkeit hätten geschaffen werden können.
Luxemburg war jedoch entschlossen zu versuchen, ob selbst diese Stellung gegen die überlegene Anzahl und die ungestüme Tapferkeit seiner Soldaten sich würde behaupten lassen. Bald nach Sonnenaufgang begann der Donner der Geschütze gehört zu werden. Wilhelm’s Batterien thaten gute Wirkung, bevor die französische Artillerie so aufgestellt werden konnte, daß sie das Feuer zu erwiedern vermochte. Erst um acht Uhr kam es zum Handgemenge. Das Dorf Neerwinden wurde von beiden Feldherren als derjenige Punkt betrachtet, von dem Alles abhing. Hier machte der französische linke Flügel unter den Befehlen Montchevreuil’s, eines ergrauten Offiziers von hohem Rufe, und Berwick’s, der sich trotz seiner Jugend rasch zu einer angesehenen Stelle unter den Heerführern seiner Zeit emporgeschwungen, einen Angriff. Berwick leitete ihn und drang in das Dorf, wurde aber unter einem furchtbaren Blutbade bald wieder daraus vertrieben. Seine Leute flohen oder wurden niedergehauen, und er selbst wurde, während er sie wieder zu sammeln versuchte und sie verwünschte, weil sie ihre Pflicht nicht besser thaten, von Feinden umringt. Er verbarg seine weiße Cocarde und hoffte dadurch sich mit Hülfe seiner Muttersprache für einen Offizier der englischen Armee ausgeben zu können; aber sein Gesicht wurde von einem der Brüder seiner Mutter, Georg Churchill, erkannt, welcher an diesem Tage eine Brigade commandirte. Es fand eine eilige Umarmung zwischen den beiden Verwandten statt und der Oheim führte den Neffen zu Wilhelm, der, so lange Alles gut zu gehen schien, bei der Nachhut blieb. Das Zusammentreffen zwischen dem König und dem Gefangenen, welche durch so enge Verwandtschaftsbande mit einander verbunden und durch so unsühnbare Feindschaft von einander getrennt waren, gewährte einen sonderbaren Anblick. Beide benahmen sich wie es ihnen ziemte. Wilhelm entblößte sich und richtete einige Worte artiger Begrüßung an seinen Gefangenen. Berwick’s einzige Antwort war eine feierliche Verbeugung. Der König bedeckte sich wieder, der Herzog ebenfalls, und die beiden Vettern schieden für immer.
Mittlerweile waren die in völliger Verwirrung aus Neerwinden vertriebenen Franzosen durch eine Division unter dem Commando des Herzogs von Bourbon verstärkt worden und kehrten tapfer zum Angriff zurück. Wilhelm, der die Wichtigkeit dieses Postens sehr wohl erkannte, gab Befehl, daß von anderen Punkten seiner Schlachtlinie Truppen dahin aufbrechen sollten. Dieser zweite Kampf war lang und blutig. Die Angreifenden drangen abermals in das Dorf, sie wurden abermals unter fürchterlichem Blutvergießen daraus vertrieben und zeigten wenig Lust, den Angriff zu wiederholen.
Inzwischen hatte der Kampf längs der ganzen Verschanzungen der verbündeten Armee gewüthet. Wieder und immer wieder führte Luxemburg seine Truppen bis auf Pistolenschußweite an das Brustwerk heran, aber näher konnte er sie nicht bringen. Wieder und immer wieder wichen sie vor dem heftigen Feuer zurück, das gegen ihre Front und ihre Flanken gerichtet wurde. Es schien alles vorüber zu sein. Luxemburg zog sich zu einer außer Schußweite gelegenen Stelle zurück und berief einige seiner vornehmsten Offiziere zu einer Berathung zusammen. Sie besprachen sich eine Weile mit einander und ihre lebhaften Gesten wurden von Allen, die sie sehen konnten, mit hohem Interesse beobachtet.
Endlich kam Luxemburg zu einem Entschluß. Noch ein Versuch mußte gemacht werden, Neerwinden zu nehmen, und die unüberwindlichen Haustruppen, die Sieger von Steenkerke, mußten vorangehen.
Die Haustruppen kamen in einer ihres alten und furchtbaren Rufes würdigen Weise heran. Zum drittenmale wurde Neerwinden genommen, zum drittenmale versuchte Wilhelm es wieder zu nehmen. An der Spitze eines der englischen Regimenter griff er die Garden Ludwig’s mit einer solchen Wuth an, daß diese berühmte Schaar, zum erstenmale innerhalb der Erinnerung des ältesten Kriegers, zurückwich.[27] Nur durch die kräftigen Bemühungen Luxemburg’s, des Herzogs von Chartres und des Herzogs von Bourbon wurden die durchbrochenen Reihen wieder gesammelt. Inzwischen aber waren das Centrum und der linke Flügel der alliirten Armee zu dem Zwecke, den Kampf bei Neerwinden zu unterstützen, so sehr geschwächt worden, daß die Verschanzungen auf anderen Punkten nicht mehr vertheidigt werden konnten. Kurz nach vier Uhr Nachmittags wich die ganze Linie. Alles war Gemetzel und Verwirrung. Solms war tödtlich verwundet worden und fiel noch lebend in die Hände des Feindes. Die englischen Soldaten, denen sein Name verhaßt war, beschuldigten ihn, in seinen Leiden einen eines Soldaten unwürdigen Kleinmuth bewiesen zu haben. Der Herzog von Ormond wurde im Gewühl zu Boden geschlagen, und er würde im nächsten Augenblicke eine Leiche gewesen sein, wäre nicht ein kostbarer Diamant an seinem Finger einem von der französischen Garde in die Augen gefallen, der mit Recht dachte, daß der Besitzer eines solchen Juwels ein werthvoller Gefangener sein müsse. Der Herzog wurde gerettet und bald gegen Berwick ausgewechselt. Ruvigny, von dem echten Refugiéhasse gegen das Land beseelt, das ihn verstoßen, wurde kämpfend im dichtesten Schlachtgewühl zum Gefangenen gemacht. Diejenigen, denen er in die Hände gefallen war, kannten ihn wohl und wußten, daß er, wenn sie ihn in ihr Lager brachten, für den Verrath, zu dem die Verfolgung ihn getrieben, mit seinem Kopfe büßen würde. Mit bewunderungswürdiger Großmuth thaten sie als kennten sie ihn nicht und ließen ihn im Tumulte entkommen.
Erst bei solchen Gelegenheiten trat die ganze Größe von Wilhelm’s Character zu Tage. Inmitten der Flucht und des Getümmels, während Waffen und Fahnen weggeworfen wurden, während Massen von Fliehenden die Brücken und Furthen der Gette verstopften oder in ihren Fluthen umkamen, stellte sich der König, nachdem er Talmash beordert, den Rückzug zu beaufsichtigen, an die Spitze einiger tapferer Regimenter und hielt durch verzweifelte Anstrengungen den Feind auf. Er lief dabei größere Gefahr als Andere, denn er konnte nicht dahin gebracht werden, seinen schwächlichen Körper mit einem Brustharnisch zu beschweren, oder die Insignien des Hosenbandordens zu verbergen. Er betrachtete seinen Stern als einen guten Sammelpunkt für seine eigenen Truppen, und lächelte blos, wenn man ihm sagte, daß derselbe eine treffliche Zielscheibe für den Feind sei. Viele Tapfere fielen zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Zwei Saumpferde, die im Felde stets in seiner Nähe waren, wurden durch Kanonenschüsse getödtet. Eine Flintenkugel ging durch die Locken seiner Perrücke, eine zweite durch seinen Rock, eine dritte streifte ihn an der Seite und zerriß sein blaues Ordensband. Noch viele Jahre später pflegten alte, ergraute Invaliden, die in den Gängen und Alleen des Chelsea Hospitals umherschlichen, sich zu erzählen, wie er an der Spitze von Galway’s Reitern angriff, wie er viermal abstieg, um die Infanterie anzufeuern, wie er ein Corps, das weichen zu wollen schien, durch die Worte zurückrief: „So kämpft man nicht, Gentlemen! Hart auf den Leib müßt Ihr ihnen rücken. So, Gentlemen, so!” — „Ihr hättet ihn sehen sollen,” schrieb ein Augenzeuge nur vier Tage nach der Schlacht, „wie er sich mit dem Degen in der Hand auf den Feind stürzte. Es ist ausgemacht, daß er und Andere einmal an der Spitze zweier englischer Regimenter gesehen wurde, und daß er mit diesen beiden Regimentern, Angesichts der ganzen Armee gegen sieben kämpfte und sie eine Viertelstunde lang vor sich her trieb. Dank sei dem Himmel, der ihn erhalten hat.” Der Feind setzte ihm so hart zu, daß er nur mit großer Mühe den Uebergang über die Gette bewerkstelligte. Eine kleine Schaar tapferer Männer, die seine Gefahr bis zum letzten Augenblicke theilte, vermochte kaum die Verfolger von ihm abzuhalten, als er die Brücke passirte.[28]
Vielleicht nie zeigte sich die Veränderung, welche die Fortschritte der Civilisation in der Kriegskunst herbeigeführt haben, auffallender als an diesem Tage. Ajax, der den trojanischen Heerführer mit einem Felsstücke zu Boden schlägt, das zwei gewöhnliche Männer kaum aufheben konnten, Horatius, der die Brücke gegen eine Armee vertheidigt, Richard Löwenherz, der längs der ganzen Schlachtlinie der Sarazenen hinsprengt, ohne einen Feind zu finden, der seine Herausforderung annimmt, Robert Bruce, der mit einem Schlage den Helm und Schädel Sir Henry Bohun’s Angesichts der ganzen Armee England’s und Schottland’s spaltet: das sind die Helden der grauen Vorzeit. In einem solchen Zeitalter ist Körperkraft die unerläßlichste Eigenschaft eines Kriegers. Bei Landen waren zwei kränkliche Menschen, die in einem rohen Zustande der Gesellschaft für zu schwach gehalten worden wären, um an einem Kampfe nur Antheil zu nehmen, die Seelen zweier großen Heere. In einigen heidnischen Ländern würden sie als Säuglinge ausgesetzt, in der Christenheit würden sie sechshundert Jahre früher in ein stilles Kloster geschickt worden sein. Aber ihr Loos war ihnen zu einer Zeit gefallen, wo die Menschen dahinter gekommen waren, daß die Stärke der Muskeln der Stärke des Geistes bei weitem nachsteht. Es ist wahrscheinlich, daß von den hundertzwanzigtausend Soldaten, welche unter allen Fahnen des westlichen Europa bei Neerwinden versammelt waren, der verwachsene Zwerg, der den ungestümen Angriff Frankreich’s leitete, und das asthmatische Skelett, das den langsamen Rückzug England’s deckte, die beiden schwächlichsten Gestalten waren.
Die Franzosen waren Sieger, aber sie hatten ihren Sieg theuer erkauft. Mehr als zehntausend Mann der besten Truppen Ludwig’s waren gefallen. Neerwinden gewährte einen Anblick, der die ältesten Soldaten schaudern machte. In den Straßen lagen die Leichen brusthoch. Unter den Gefallenen befanden sich einige vornehme Edelleute und einige berühmte Krieger, als da waren Montchevreuil und der verstümmelte Körper des Herzogs von Uzes, der den höchsten Rang unter dem ganzen Adel Frankreich’s einnahm. Auch Sarsfield wurde von da hoffnungslos verwundet auf ein Krankenbett getragen, von dem er sich nie wieder erhob. Der Hof von Saint-Germains hatte ihm den hohlen Titel eines Earls von Lucan verliehen; aber die Geschichte kennt ihn unter dem Namen, der der unglücklichsten aller Nationen noch immer theuer ist. Die dortige Gegend, seit Jahrhunderten als das Schlachtfeld der kriegerischsten Nationen Europa’s berühmt, hat nur zwei schrecklichere Tage gesehen: den von Malplaquet und den von Waterloo. Viele Monate lang war der Boden mit Schädeln und Gebeinen von Menschen und Pferden und mit Stücken von Hüten und Schuhen, Sätteln und Halftern besäet. Im nächsten Sommer schossen aus dem durch zwanzigtausend Leichen gedüngten Boden Millionen Mohnpflanzen empor. Der Reisende, der auf dem Wege von Saint-Tron nach Tirlemont diese große Fläche blendenden Scharlachs erblickte, die sich von Landen bis Neerwinden erstreckte, konnte sich schwerlich des Gedankens erwehren, daß die bildliche Vorhersagung des hebräischen Propheten, die Erde würde ihr Blut von sich geben und sich weigern, die Erschlagenen zu bedecken, buchstäblich in Erfüllung gegangen sei.[29]
Es fand keine Verfolgung statt, obgleich die Sonne noch hoch stand, als Wilhelm über die Gette ging. Die Sieger waren vom Marschiren und Kämpfen so erschöpft, daß sie sich kaum bewegen konnten, und die Pferde waren in einem noch schlimmeren Zustande als die Menschen. Ihr General hielt es für nothwendig, ihnen einige Zeit zur Ruhe und Erholung zu gönnen. Die französischen Cavaliere entlasteten ihre Saumpferde, soupirten heiter und stießen inmitten der Haufen von Leichen mit Champagner an, und als es dunkel wurde, legten sich ganze Brigaden freudig auf die Erde nieder, um in Reih’ und Glied auf dem Schlachtfelde zu schlafen. Luxemburg’s Unthätigkeit entging dem Tadel nicht. Niemand konnte leugnen, daß er im Gefecht eine große Geschicklichkeit und Energie entfaltet hatte; Einige aber meinten, es fehle ihm an Geduld und Ausdauer. Andere raunten einander zu, er wünsche nicht, einen Krieg zu beendigen, der ihn einem Hofe nothwendig mache, an welchem er in Friedenszeiten niemals Gunst, ja nicht einmal Gerechtigkeit gefunden haben würde.[30] Ludwig, der diesmal vielleicht nicht ganz frei von einigen Regungen von Eifersucht war, wußte angeblich das Lob, das er seinem Befehlshaber spendete, mit einem Tadel zu verbinden, der zwar schonend ausgedrückt, aber doch vollkommen verständlich war. „In der Schlacht” sagte er, „benahm sich der Herzog von Luxemburg wie Condé, und nach der Schlacht benahm sich der Prinz von Oranien wie Turenne.”
Die Geschicklichkeit und Energie, womit Wilhelm seine furchtbare Niederlage wieder gut machte, mußte in der That Bewunderung erwecken. „In einer Beziehung,” sagte der Admiral Coligny, „darf ich mich über Alexander, über Scipio, über Cäsar stellen. Sie haben allerdings große Schlachten gewonnen. Ich aber habe vier große Schlachten verloren, und doch zeige ich dem Feinde eine furchtbarere Front als je.” Das Blut Coligny’s floß in Wilhelm’s Adern, und mit dem Blute hatte er den unbezwinglichen Muth geerbt, der aus dem Mißgeschick eben so großen Ruhm zu ziehen wußte, als glücklichere Befehlshaber dem Erfolg verdankten. Die Niederlage von Landen war zwar ein harter Schlag und der König hegte einige Tage lang quälende Besorgnisse. Wenn Luxemburg weiter vordrang, war Alles verloren. Löwen mußte fallen, und eben so auch Mecheln, Nieuport und Ostende. Die batavische Grenze wäre gefährdet worden und das Geschrei nach Frieden konnte in ganz Holland so laut werden, daß weder die Generalstaaten noch der Statthalter ihm länger zu widerstehen vermochten.[31] Aber Luxemburg zögerte, und ein kurzer Verzug genügte Wilhelm. Vom Schlachtfelde bahnte er sich einen Weg durch die Massen der Fliehenden in die Gegend von Löwen, und dort begann er seine zerstreuten Truppen wieder zu sammeln. Die ängstliche Besorgniß, die er in diesem Augenblicke, dem unglücklichsten seines ganzen Lebens, wegen der beiden Personen empfand, die ihm am theuersten waren, gereicht seinem Character nicht zur Unehre. Sobald er in Sicherheit war, schrieb er an seine Gemahlin, um sie über seine Lage zu beruhigen.[32] In der Verwirrung der Flucht hatte er Portland aus dem Gesicht verloren, dessen Gesundheit damals sehr geschwächt war und der daher mehr als die gewöhnlichen Gefahren des Kriegs zu bestehen hatte. Ein kurzes Billet, das der König wenige Stunden später seinem Freunde zukommen ließ, ist noch vorhanden.[33] „Obgleich ich Sie diesen Abend zu sehen hoffe, kann ich doch nicht umhin an Sie zu schreiben, um Ihnen zu sagen, wie sehr ich mich freue, daß Sie so gut davongekommen sind. Gott gebe, daß Ihre Gesundheit bald ganz wiederhergestellt werde. Es hat ihm gefallen, schwere Prüfungen in rascher Aufeinanderfolge über mich zu verhängen. Ich muß trachten, mich seinem Willen ohne Murren zu unterwerfen und seinen Zorn weniger zu verdienen.”
Seine Truppen sammelten sich rasch wieder. Starke Corps, die er vielleicht unklugerweise von seiner Armee detachirt hatte, als er glaubte, daß Lüttich das Ziel des Feindes sei, stießen in Eilmärschen zu ihm. Drei Wochen nach seiner Niederlage hielt er einige Meilen von Brüssel eine Heerschau ab. Die Anzahl der unter den Waffen stehenden Mannschaften war größer als am Morgen der blutigen Schlacht von Landen; ihr Aussehen war soldatenmäßig und ihr Muth schien ungebrochen. Wilhelm schrieb jetzt an Heinsius, daß das Schlimmste vorüber sei. „Die Krisis,” sagte er, „ist eine fürchterliche gewesen. Gott sei Dank, daß sie so geendet hat.” Er hielt es jedoch nicht für gerathen, in diesem Augenblicke das Glück einer neuen Feldschlacht zu versuchen. Er ließ daher die Franzosen Charleroy belagern und nehmen, und dies war der einzige Vortheil, den sie aus der blutigsten Schlacht zogen, welche im 17. Jahrhundert in Europa geschlagen wurde.