Shrewsbury will kein Amt annehmen.
Einige Wochen lang blieben die von Nottingham abgegebenen Siegel im königlichen Cabinet. Die anderweitige Vergebung derselben erwies sich als kein leichtes Ding. Sie wurden Shrewsbury angeboten, der von allen Whighäuptern in der Gunst des Königs am höchsten stand; aber er lehnte sie ab und zog sich, um ferneren Anträgen aus dem Wege zu gehen, aufs Land zurück. Dort erhielt er bald einen dringenden Brief von Elisabeth Villiers. Diese Dame hatte, als sie noch ein Mädchen war, Wilhelm eine Leidenschaft eingeflößt, die an dem kleinen Hofe im Haag großes Aergerniß erregt und viel Unheil angerichtet hatte. Sie verdankte ihren Einfluß keineswegs persönlichen Reizen — denn es bedurfte Kneller’s ganzer Geschicklichkeit, damit sie auf der Leinwand erträglich aussah — und eben so wenig den ihrem Geschlecht eigenen Talenten — denn sie excellirte nicht in angenehmer Unterhaltung und ihren Briefen fehlte es auffallend an weiblicher Leichtigkeit und Eleganz — sondern vielmehr Geistesgaben, die sie geeignet machten, an den Sorgen von Staatsmännern Theil zu nehmen und ihnen rathend zur Seite zu stehen. Bis ans Ende ihres Lebens fragten sie große Politiker um Rath. Selbst Swift, der Schlaueste und Cynischste unter ihren Zeitgenossen, erklärte sie für die klügste aller Frauen und saß mehr als einmal, durch ihre Unterhaltung gefesselt, von zwei Uhr Nachmittags bis gegen Mitternacht bei ihr.[76] Nach und nach eroberte sich Marie durch ihre Tugenden und Reize den ersten Platz im Herzen ihres Gemahls. Aber in schwierigen Fällen wendete er sich noch immer häufig an Elisabeth Villiers um Rath und Beistand. Sie beschwor jetzt Shrewsbury, seinen Entschluß nochmals zu überlegen und sich nicht die Gelegenheit entgehen zu lassen, die Whigs für immer zu einigen. Wharton und Russell schrieben in dem nämlichen Sinne. Als Antwort kamen leere und nichtssagende Entschuldigungen: „Ich eigne mich nicht für das Hofleben; ich bin einer Stelle nicht gewachsen, die viel Anstrengung erfordert; ich stimme mit keiner Partei im Staate ganz überein; kurz, ich tauge nicht für die Welt. Ich will reisen, ich möchte Spanien kennen lernen.” Dies waren bloße Ausflüchte. Hätte Shrewsbury die ganze Wahrheit sagen wollen, so würde er geschrieben haben, daß er in einer bösen Stunde der Sache der Revolution, bei der er eine so große Rolle gespielt, untreu geworden, daß er Verpflichtungen eingegangen sei, die er bereue, von denen er sich aber nicht wieder losmachen könne, und daß er, so lange diese Verpflichtungen auf ihm lasteten, nicht gesonnen sei, in den Dienst der bestehenden Regierung zu treten. Marlborough, Godolphin und Russell machten sich allerdings kein Gewissen daraus, mit dem einen Könige zu correspondiren, während sie dem andren dienten. Shrewsbury aber hatte, was Marlborough, Godolphin und Russell nicht hatten: ein Gewissen, das ihn zwar nur zu oft nicht abhielt, Unrecht zu thun, das ihn aber stets strafte.[77]
In Folge seiner Weigerung die Siegel anzunehmen wurden die vom Könige beabsichtigten ministeriellen Arrangements erst gegen den Schluß der Session vollständig geordnet. Inzwischen waren die Verhandlungen der beiden Häuser höchst interessant und wichtig gewesen.