Der Bürgerkrieg.

Seit 1919 lebt Deutschland im Bürgerkrieg. Daß immer mehrere sich zusammentaten, um den anderen zu schlagen, und, daß die Republik immer bei den mehreren war und so anscheinend erstarkte, ändert nichts an der Sache. Ebensowenig die Feststellung, daß nicht an jedem Tage an jedem Orte geschossen wurde. Denn: wer alle Schießereien, Morde, Prozesse aneinanderreiht, erhält trotzdem einen ununterbrochenen Kriegsbericht, der es mit irgendeinem historischen Krieg aufnehmen kann.

Offiziere der
7. Kavalleriedivision!

center.u Für Recht! Für Gesetz! Für Ordnung!

Setzt euch in Beziehung mit euren Kameraden

fürs Vaterland!!!

Der Bürgerkrieg wird von mehreren, äußerlich kaum unterscheidbaren Teilen eines Volkes geführt; von Leuten, die Mut haben und von ihrem Recht überzeugt sind. Sie halten die Anderen für Schufte, Verräter und Verbrecher: weil nur dieses Urteil den Totschlag von Volksgenossen verantworten kann. Der Rest der Bevölkerung versucht ängstlich seinen Besitz zu wahren, und sei es auf Kosten der Nachbarn oder des Ganzen – um morgen vielleicht doch arm zu sein. Politische und wirtschaftliche Zerrüttung: die Ereignisse der letzten Jahre bestätigen das.

Die Tatsache, daß der Feind äußerlich nicht erkennbar und räumlich nicht getrennt ist, schafft eine Atmosphäre des Mißtrauens und der Unsicherheit, die zugleich mit der Verachtung des Gegners die Schärfe des Kampfes und seine Brutalität erklärt. Dazu kommt, daß die Lage in Deutschland die Folge eines Zusammenbruchs ist. Die ganze vorher geschilderte brodelnde Masse schiebt sich hinter und zwischen die Parteien und derselbe Zusammenbruch, der jenes unorganisierte Milieu schuf, zwingt die Parteien, sich seiner zu bedienen; und es wird Träger der Politik und ihrer Bestrebungen. Das Verantwortungslose ruft sich aus zum System.