Zensur und – Bierkonsum.
Daß der Humor auch der immer grämlicher werdenden Zensur nicht untreu wurde, zeigt ein scherzhafter Vorfall, von dem der berühmte Philologe Friedrich August Wolf, damals in Halle, an den Herausgeber der »Jenaischen Literaturzeitung«, den Kollegen Schütz in Jena, am 21. Februar 1792 berichtete.
Die »Gothaische Gelehrte Zeitung« war in ganz Preußen verboten, also auch in Halle, aber nicht im nahen Passendorf jenseits der Saale, das damals zu Kursachsen gehörte. Hier, wo die Hallenser Burschen seit altersher manche Bierschlacht zu schlagen liebten, legte deshalb ein spekulativer Wirt namens Währmann gleich mehrere Exemplare des verbotenen Blattes »bei sein Merseburger Bier« auf, »um mehr Gäste hinauszuziehen«. »Barkhausen«, schreibt Wolf, »will daher in seinem nächsten Berichte als Stadtpräsident auf meinen Rath mit einfließen lassen, daß die hiesige Bier-Consumtion seit den Tagen des Verbots der Gothaer Zeitung beträchtlich zum Nachtheil der Stadt gefallen sei, indem die Bier trinkenden studiosi und Un-studiosi, zumal die studiosi noch studentes, weit häufiger als sonst die sächsischen Dörfer besuchten, weil dort neben dem Biere auch Gothaische Zeitungen zu haben wären.«
Ob der Stadtpräsident von Halle den Spaß wirklich von Stapel ließ, ist nicht überliefert; aber Wolf »steht dafür, daß er ausgeführt werden soll«.