Der fröhliche Tag

Man ist keine tragische Gestalt, steht daher nicht, für alle erkennbar, im Mittelpunkt des Geschehens. Andere handeln und nehmen sich wenigstens so wichtig. Da ist Guise, er will Sieger sein über eine deutsche Armee, die aus der Schweiz den Hugenotten zu Hilfe kommt; gewonnene Schlachten fehlen ihm bis jetzt an seinem Ruhm. Auch freut Joyeuse, der junge Marschall, sich wie ein Kind darauf, den König von Navarra zu schlagen mit seiner ausgewählten Ritterschaft. Er sitzt nur noch etwas in einer der Städte, die er unterwegs einnimmt, und nach dem fetten Leben bei Hof macht er eine Kur zur Reinigung seines Innern. Abgeführt und leicht soll der Feldherr in die Schlacht reiten.

Nicht allein dieser neue Gegenspieler erwartet Henri: sein alter Biron, derselbe, den er als bitterbösen Feind gehabt hatte während seines kleinen Gefechtes im eigenen Land, auch hier draußen fand er sich pünktlich ein. Henri hatte die Provinz Guyenne damals vertauscht mit der Provinz Saintonge, denn sein Heil bestand im Angriff: den Krieg hinaustragen, ihn nach dem Norden verlegen, Paris bedrohen — Fama immer vorausfliegend und blasend. Sein alter Biron ließ es sich einfallen, eine gewisse Insel anzugreifen: Marans, nahe dem Ozean; Henri hatte sie seiner Freundin Corisande höchst reizend im voraus beschrieben. Das Wasserband, das dieses liebliche Eiland von Gärten umschlang, war nur leider Sümpfen abgewonnen, und in ihnen verkam das Heer des Feindes. Er mußte die Belagerung aufheben, war selbst verwundet, auch das Geld vom Hof ging aus. Wie denn, ein König, der die Abgaben seines Volkes nur immer an seine Günstlinge verschwendet hatte, soviel nicht Diebe oder die heilige Liga für sich nahmen: derselbe Fürst sollte auf einmal drei bis vier Armeen bezahlen? Das Geld für Biron blieb zuerst fort. Einiges erbeutete Henri: nur wenige tausend Taler, aber das entschied den Zusammenbruch des Marschalls, seine Truppen liefen ihm weg.

Hiermit hatte Henri sich nicht nur Birons entledigt, sondern auch seines Vetters Condé, infolge des auffallenden Gegensatzes zu den Fehlschlägen, die dieser Mitbewerber um die gleiche Zeit erlitt. Der Sieg Henris auf der Insel gewann ihm die harten Protestanten von La Rochelle, die andernfalls den guten Parteimann und mittelmäßigen Führer Condé gern vorgezogen hätten. Jetzt gelangten die zahlreichen Ungeschicklichkeiten des Glaubensgenossen erst recht zur Geltung. Nachträglich wurde in den strengsten Häusern über ihn der Kopf geschüttelt. Zuerst war im Schloß zu Nérac auf seine Kosten gelacht worden, der Vetter verzieh es nicht.

Kam die Reihe an Joyeuse, als er endlich erleichtert war und ins Feld ritt. Da wird Henri allerdings die tragische Gestalt: beim Treffen mit der größten und reichsten der königlichen Armeen, auf offenem Feld, am Tag der Entscheidung. Noch mehr wird Henri hier: Glaubensheld nach dem Vorbild der Bibel. Die Zweifel an ihm ersterben. Der streitet nicht mehr um Geld und Gut, noch um die Krone: vielmehr zur Ehre Gottes bringt er sie dar. Nimmt die Partei der Schwachen, Verfolgten, unwandelbar fest, gesegnet vom Herrn der Himmel. Der hat die reinen Augen wie ein Kämpfer für die Religion. Es ist nicht wahr, was so lange umging von seinen Liebschaften, tollen Streichen und seiner Lauheit. Unser Held und Streiter, unser höchst Gesegneter, wir eilen dir zu.

So stießen sie zu ihm von vielen Seiten — und im voraus erhoben von seinem Ruf, wurden alle diese Menschen beseligt, als sie mit Augen sahen, wie er war: einfach und gut. Eigenhändig grub er Erde aus den Laufgräben, aß im Stehen, schlief in Waffen — und lachte. Wegen seines Lachens blieb man bei ihm, ob es Geld gab oder keins, ob gegessen wurde oder gefastet. Er machte sogar seine Pastoren fröhlich, des Nachts aber weckte er seinen Hauptmann Turenne, seinen Hauptmann Roquelaure, und es wurde aufgepaßt bei fertig daliegenden Lunten.

«Sire! Was hilft es indessen, daß wir wachen und uns vom Feind nicht überraschen lassen. Bei Tag setzen Sie Ihre Person aus, als hinge an ihr nicht alles: waten durch offene Sümpfe, von den ringsum einschlagenden Kugeln spritzt das Wasser Sie an.»

«Und falle vielleicht morgen», antwortete Henri ihnen. «Deswegen bleibt doch aufrecht meine Sache, da sie die Sache Gottes ist.»

Dies sprach er unter den Sternen, glaubte es auch — recht, wie man glauben soll, denn seine Zuversicht war völlig grundlos, und in Wirklichkeit wäre mit ihm sofort auch die Sache gefallen. Wollte aber Gott dies Königreich retten, dann mußte er, ob gern oder ungern, Henri erhalten.

Unvermeidlich treten Zeiten der Ermüdung ein. Vierzehn Tage nicht im Bett gewesen, all die Sorge um die eigene Mannschaft — und um den Feind, der hingelockt werden soll, wo man ihn braucht. Als sie endlich aufeinanderstießen, der Herzog von Joyeuse, der König von Navarra, da fand sich dieser eingeschlossen zwischen zwei Flüssen und von seiner Artillerie getrennt. Womit er sich instand setzte, das waren seine Schnelligkeit, Beweglichkeit und sein gutes Glück. Dieses fügte es, daß der Feind um so schwerfälliger und langsamer war. Die Hugenotten hatten vor ihren Zelten die Psalmen gesungen noch bei dämmerndem Morgen, und der Feind stellte sich erst umständlich auf. Alsbald verlegten sie sich darauf, ihn auszuhöhnen und zu beschimpfen: die weichlichen Herren vom Hof, die Fresser, die Diebe an Steuergeldern und Schweiß der Armen.

«Genug abgeführt, Herr Herzog? Sonst sind wir da, und Angst tut mehr als Latwergen. Keiner von euch Herren kann verdauen, was er hat geschluckt an Pfründen und Pensionen, daher kommt ihr nicht von der Stelle. Aber das ganze Schlachtfeld stinkt von ihren Duftwässern. Nach getaner Arbeit sollt ihr anders riechen!»

Unheilvolle Drohungen werden weit hinübergetragen auf hellen Stimmen. Drüben ließ das heraufsteigende Gestirn schimmern und blitzen das silberne Heer. Das war das Heer der Reichen: viel edles Metall, goldene Dolche, goldene Helme, Edelsteine sind eingelassen in die Waffen, die Taschen sind voll Geld, die Stirnen voll Rechnung und Besitz; unter jedem silbernen Panzer klopft nicht allein das Herz: die Macht, die Macht klopft in euch und ist Macht von Zöllnern und Einnehmern, die sich bereichern an Witwen und Waisen. «Hundsfott!» Ein rauher alter Mann, der aber scharfe Augen hatte rief weit hinüber: «Dreh dich nur her, dich hab ich erkannt, du warst es, der mein Schloß angezündet hat mit deinen Landsknechten. Du bist einer von der Liga.»

Dieser Name erhöhte die Wut des protestantischen Heeres. Der verhaßte Feind wären nicht die Königlichen gewesen: die Mordbanden der heiligen Liga, auch sie standen drüben. Die hatten Bethäuser zerstört, Pastoren geröstet, die weibliche Natur mit Pulver gefüllt. Das seid ihr, die uns die Heimat verbieten mitsamt dem Glauben, und sollen nicht sein und denken, wofür wir gemacht sind von unserem Schöpfer. Aber er will, daß ihr heute sterbt! So beteuerten ihnen die Pastoren, die zwischen ihren Reihen umhergingen auch im Wams und Koller, damit das wahre Wort zuletzt noch gehört würde. Bevor der Pastor fertig war, stellte der Hauptmann seine Kompanie in Schlachtordnung auf.

Der König von Navarra war überall sichtbar, obwohl selbst nur im grauen Leder und Eisen; ihm selbst entging nichts, besonders keine Bewegung des Herzogs von Joyeuse. Die beiden ließen einander Zeit, bevor es vollends ernst wurde. Am Ende soll einer von beiden vor Gott treten, indes der andere das Feld behauptet. Jedes der Geschicke ist groß; deswegen achten sie einander und gewähren einander den Vorteil, der noch zu gewinnen ist, bevor es vollends ernst wird. Joyeuse vollführt schwierige Manöver mit seiner allzu glänzenden Reiterei, ohne daß jemand ihn stört. Währenddessen kann Navarra schnell seine letzten Feldschlangen über den Fluß holen. Auch sprach er seine beiden Vettern an, um sie an ihr gleiches Blut zu erinnern. Es waren Condé und Bourbon Soissons, der Geliebte seiner Schwester Catherine.

Als Henri schon glaubte, er wäre bereit, trat vor ihn hin Philipp Mornay mit zwei Pastoren. Ohne Umschweife, da die Schlacht und vielleicht das Opfer des Lebens warteten, warf Mornay seinem Herrn vor, daß er noch wieder in La Rochelle eine Liebschaft gehabt hatte, und diese lastete im letzten Augenblick auf der Tugend der Hugenotten. Henri gab seinen Fehler den Pastoren zu. Er sagte: «Vor Gott kann man sich nicht genug demütigen, und Menschen nie genug trotzen.» Worauf er davonsprengte, denn er erblickte einen Überläufer — ein Anführer, der sich mit seinem Trupp unentschlossen zwischen Hügeln bewegte, in einem vorläufigen Abstand von beiden Armeen. «Fervaques!» rief Henri schon von weitem. «Wenn wir siegen, kommen Sie zu uns!»

Sofort wendete er, ohne sich erst zu überzeugen, was auf seinen Anruf geschähe. Die Leute des graden und schlichten Soldaten nötigten ihn aber, sich zu entschließen, denn sie folgten dem König von Navarra. Henri sah am Stand der Sonne, daß es neun Uhr war, und seit zwei Stunden manövrierten die beiden Heere, jedes vor den Augen des andern. Im Oktober ist dies keine vorgeschrittene Zeit; das Licht fiel schräg aus Wolken, die niedrig, langsam hinzogen über die Ebene, so daß anschaulich zu bemerken war: auch große Heere mitsamt den Feldherrn werden klein, sie werden sehr gering unter den sehr großen Wolken; und hinter diesen ist ein Himmel — kann sein, er will uns gar nicht kennen.

Henri reckte sich auf seinem Tier, er rief in die tiefen Reihen der Seinen hin, den Augenblick, bevor er mit ihnen den Feind angreifen wollte: «Gefährten, es geht um den Ruhm Gottes!» So rief er grade wegen des niederen Himmels. «Unsere Ehre will, daß wir siegen, oder wenigstens müssen wir das ewige Leben retten. Vor uns liegt der Weg. Los im Namen Gottes, für den wir kämpfen.» Während er dies in die Reihen rief, besann er für sich die Befehle, die sogleich folgen sollten.

Es kam anders, und das protestantische Heer, ohne Geheiß noch Verständigung, kniete hin und betete: das ganze Heer. Es betete laut wie Getöse, Donnerschlag, oder Glokken, an denen man reißt, Psalm 118: «Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.»

Da wurde das Herz Henris erhoben vom freudigen Erschrecken, und er erkannte wieder, was ihm einst am Meeresstrande voraus verkündet worden war: Ein ganzes Heer kniet hin, und anstatt anzugreifen betet es. So überzeugt ist es von seiner Bestimmung, zu siegen. Auch er, die Stirn erhoben, die Hände auf der Brust gefaltet, sprach mit: «Alle Heiden umgeben mich; aber im Namen des Herrn will ich sie zerhauen. Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein!»

Wahrhaftig war Henri fröhlich, er war fröhlich wie nie. Der Tag, den der Herr macht, ist der, an dem wir reiten und dreinschlagen, ohne Sorg und Zweifel. Der halbe Schnurrbart wird heute nicht weiß durch Verrat, Ungewißheit, Trauer. Der Tag, den der Herr macht, ist ohne Zweifel, denn dort steht der Feind. Heute sind wir stark im Glauben, denn wir haben nicht die Wahl und müssen siegen. Das ist der fröhliche Tag.

Der Herzog von Joyeuse sah, was drüben Merkwürdiges vorging, er rief: «Der König von Navarra hat Furcht!» Ihm antwortete Jean de Montalembert: «Herr, Sie und Ihre Höflinge haben sich noch nicht die Knie gerieben an den Hugenotten. Wenn die dort solche Gesichter aufsetzen, dann soll was kommen.» Worauf manche reichen Leute in silbernen Rüstungen sich erst recht belustigten. Denn sie hatten nichts erforscht, nichts begriffen.

Das da drüben ist das Heer der Armen. Das drüben ist das Heer der Verfolgten um der Gerechtigkeit willen. Es ist das Heer, bei dem zuweilen die Tugend vorkommt und einige Male das Wissen. Ihr König hat hohle Wangen seit diesem Feldzug, trägt auch nur den grauen Helm und Brustpanzer wie alle, und sein einziges Hemd ist an seinem Leibe noch feucht von der Wäsche. Er hatte alles, was er und sein kleines Land besaß, auf dieses Heer gewendet; so ist auch jeder der Seinen herbeigezogen mit dem, was ihm geblieben und seinem ganzen Glück. Diese Schlacht verloren, und alles wäre aus für sie, es muß fortgewandert werden in die Fremde. Da liegen sie, diesen Augenblick noch mit den Knien auf ihrem Heimatboden, rufen hinan, reißen an Tauen, die von Glocken aus den Wolken hängen: «Im Namen des Herrn will ich die Heiden zerhauen. Dies ist sein fröhlicher Tag.»

Nun geschah es, daß beim ersten Zusammenstoß die Ritter tief einbrachen in die Reihen der hugenottischen Arkebusiere. Sie jagten sogar einen Teil der Reiterei von Navarra vor sich her, bis in die Stadt Coutras, man fing schon an, das Gepäck zu plündern. «Sieg!» wurde gerufen, und Joyeuse fand es nicht zu früh, auch sein Fußvolk vorzuschicken. Da erfolgte die Überraschung. Die Protestanten beschossen mörderisch aus gedeckten Stellungen die Flanken des königlichen Heeres, das selbst nur schlecht zielte, seine Kanonen standen zu niedrig. Das Fußvolk flüchtet, die Reiterei wird eingedrückt. Handgemenge, der König von Navarra umarmt inmitten einen feindlichen Edelmann. «Ergib dich, Philister!» Dann ist er selbst wohl Simson — hätte den Philister aber lieber vom Pferd schießen sollen, denn fast verliert er für seinen Edelmut sein Leben.

Als der Herzog von Joyeuse seine Sache verloren sah, ritt er mit seinem jungen Bruder, Herrn de Saint-Sauveur, in das dichte Gewühl und kam darin um, wie er auch gewollt hatte. Er war nur ein Günstling gewesen, und angefangen hatte er wohl nicht ehrenhaft. Sein Stolz, als er so groß geworden war, lehrte ihn, in Ehren unterzugehen.

Kaum hatte er ausgeatmet, schon lief sein Heer auseinander. Die Hugenotten verfolgten es zwei oder drei Meilen weit: jeder seinen schönen Ritter, dem er die Taschen umdrehen wollte, ihn gefangennehmen und nur herausgeben für gutes Lösegeld. Auf dem Schlachtfeld zurück blieben zweitausend Tote, fast lauter Katholiken: sonst war es leer. Die Toten lagen zwischen ihren Pferden und Waffen, alles aufgeworfen zu Hügeln von selbst, ohne menschliches Vorbedenken, und so auch die anderen Hügel, die aus Sand und Gras sind. Zwischen Sand, Gras und den Toten bewegte sich eine einzelne gebückte Gestalt: späht in die Gesichter, taumelt vom Schmerz des Findens und Erkennens, späht gebückt im fallenden Abend, unter den niedrigen Wolken.

Im «Weißen Roß» zu Coutras wurde getafelt oben, aber unten trug der Tisch die Leichen des Herzogs von Joyeuse und seines Bruders. Der König von Navarra kehrte zurück, man wußte nicht, woher; in der Verwirrung des Sieges hatte noch niemand ihn vermißt. Seine eigene Wohnung fand er voll verwundeter Gefangener, ging in das Gasthaus: hier bemerkten einige, daß seine Augen gerötet waren. Zuerst beugte er noch das Knie vor den beiden Besiegten; dann verwandelte er sich durch eigenen Entschluß und eilte hinauf, um mit den Lachenden und Tafelnden den großen Sieg zu feiern. Einen so großen hatten die von der Religion nie vorher errungen, gewiß nicht zu den Zeiten des Herrn Admirals, wie seine alten Kampfgenossen auch zugaben. Da der König von Navarra eintrat, sprangen alle von den Bänken, stampften einmal stark auf und hielten dann den Atem an, damit es völlig still wurde.

Henri sprang lachend unter sie, rief: «Noch nicht das ewige Leben, das haben wir noch nicht gewonnen, aber dieses.» Faßte den größten Humpen und stieß ihn gegen alle anderen, die seine tapferen Hauptleute ihm entgegenhielten. Sie verschlangen, womit die riesigen Schüsseln beladen waren; Henri so viel wie einer. Ihre lauten Stimmen erzählten ihre Taten in dieser Schlacht, und Henri die seinen, hell wie eine Trompete. In dem langen Saal war die Luft verdichtet vom Rauch der Fackeln, Qualmen des Bratherdes, und von den heißen Ausdünstungen der Soldaten. All ihre lederne Tracht hat dunkle Flecken; welche sind von ihrem Blut, und welche vom Blut getöteter Feinde? ‹Ich seh euch, aber ihr seht nicht, daß ich geweint habe.

Genug getrauert um meine Landsleute, die ich selbst hab hinschlachten müssen, und hätten mir doch später treu gedient. Dort hängen von der Decke ihre Banner, die von ihnen übrig sind. Gut und recht — aber das Banner des Königs von Frankreich will ich mir nicht holen, und er selbst soll nicht drunten auf dem Tisch liegen, indes ich oben tafle. Das nicht, ich schwör es› — sprach er zu sich selbst, tat aber den Tischgenossen munter Bescheid.

Valois steht längs der Loire mit seinem letzten Heer und deckt sein Königreich. ‹Ich tu dir nichts, Valois, und für dein Königreich schlag ich meine Schlachten. Wir müssen noch fertig werden mit Guise, das wissen wir beide. Jetzt mag er die deutschen Landsknechte zurücktreiben nach der Schweiz, du aber ziehst statt seiner siegreich in deine Hauptstadt ein, mein Valois. Denn ich tu dir nichts, wir verstehen uns.›

Gedacht, getan, und tags darauf stieg Henri zu Pferd, um durch die ganze Guyenne bis nach Bearn zu reiten; hatte bei sich einen berittenen Trupp und zweiundzwanzig eroberte Fahnen, die brachte er der Gräfin Gramont. Er handelte romantisch, wie alle sahen. Anstatt seinen Sieg zu verfolgen und den König zu schlagen, schwelgte er im Gefühl und trug eroberte bunte Fahnen bis vor die Füße seiner Freundin. Darüber große Enttäuschung bei den Siegern von gestern; ja, des Verrats wird Henri beschuldigt von fremden Protestanten, die leicht reden haben, je weiter fort sie sind von diesem Königreich.

Er kam an, da stand auf der Treppe ihres Schlosses, in Weiß und überflutet von Perlen, die Fee Corisande, so himmlisch er sie nur träumte. Alle Fahnen wurden vor ihr geschwungen und gesenkt; dann, als wäre er hiernach würdig genug, schritt Henri zu ihr hinan und führte sie hinein an der erhobenen Hand. Sie konnte nicht sagen, wie glücklich sie war. So glücklich war seine Muse, daß sie alles vergaß, was nicht sein Sieg und großer Weg war. Kein Gedanke an Bitterkeit oder eigenen Anspruch: sie vertraute ihm sanftmütig. Mütterlich bedauerte sie seine Mühen, freute sich, daß sie belohnt worden waren; hätte sich in Wahrheit aber wünschen müssen, daß sie lange währten, wie es dann auch kam. Solange das Glück in der Schwebe bleibt, ist noch die Zeit der Muse: dies aber ist ihr fröhlicher Tag.