Bilder aus Belgien
I. Walcourt
Häuschen und Lauben,
Fast wie zum Spiel,
Für Turteltauben
Welch ein Asyl.
Ziegel und Dächer,
Hopfen und Wein,
Tapfere Zecher
Stellen sich ein.
Bier wird von drallen
Dirnen geschafft,
Ei, die gefallen!
Alle Welt pafft.
Dort bei der Bude
Hält gleich der Zug ....
Ewiger Jude,
Ist dir’s genug?
II. Charleroi
Kobolde schwärzlich
Schaffen geschwind,
Warum, o Wind,
Stöhnst du so schmerzlich?
Giftiger Hauch,
Willst du mich beizen?
Sollst mich nicht reizen,
Stinkender Rauch!
Löcher im Kote,
Nirgends ein Haus,
Welch ein Gebraus,
Qualmende Schlote!
Rollt dort ein Rad,
Hörst du ein Fauchen,
Siehst du es rauchen,
Wo liegt die Stadt?
Gräuliche Düfte!
Wie es mich preßt,
Rauscht denn die Pest
Hier durch die Lüfte?
Dunst überall,
Schwitzende Leiber,
Hetzende Treiber,
Knirschend Metall.
Kobolde schwärzlich
Schaffen geschwind,
Warum, o Wind,
Stöhnst du so schmerzlich?
III. Brüssel
Rötlich grüne Töne mischen
In den Hügeln sich, den fernen,
Während trübe Gaslaternen
Alle Formen schon verwischen.
Langsam scheint das Gold der Hänge
Tief in rotes Blut zu tauchen,
Aus entlaubten Kronen hauchen
Vögel schüchterne Gesänge.
Trübe Bilder, sie verfliegen,
Ach, der Herbst nur kann so malen,
Müde will ich meine Qualen
In den müden Lüften wiegen.
IV. Im Schloßpark
Weit, so weit ich seh,
Streckt sich die Allee,
Wie das Auge reicht.
Dieser grüne Pfad
Weiß nichts von Verrat,
Ach, hier lebt sich’s leicht.
Ernste alte Herrn
Gehn mit Kreuz und Stern
In das Schloß hinein — —
Biedermeierstil!
Geben würd’ ich viel,
Könnt’ ich einer sein.
Blendend weiß das Schloß,
Hoch das Dachgeschoß,
Frieden rings und Ruh.
Welch ein selig Fest,
Fänden hier ein Nest
Einmal ich und du.
V. Brüsseler Karussell
Dreht euch, wackere Pferdchen, dreht euch schnell,
Dreht euch hundert, tausend mal im Kreis,
Munter, Pferdchen, dreht euch flott, mit Fleiß,
Pfeifen quieken, Hörner schmettern grell.
Plumpe Infanteristen, dralle Besen
Sind auf eurem Rücken heut zu Hause,
In der Kirmes fröhlichem Gebrause
Treiben sie als Meister keck ihr Wesen.
Dreht euch, Pferdchen, eurer Reiter Stolz,
Um die Orgel, die so glorreich singt;
Wenn ein Gaffer mit den Augen plinkt,
Dreht euch weiter, Pferdchen ihr von Holz.
Das ist eine Lust, berauschend, sündlich,
Solch ein Karussell zum Zeitvertreibe!
Schädelbrummen, Hochgefühl im Leibe,
Wohl und übel macht’s, und beides gründlich.
Dreht euch schnell, ihr tut ja eure Pflicht
Ungespornt, nie wird der Reiter grob,
Ohne Hülfen sprengt ihr im Galopp
Lustig weiter, Hafer gibt es nicht.
Aber jetzt heißt’s, bald den Tanz erledigen,
Es wird Nacht, und wie ich beinah glaube,
Will der Täuberich zu seiner Taube,
Fern vom Jahrmarkt, fern auch von der Gnädigen.
Dreht Euch flink, des Himmels Samt ist hell,
Reich mit goldnen Sternen schon bestickt,
Manches Pärchen hat sich längst gedrückt ...
Trommelwirbel! Pferdchen, dreht euch schnell!
VI. Mecheln
Die Wetterfahnen lädt zum Tanze
Der Wind — —, an diesem stolzen Bau
Des alten Schöffen fügt genau
Sich jede Einzelheit ins Ganze,
Die Ziegel rot, der Schiefer blau — —,
Dann pfeift er durch die grünen Wiesen;
Die Eschen schaffen die Idee
Von Horizonten, eine Fee
Hat sie gestaffelt, diese Riesen,
Luzerne gibt es, bunten Klee.
Und durch den tiefen Frieden gleiten
Die Züge selbst in stiller Ruh.
Schlaf ungestört, du brave Kuh,
Ihr Stiere, denen diese Weiten
Gehören, macht die Augen zu!
Geräuschlos rollen alle Wagen,
Die Zeit der Reisenden verfließt,
Man plaudert oder man genießt
Das Bild der Landschaft mit Behagen,
Die wie der Fenelon sich liest.