Çavitri

Maha-Barata.

Einst schwor Çavitri, um zu retten den Gemahl,

Daß sie drei ganze Nächte und drei ganze Tage,

Wie es Vyaça ihr befohlen, ohne Klage

Sich unbeweglich halten wolle wie ein Pfahl.

Nicht hat Curyas sengend heiße Mittagsglut,

Nicht hat der schlaffe Traum, der in der Nächte Mitte

Auf Tschandras Wink erscheint mit geisterhaftem Schritte,

Den festen Willen ihr bezwungen und den Mut.

Ob uns Vergessenheit zum bittern Lose fiel,

Ob schwarzer Neid und Mißgunst uns umtosen täglich,

Wir harren gleich Çavitri stumm und unbeweglich,

Steht vor der Seele uns, wie ihr, ein hohes Ziel.

Guter Sang

I.

Ah dein letzter Funken schillernd,

Bleicher Morgenstern, verglüht,

Schmettern trillernd

Tausend Lerchen schon ihr Lied.

Strahle einmal noch hernieder

Und vergiß den Sänger nicht,

Das Gefieder

Reckt der Fink empor zum Licht.

Strahlst dem Morgenrot entgegen,

Das die Erde bald erhellt,

Froher Segen

Wogt im reifen Ährenfeld.

Strahle mild auf meine Sorgen,

Mir auch lacht des Himmels Blau,

Durch den Morgen

Blitzt der silberhelle Tau.

Noch ist aus den süßen Träumen

Die Geliebte nicht erwacht,

Darfst nicht säumen,

Sieh, die goldne Sonne lacht.

II.

Silbergefunkel

Leuchtet im Wald,

Horch, durch das Dunkel

Raunt es und schallt

Rings von den Zweigen ...

O du mein eigen.

Still und bescheiden

Schaun in den See

Trauernde Weiden,

Zitterndes Weh

Rauscht durch die Bäume ...

Stunde der Träume.

Wunschloses Schweigen

Scheint groß und sacht

Niederzusteigen,

Welten voll Pracht

Messen die Runde ...

Selige Stunde.

III.

An einem Sommertage wird’s geschehn:

Die lichte Sonne, Zeuge meiner Freude,

Sie wird, Geliebte, dann in Samt und Seide

Noch schöner deine holde Schönheit sehn.

Des Himmels tiefes Blau ist in Bewegung,

Ein Baldachin, leicht schwankend, faltenreich;

Dein Antlitz und das meine werden bleich,

Erwartungsvoll in seliger Erregung.

Und wenn der Abend naht, spielt leis und lind

Sein Hauch mit deinem Schleier, und die Sterne

Sie lächeln gut und friedlich aus der Ferne

Die Gatten an, die dann vereinigt sind.