Die Bauern
Wie Greuze Bauern einst geschildert, sind sie nicht,
In zarten Farben hingehaucht beim Tanz im Freien,
Schmuck angezogen und mit rosigem Gesicht,
Ein heiteres Motiv, gleich andern Spielereien,
Für Rokoko-Salons, sehr zierlich in Pastell.
Grob sind sie, viehisch, plump. Die Zeichnung ist reell.
In ihrem Dorfe sind sie eingepfercht. Die Leute
Im Flecken nebenan, die sind für sie schon fremd,
Eindringlinge, des Hasses wert, willkommene Beute,
Die man betrügen darf und plündern bis aufs Hemd.
Das Vaterland ...! o weh, soll das sie gar begeistern,
Das ihre Söhne nimmt und zu Soldaten macht?
Das gilt die Erde ihnen nicht, die sie bemeistern,
Die ihre Saaten bis zur Reife treu bewacht.
Das Vaterland ist ihnen garnichts oder wenig;
In einem Eckchen ihres dumpfen Hirnes wohnt
Der König höchstens, eine Art von Märchenkönig,
Der mit der Krone auf dem Haupt im Purpur thront.
Ein bunter Flitterkram, ein Schloß, wo Fahnen wehen,
Mit Wappenschildern, funkelnd in dem Glanz des Lichts,
Wo die Soldaten mit Gewehren Posten stehen,
Das wissen sie vom Staat, vom Vaterland. Sonst nichts.
Im übrigen beschwert sie keiner Weisheit Bürde,
Denn Bücher, bis auf den Kalender, sind vervehmt.
Der Holzschuh könnte Freiheit, Recht und Menschenwürde
Zertreten ohne Wahl. Instinkt ist’s, was sie lähmt.
Wenn in der Stadt des Aufruhrs rote Blitze zucken,
Wenn ferner Donner grollt, sie bleiben unbewegt,
Gewohnt, in dieses Lebens Schlachten sich zu ducken,
Weil den, der aufrecht steht, das Wetter niederschlägt.
Kato
Den weiten Faltenrock bis hoch ans Knie gerafft
Hat sie das rote Maul gewaschen ihren Kühen,
Die Streu zurecht gemacht, den Dung hinaus geschafft,
Die Luken aufgesperrt beim ersten Morgenglühen.
Jetzt darf die Kato, die grobknochige, dicke Magd,
Sich auf den alten wackeligen Schemel setzen;
Die Schatten drücken schwer, die Stalllaterne blakt,
Den Nacken deckt ihr ein zerschlissenes Tuch, ein Fetzen.
Im Holzschuh stecken ihre Füße nackt und bloß,
Ein grober, harter Lederschurz bedeckt die Lenden,
Die Beine breit gespreizt hält sie auf ihrem Schoß
Den Eimer, und den Euter streicht mit beiden Händen
Sie auf und nieder flink, ein Strahl spritzt blendend weiß
Ins zinnerne Gefäß, und Blase perlt an Blase,
Wie von Ranunkeln steigt der Duft berauschend heiß
Empor, behaglich schlürft ihn Katos breite Nase.
Beim ersten Dämmerschein und wenn der Tag verglimmt,
Wenn er im Mittag steht, sitzt Kato bei den Kühen,
Das ist ihr Amt, sie melkt. Ihr leerer Blick verschwimmt,
Sie träumt von ihrem Schatz, die roten Wangen glühen.
Der Müllerbursche ist’s, ein Junge, der’s versteht,
Ein derber, großer Kerl, so einer von den dreisten,
Er paßt ihr immer auf, wenn sie zur Mühle geht,
Und schmatzt sie gründlich ab, sie weiß, er kann was leisten.
Doch ihre Kühe halten sie zurück im Stall,
Zehn, zwanzig, dreißig, die im Fette alle glänzen,
Sie recken ihre breiten Kruppen, straff und prall,
Die glatten Flanken peitschen sie mit langen Schwänzen.
Sind sie gepflegt? nichts leuchtet heller, als ihr Fell!
Und stark? an denen geht das Futter nicht verloren!
Das Wasser peitscht im Trog ihr Hauch, wie Sturm den Quell,
Mit ihren Hörnern können sie ein Brett durchbohren.
Und jeder Bissen wird zermalmt, das Maul verschlingt
Den Klee, die Esparsette, Rüben, Kleie, Möhren,
Der Hals ist langgestreckt, ein lautes Schnaufen dringt
Zufrieden aus der Brust, behaglich anzuhören.
Wenn Kato mit den Schwielenhänden Rüben schabt,
Dann stoßen sie den Korb, wie um die Magd zu necken;
Das trockne Heu, das auf dem Boden lagert, labt
Sie schon, wenn durch das Loch dort oben sie’s entdecken.
Aus Fachwerk ist der Stall. Gar seltsam drollig reckt
Auf seinem hohen Stuhl das alte Dach die Glieder,
Schwer sitzt es da, mit Stroh und Binsen eingedeckt,
Tief hangen die zerzausten Flügel seitwärts nieder.
Die Sonne fällt von oben durch das Bodenloch,
Sie wärmt das Vieh im Stand mit ihren Feuerduschen,
Die letzten Strahlen hauchen auf die Riste noch
Den leisen Rosaton, wenn sie vorüber huschen.
Doch drin im Stalle steigt ein Nebel feucht und warm
Vom Dung und von der Streu empor und von den Raufen,
Es qualmt der Mist, im heißen Dampfe summt ein Schwarm
Von großen Fliegen um den hochgetürmten Haufen.
Das ist das Reich, wo die vierschrötige Kato haust,
Fern von des Bauern Zorn und von des Pfarrers Predigt,
Wo auf dem Heu der Müllerbursch sie zwackt und zaust,
Wo er sie herzt, nachdem das Tagewerk erledigt.
Verschlafen träumt der Stall, geschlossen ist das Tor,
Der Nacht, die schweigend sie umgibt, gebührt Vertrauen;
Kein Laut schlägt jetzt an des verliebten Pärchens Ohr,
Als einer wachen Kuh Geschmatz beim Wiederkauen.