Gebet
Du Mond von Frost in goldner Grotten tiefer Stille,
Silberne Schwerter, Klingen ihr von Erz und Stahl,
Du Mitternacht, die du geheimnisvoll im Tal
Emporsteigst wie ein stummer, zielgewisser Wille,
Es harrt mein Herz des Dolchs, den ihm dein Schweigen wetzte,
Der letzten Hülle harrt, des Grabes harrt die Gier,
O helle Mitternacht, der Fackel weih ich hier
Des Lebens großen Traum, den Speer und Spieß zerfetzte.
Mein heißes Auge späht in deine tiefen Schauer,
Es ringt die leere Hand, die zitternd allerwärts
Gesucht, getastet hat, nach deines Rates Erz,
O Mitternacht, wie kalt fällst du auf meine Trauer!
So manch erstorbner Blick, so manches Auge graute
Vor deinem Angesicht, verzweiflungsvoll gespannt,
Vom Sonnenuntergang gefesselt und gebannt
Dort, wo der Winter seine Leichenkammer baute.
Nichts wird von dem was meine Klage war beharren,
Denn alles Menschenwerk, es ist umsonst getan;
O stille Mitternacht, laß meines Herzens Wahn,
Das Leid, das Lied und auch die Angst zu Eis erstarren.